Kampf dem Übergewicht
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Von der Idealfigur träumen Millionen, die klassischen Mode-Diäten sorgen aber meist nur vorübergehend für purzelnde Pfunde. Jetzt haben Erlanger Forscher dem Jojo-Effekt den Kampf angesagt und wollen dauerhaftem Schlanksein auf die Spur kommen.
Hinweise für künftige Therapien gegen Übergewicht erhoffen sich die Wissenschaftler bei der bundesweiten Aktion von rund 500 Männern und Frauen, die ihr Gewicht nach erfolgreicher Diät mindestens für ein Jahr gehalten haben, erläuterte Studienleiterin Professor Martina de Zwaan zum Start der Studie. Mit ihr soll zugleich ein Deutsches Gewichtskontrollregister nach US-Vorbild aufgebaut werden.
Teilnehmer der zunächst auf drei Jahre angelegten Studie «Gewicht halten» müssten aus eigenem Antrieb mindestens zehn Prozent ihres Gewichts verloren haben. Die wichtigste Voraussetzung aber sei, dass die Beteiligten nicht Opfer des Jojo-Effektes geworden sind. Denn obwohl viele Diäten kurzfristig durchaus Pfunde purzeln lassen, legen 90 Prozent aller Betroffenen anschließend wieder deutlich zu. In vielen Fällen haben sie sogar anschließend mehr auf den Hüften als vor der Hungerkur.
Nach einer Diät das Gewicht langfristig zu halten, gelingt nur wenigen Menschen, betonte die Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen. Das würden auf zahlreiche Untersuchungen belegen.
Motivation statt Strategie
Dabei fehle es vielen Betroffenen durchaus nicht an Willenskraft, betonte die Studienleiterin. Vielmehr spielten für Übergewicht auch die Lebensumstände, der Bildungsgrad und die genetische Disposition eine große Rolle.
«Um es klar zu sagen: Die Abnehmstrategien der Befragten sind uns nicht so wichtig. Uns geht es in erster Linie um die Frage: Wie konnten die Betroffenen ihr Gewicht halten. Uns geht es sozusagen um die Motivation dahinter», unterstrich Zwaan. Daher zielten die Fragen vor allem auf die Lebensumstände der Befragten, ihr Verhältnis zum Essen, ihre Ängste, ihr soziales Umfeld und ihre Lebensqualität. Die Forscher erhoffen sich von den Ergebnissen ein wirksames Therapieprogramm zur Vermeidung einer neuerlichen Gewichtszunahme.
Das Projekt, das Teil des Kompetenznetzwerkes Adipositas ist, wird vom Bundesforschungsministerium mit 450.000 Euro gefördert. Ebenfalls beteiligt sind die Universitäten Bochum, Hamburg, Heidelberg, Mainz, Marburg und Tübingen.
Die Expertin rät allen Übergewichtigen, ihre Ziele beim Abnehmen nicht zu hoch zu stecken. So strebten Frauen im Durchschnitt eine Gewichtsreduzierung von 32 Prozent an. Realistisch sei aber allenfalls ein Gewichtsverlust von fünf bis zehn Prozent, auch wenn dies viele Patienten als enttäuschend niedrig bewerteten. «Wenn man das neue Gewicht dann für ein Jahr hält, gilt das als Erfolg», betonte die Erlanger Wissenschaftlerin.
Das zunehmende Problem Adipositas
Nach Zwaans Angaben reagiert die Uniklinik Erlangen mit der Befragung auf die weiter steigende Zahl von Übergewichtigen. Allein in den USA seien inzwischen 30 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte der Anteil sogenannter Adipositas-Patienten im Jahr 2025 dort auf 45 Prozent steigen.
Die meisten Dicken außerhalb der USA gebe es in Griechenland, Kroatien, Finnland und Portugal, sagte de Zwaan. Aber auch Deutschland liege weit vorne. Zwaan: «Das erzeugt natürlich auch Kosten im Gesundheitssystem, die Krankenstände steigen.»
«Wir haben trotz aller Bemühungen dieses Problem nicht in den Griff bekommen», sagte Zwaan. Viele Menschen kämen mit dem Nahrungsmittelangebot in unserer Überflussgesellschaft nicht mehr zurecht. Übergewichtigkeit hänge aber auch mit den Erbanlagen zusammen. «Es ist daher ein Irrtum, dass man sein Körpergewicht locker manipulieren kann», sagte Zwaan.
Das Forscherteam sucht auch noch Teilnehmer, die älter als 18 Jahre sind, ihr Gewicht um mindestens zehn Prozent reduziert und ein Jahrlang nicht wieder zugenommen haben. Interessierte können sich unter www.gewicht-halten.de oder der Telefonnummer (09131) 8544672 bei der Uniklinik Erlangen melden.
kat/car/news.de/dpa/ap
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