Für Erwachsene ist es kaum vorstellbar, dass ihnen monatelang ein bisschen Milch reichte, um satt zu werden. Tatsächlich brauchen Babys aber nicht mehr, um zu wachsen. Beim Stillen sollten frischgebackene Mütter aber auf einiges achten.
Stillen ist gut für Kinder - darauf soll die derzeitige «Weltstillwoche», die noch bis Sonntag geht, aufmerksam machen. Die Nationale Stillkommission empfiehlt, Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich Muttermilch zu geben. Am besten legen Mütter ihr Kind nach der Geburt möglichst bald an die Brust, raten die Experten. Auch Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, könnten gestillt werden. Allerdings lassen sich Frauen dann besser erstmal helfen.
«Muttermilch ist nicht nur ein Nahrungsmittel. Sie transportiert auch Schutzstoffe von der Mutter an das Kind», erklärt Professor Klaus Vetter von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Sprecher der Stillkommission. Gestillte Kinder könnten dadurch Keime besser abwehren. Da sie weniger Fremdstoffe aufnehmen, sei außerdem das Allergierisiko geringer. «Man weiß, dass Stillen erstmal einen Nutzen hat» - das bedeute allerdings nicht, dass gestillte Kinder niemals eine Allergie bekommen könnten.
Ähnlich verhält es sich mit Übergewicht: Bei gestillten Kindern sei das Risiko geringer überschüssige Fettpolster anzusetzen. Eine Garantie gegen zu viele Pfunde gebe es aber nicht, erklärt Vetter. Außerdem fördere das Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind. Für Muttermilch sprechen laut dem Arzt auch ganz praktische Gründe: Sie hat immer die richtige Zusammensetzung und Temperatur und ist ständig verfügbar.
Aber nicht immer klappt es reibungslos mit der Milchversorgung an der mütterlichen Brust oder Frauen möchten lieber aufs Fläschchen mit gekaufter Babynahrung zurückgreifen. Dann sollten sie sich nicht als Rabenmütter fühlen. «Es ist kein Verbrechen, nicht zu stillen», sagt Vetter.
Gründe für Probleme
Haben Mütter Probleme zu stillen, sollten sie sich möglichst schnell Hilfe holen, rät Alice Semmler, Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes in Nordrhein-Westfalen. Die ersten drei bis fünf Tage nach der Geburt hätten einen großen Einfluss auf den weiteren Stillerfolg. Lernen Mütter früh, wie sie ihr Kind richtig anlegen, geht auch die restliche Stillzeit leichter von der Hand.
Klappt es mit dem Stillen nicht, kann das unterschiedliche Gründe haben. So ist es möglich, dass das Kind nicht richtig an der Brust liegt. In einige Fällen stehen dem Trinken anatomische Ursachen im Weg. «Aber normalerweise passen Mund und Brust zusammen», sagt Semmler. Alles, was der Mutter Ruhe und Entspannung bringt, fördert dagegen den Milchfluss.
Auch Kuscheln und der dabei entstehende Haut-zu-Haut-Kontakt helfen, beim Stillen eine ganz entspannte Atmosphäre zu schaffen. Deshalb empfehlen Experten, möglichst viele aufmerksame Streicheleinheiten. Auch sollten Mütter möglichst bereits beim kleinsten Hungerzeichen ihr Kind an die Brust legen. Stress sei hingegen schädlich.
Um den Speiseplan der Mutter ranken sich einige Mißverständnisse. Zwar sollten stillende Mütter auf die Qualität und ausgewogene Nährstoffe in ihren Mahlzeiten achten. Aber entgegen weitverbreitetem Glauben gibt es keine Stilldiät, erklärt der Berufsverband Deutscher Laktationsberater (IBCLC). Es ist ein Mythos, dass Kinder Bauchschmerzen bekommen, wenn die Mutter etwas Falsches isst. Auch lässt sich die Muttermilchmenge nicht durch Milchprodukte wie Joghurt oder Quark steigern. Wie viel Milch eine Mutter hat, hänge dagegen vor allem von der Stillfrequenz ab.
Stillende Mütter haben im Job besondere Rechte
Stürzt sich die junge Mutter noch während der Stillzeit wieder in den Job, hat sie einige besondere Rechte. Wie Schwangere haben auch stillende Mütter einen Anspruch darauf, bei der Arbeit vor gefährlichen Stoffen geschützt zu werden. Sie dürfen außerdem nicht zu Akkord- oder Fließbandarbeit herangezogen werden, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Körperlich schwere oder belastende Arbeiten sind ebenfalls verboten.
Darüber hinaus können stillende Mütter Stillpausen einlegen: Diese können zweimal am Tag für mindestens je eine halbe Stunde oder einmal eine ganze Stunde genommen werden. Arbeitet eine Frau mehr als acht Stunden, erhöhen sich die Stillzeiten auf 45 Minuten beziehungsweise eineinhalb Stunden. Diese Stillzeit darf nicht auf die weiteren Ruhepausen angerechnet werden. Genauso wenig darf der Arbeitgeber verlangen, dass die Stillzeiten vor- oder nachgearbeitet werden. Von der Frau wird allerdings gefordert, dass sie bei der Organisation dieser Pausen auf betriebliche Belange Rücksicht nimmt.
So lange Frauen stillen, steht ihnen zudem die Betreuung durch eine Hebamme zu. Bei Fragen und Problemen helfen aber auch Still- und Laktationsberaterinnen. In Stillgruppen können sich Mütter austauschen. Eine Übersicht der verschiedenen Verbände steht im Internet.
kat/iwi/news.de/dpa
Interresant für Euch? Gruß Daisy
jetzt antwortenKommentar meldenBei meinen 1.beiden Söhnen hatte ich angenommen, dass ich nicht stillen kann, da ich die Kinder erst 24 Stunden nach der Geburt bekam (in einem hinterweltlerischen Krankenhaus - zu DDR-Zeiten) und es wurde mir förmlich die Flasche aufgedrängt. Den 3. Jungen bekam ich gleich im Anschluss an die Geburt und siehe da, ich konnte ihn stillen, ein halbes Jahr lang. Ich war sehr stolz darauf und es nahm mir dann viel Arbeit an. Dieses intensive Gefühl auf beiden Seiten ist einfach nicht zu toppen und das Kind wurde in dieser Zeit auch nicht krank.
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