rückwärts
vorwärts
Stimmungsmacher auf dem Teller (Bild 1/9)
Essen an sich macht glücklich (Foto)
Foto: dak
09.10.2009

Essen an sich macht schon glücklich. Man entspannt, fühlt sich ausgeglichen, und wenn die Nahrungszufuhr in Gemeinschaft geschieht, steigt die Stimmung. Im Hungerzustand dagegen verschlechtert sich die Laune. Diese Erfahrung kennt fast jeder. Sie ist sogar wissenschaftlich belegt: Bereits eine geringfügig verminderte Energiezufuhr macht emotional anfälliger.

Aus der Gerüchteküche

Was stimmt, was nicht?

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Macht sauer wirklich lustig, ist Koffein tatsächlich ein Muntermacher und kann Schokolade Glücksgefühle auslösen? Wie so oft, gibt es auch jede Menge Gerüchte um das sogenannte Glücksessen. News.de hat nachgefragt.

Stimmt es, dass sauer lustig macht?
Bei mieser Stimmung sollen ein Biss in die Zitrone oder ein Gläschen Essig helfen, denn sauer macht ja bekanntlich lustig. «Diese Volksweisheit stimmt leider nicht», sagt Ernährungsexpertin Dr. Andrea Flemmer. Der Grund dafür sei eine falsche Übertragung in die moderne Sprache, denn früher hieß das Sprichwort «Sauer macht gelüstig», also Appetit. «Zum Lachen hat man nur etwas, wenn man den Biss eines anderen in die Zitrone beobachtet», sagt Flemmer. «Denn die Gesichtsmuskeln, die sich so lustig zusammenziehen, sind wirklich nett zu beobachten.»

Was ist dran am Pepper-high-Effekt: Macht scharfes Essen wirklich glücklich?
Das Gerücht stimmt. Beißt man in eine Chilischote oder isst ein feuriges Curry oder Pasta Arrabiata, so wird es einem erst heiß, dann fängt es an zu brennen und Tränen treten in die Augen. «Das liegt unter anderem an dem in Chili und Peperoni vorhandenen superscharfen Inhaltsstoff Capsaicin», erklärt Flemmer. Die Schärfe macht seltsamerweise doch irgendwie glücklich - warum?

«Das liegt wiederum an einer Fehlinterpretation des Gehirns», sagt Flemmer. Das scharfe Brennen nimmt es fälschlicherweise als Schmerz wahr. Die Folge: Der Körper schüttet die körpereigenen morphiumartigen Schmerzkiller, die Endoprhine, aus. Diese Neurotransmitter sind dafür da, den Schmerz zu lindern, bewirken jedoch zusätzlich ein gesteigertes Glücksempfinden und eine leichte Euphorie. Nach dem Genuss von scharfen Speisen fühlen sich manche dann auch richtig gut, Experten nennen das den «Pepper-high-Effekt». Das Brennen auf der Zunge lässt sich nach Rat der Expertin am besten mit Joghurt, Milch, Bananen oder Eiscreme löschen.

Ist Koffein tatsächlich ein Muntermacher?
«Ja, weil Koffein in Kaffee oder Kakao die körpereigenen Muntermacher Dopamin und Glutamat aktiviert», lautet Flemmers Erklärung. Diese Stoffe regen wiederum das Nervensystem an. Koffein wird aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen und passiert sehr schnell die Blut-Hirn-Schranke. Bronchien und Blutgefäße erweitern sich, die Verdauung wird beschleunigt und die Muskelaktivität gesteigert. Die Großhirnrinde erhält mehr Sauerstoff. «Dieser Effekt hält je nach Konstitution und Gewöhnung bis zu fünf Stunden an und kann eine trübe Stimmung auch einmal ganz schnell beseitigen», so Flemmer. Allerdings: Lässt die Wirkung des Koffeins nach, tritt die Müdigkeit bei vielen umso stärker auf.

Macht das Serotonin in Schokolade und Bananen gute Laune?
Diese Behauptung ist definitiv falsch. Denn das Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden somit kein Glücksgefühl im Gehirn auslösen. Der Körper benötigt Tryptophan, um im Gehirn den Glücksstoff Serotonin zu produzieren. «Auch Walnüsse, Trauben, Äpfel, Ananas, Pflaumen und Tomaten enthalten diesen Neurotransmitter - ohne dass man davon mit guter Laune profitieren könnte», sagt Flemmer.

Belebt Ingwer die Stimmung?
Ja, denn das enthaltene Gingerol verbessert aufgrund seiner Schärfe die Stimmung. Übrigens: Ingwer schmeckt in den unterschiedlichsten Varianten: als Drink in kaltem oder heißem Wasser, frisch gehackt als Zugabe zu Schwarztee und als Basis für viele asiatische Gerichte.

Helfen Hülsenfrüchte gegen Stress?
Erbsen, Bohnen und Linsen sind reich an biologisch hochwertigem Pflanzeneiweiß, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, die nervliche Belastbarkeit, geistige Leistungsfähigkeit und Stimmung positiv beeinflussen. «Dies funktioniert jedoch nicht sofort, aber auf lange Sicht», sagt Flemmer.

Gilt der alte Spruch eigentlich noch: «Zum Frühstück essen wie ein Kaiser, zu Mittag wie ein König, zu Abend wie ein Bettler»?
Ja. Da der Stoff wechsel auch im Schlaf aktiv ist, benötigt der Körper rund um die Uhr Energie. Während der Nacht deckt der Körper seinen Bedarf aus seinen
Glukogen-Reserven (Speicherform des Traubenzuckers Glucose). Diese sollten am Morgen wieder aufgetankt werden, damit man genügend Energie für den Tag hat. Das Auslassen des Frühstücks ist meist kein guter Tagesstart und hilft auch nicht beim Abnehmen, weil der Körper den Stoff wechsel drosselt und man meist im Laufe des Tages mehr Energie aufnimmt, als wenn man mehrere Mahlzeiten einnimmt.

Das Mittagessen sollte nach Empfehlung der Expertin eine der größten Mahlzeiten sein, als Energiespender für den Nachmittag. Das Abendessen sollte kleiner und leichter ausfallen als das Mittagessen, da am Abend meist weniger Energie benötigt wird. Große, energiereiche Mahlzeiten am späten Abend können das Einschlafen verzögern, da die Verdauung in Gang bleibt. Bei Bedarf werden zwei bis drei Zwischenmahlzeiten empfohlen, um den ganzen Tag leistungsfähig zu bleiben.

nak/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Gesundheit hin oder her: Hauptsache, es schmeckt. (Foto)
Currywurst-Kult

Die scharfe Sünde

Wer Currywurst einmal gegessen hat, kommt nicht mehr davon weg. Behaupten jedenfalls Liebhaber des Pappschalen-Snacks. mehr ...

Vitaminpille.jpeg (Foto)
Nahrungsergänzungsmittel

Das wankende Image der Vitamine

Wer seinen Vitaminhaushalt gut versorgt, der ist auch fit und gesund. So der weitverbreitete Glauben. mehr ...

Butter ist reich an gesättigten Fettsäuren, die wiederum das Sättigungsgefühl unterdrücken. (Foto)
Studie

Gesättigte Fettsäuren machen nicht satt

Fettsäuren aus Fleisch und Butter wirken im Gehirn anders als ungesättigte Fettsäuren aus Olivenöl, haben mehr ...

Aus der Gerüchteküche: Was stimmt, was nicht? » Gesundheit » Nachrichten
URL : http://www.news.de/gesundheit/855028272/was-stimmt-was-nicht/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (0)
jetzt kommentieren
Kommentar schreiben
Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.

Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken
Videos
zurück
vor
Merkzettel
Hier können Sie Artikel ablegen, die Sie später lesen wollen.
Wie geht das?
Anzeige