Umsiedlung gegen Kahlschlag
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 23.10.2009
Geheimratsecken oder gar Platte: Den Kahlschlag auf dem Kopf muss man nicht wehrlos hinnehmen. Wenn Medikamente und Tinkturen nichts mehr ausrichten können, kann eine Haartransplantation die lichten Stellen wieder verdichten.
Zum Einsatz kommt die Verpflanzung der Eigenhaare, wenn Haarausfall für ausgedünnte oder sogar Stellen sorgt oder aufgrund von Narben kein Härchen mehr nachwächst. Bevor aber eine aufwendige und teils schmerzhafte Transplantation in Betracht gezogen wird, können Medikamente einer Kopfplatte entgegenwirken. So gibt es beim sogenannten ansatzbedingten Haarausfall eine Tablette für den Mann und eine Lösung, die auch bei Frauen wirkt.
Meist kann der Ausfall gestoppt und in einigen wenigen Fällen sogar rückgängig gemacht werden. «Das hängt aber auch davon ab, wann man mit der Behandlung angefängt», erklärt der Berliner Haarexperte Dr. Andreas Finner. Wer jeden Tag übermäßig viele Haare in der Bürste hinterlässt, aber noch keine freien Flächen entwickelt hat, habe gute Chance allein mit Medikamenten erfolgreich zu sein.
Die Wirksamkeit der Tabletten sei aber im vorderen Kopfbereich nur eingeschränkt, weshalb dort eine zusätzliche Transplantation Abhilfe schaffen kann. Die genetische Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem männlichen Hormon Testosteron, das die Haare schrumpfen lässt, ist dort besonders groß. Die Haarpracht verliert dann an Dichte und Dicke. Einige Haare verkümmern zu weichem Flaum.
Auch wenn die Vorstellung einer Transplantation beim Traum vom vollen Haar reizvoll ist, sollte sich niemand der Illusion hingeben, dass anschließend mehr Haare den Kopf bedecken. Zwar arbeiten Firmen bereits an einer Technik, Haare zu klonen und damit zu vervielfältigen. «Aber das ist erst in fünf bis zehn Jahren soweit», ist Finner überzeugt. Stattdessen werden die noch vorhandenen Einzelhaare umverteilt.
Ist ein Kopf normal behaart, sprießen zwischen 100.000 und 150.000 Haare. Davon fallen täglich rund 100 Exemplare aus und wachsen wieder nach. Erst wenn wesentlich mehr Haare in der Bürste hängen bleiben oder nicht mehr nachwachsen, spricht man von Haarausfall.
Vom Büscheleffekt zur Minitransplantaten
Bei der Haartransplantation gibt es verschiedene Methoden, die sich in den vergangenen zehn Jahren etabliert haben. Die Haare werden am Hinterkopf entnommen, da sie dort nicht so hormonempfindlich sind. Diese Entnahme wird durch einen etwa ein Zentimeter breiten und zehn bis zwanzig Zentimeter langen Streifen gemacht. Die Schnittstelle wird anschließend sofort wieder zugenäht und so behandelt, dass nur eine ganz feine Narbe entsteht, auf der sogar wieder Haare sprießen können. Die Narbe wird zudem idealerweise von den übrigen Kopfhaaren verdeckt.
Aus dem Haarstreifen werden unter dem Mikroskop einzelne Haartransplantate gewonnen, die in Grüppchen ein bis vier Haare mit Wurzel und einem kleinen Anteil Hautgewebe enthalten. Um die Haaretransplantate einzupflanzen, werden viele kleine Schlitze in die Kopfhaut geschnitten, in die Transplantate hineingeschoben werden. Durch diese ganz kleinen einzelnen Haargrüppchen wird ein Büscheleffekt vermieden, wie er bis vor etwa zehn Jahren üblich war.
An den Schnitten bildet sich eine Kruste. Bereits zwei Tage nach der Operation dürfen die Patienten wieder zur Shampooflasche greifen. Zwar ist die Kruste nach etwa einer Woche verschwunden, doch richtig heimisch werden die umgesiedelten Haare erst nach etwa sechs Monaten und fangen an zu wachsen. «Das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht», sagt Finner. Dann ist der Übergang nicht so drastisch und nicht jeder Kollege sieht sofort den kosmetischen Eingriff.
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