Sa., 26.05.12

Unnötig und schädlich 22.10.2009 Diabetiker-Lebensmittel sind eine Mogelpackung

Diabetiker-Lebensmittel (Foto)
Meist handelt es sich bei Diabetiker-Lebensmitteln um Süßwaren, in denen statt Zucker Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe wie Fructose enthalten sind. Das ist gar nicht gesund für Diabetiker. Bild: pixelio

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Supermarktregale sind voll davon: Speziell für Diabetiker gekennzeichnete Lebensmittel sind unnötig und unter Umständen sogar schädlich für Zuckerkranke, warnen Experten. Sie fordern die Abschaffung solcher Produkte.

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Der im Volksmund Zuckerkrankheit genannte Diabetes mellitus ist eine Krankheit, die stetig zunimmt. Bereits heute gibt es in Deutschland mehr als sechs Millionen Diabetiker. Kein Wunder also, dass in den Regalen der Supermärkte, Drogerien und Reformhäuser immer mehr Lebensmittel auftauchen, die angeblich speziell für diese wachsende Zielgruppe hergestellt werden und den Geplagten Genuss ohne Reue versprechen.

Doch Experten und die Organisation DiabetesDE warnen: Die sogenannten Diabetiker-Lebensmittel sind unnötig und sogar schädlich. Bei einer Anhörung im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am Donnerstag, 22. Oktober, wird über das Ende oder Weiterbestehen der Diabetiker-Lebensmittel entschieden. DiabetesDE fordert deren Abschaffung.

«Wir erwarten, dass die Politik endlich der Gesundheit der Menschen den Vorrang gibt vor den Interessen der Lebensmittelhersteller», sagt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von DiabetesDE. Michaela Berger, stellvertretende Vorsitzende der Organisation, ergänzt: «Wir haben es bei Diabetiker-Lebensmitteln mit einer reinen Mogelpackung zu tun, die Menschen mit Diabetes auch noch eher schadet als nutzt.»

Was steckt drin in Diabetiker-Lebensmitteln?

Diabetiker-Lebensmittel enthalten verschiedene Zuckeraustauschstoffe, wie Fructose, Sorbit, Mannit oder Xylit. Diese Ersatzzucker haben einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel als der normalerweise in Lebensmitteln hauptsächlich enthaltene Haushaltszucker. Somit erscheint es logisch, dass sie genau das Richtige sind für den Diabetikerspeiseplan. «Etwa die Hälfte der an Diabetes erkrankten Menschen kauft diese Produkte und wiegt sich in der falschen Gewissheit, unbegrenzt davon essen zu dürfen», sagt Dr. Monika Toeller vom Deutschen Diabetes Zentrum an der Universität in Düsseldorf.Dabei müssten die Produkte vom Markt, «das ist wirklich ein Ärgernis», sagt Toeller.

Das Problem bei Diabetiker-Produkten: Die vermehrte Aufnahme von Zuckeraustauschstoffen führt zu Übergewicht, oder zu Bauchschmerzen und Durchfall. Der Grund dafür ist, dass insbesondere die Fructose von rund einem Drittel der Bevölkerung schlecht aus dem Darm aufgenommen werden kann. Und dieser Effekt führt zu einem noch größeren Problem: Der nicht resorbierte Zuckeranteil verursacht ein vermehrtes Bakterienwachstum im Darm, was wiederum zu einer chronischen Immunstimulation und damit zur Insulinresistenz führt. Und genau diese Störung der Insulinwirkung ist bei den meisten Betroffenen die Ursache ihres Diabetes.

Die Hersteller von Diabetiker-Lebensmittel berufen sich auf die Diätverordnung, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Doch diese Verordnung beziehe den Begriff «Diät» nicht auf das Abnehmen, sondern auf Hinweise zur besonderen Ernährung, kritisieren DiabetesDE und andere Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes-Gesellschaft und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland. So würden einige Firmen ausgerechnet auf besonders fettreichen Lebensmitteln um Diabetiker werben.

Diabetiker dürfen auch Zucker essen

«Spezielle Lebensmittel für Diabetiker sind unnötig», hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon vor zwei Jahren festgestellt. Es gebe eine Vielzahl anderer Lebensmittel, die für Diabetiker geeignet, als solche aber nicht gekennzeichnet sind. Das BfR forderte damals schon «eine einheitliche und erweiterte Nährwertkennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln». Diese solle nicht nur Angaben zu Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett, sondern auch zu Gesamtzucker, gesättigem Fettsäuren, Ballaststoffen und Natrium oder Kochsalz enthalten. Eine solche Kennzeichnung, so das BfR, käme allen Verbrauchern zugute.

Diabetes DE empfiehlt Diabetikern, auf spezielle Diäten zu verzichten, teure Diabetikerprodukte links liegen zu lassen und stattdessen lieber zu gesunden, fettarmen aber ballaststoff- und vitaminreichen Lebensmitteln zu greifen. «Menschen mit Diabetes benötigen eine gesunde Kost, in Maßen dürfen sie alles essen, auch Zucker», sagt Toeller. Das Zuckerverbot sei schon seit Jahrzehnten überholt.

mac/news.de
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