Sa., 26.05.12

Knochenmarkspende 28.09.2009 «Lebensretter werden ist so einfach»

Knochenmarkspende (Foto)
So sieht sie aus die lebensrettende Stammzellspende für einen Leukämiekranken. Bild: ddpa

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Für jeden Leukämiekranken einen Lebensretter finden - das ist das Ziel der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). News.de spricht mit DKMS-Sprecherin Julia Runge über die schwierige Suche nach passenden Spendern.

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Frau Runge, Sie sind Sprecherin der DKMS. Können Sie kurz erklären, welche Aufgaben Ihre Organisation hat?

Runge: Die DKMS hat als weltweit größte Stammzellspenderdatei die lebenswichtige Rolle übernommen, für Leukämiepatienten einen geeigneten Stammzellspender zu finden. Denn für zahlreiche Patienten besteht die einzige Chance auf Heilung in der Übertragung von gesunden Stammzellen.

Die DKMS hat gerade den zweimillionsten potenziellen Spender aufgenommen. Ist das ein Anlass, sich zurückzulehnen?

Runge: Nein, auf keinen Fall. Dass jetzt zwei Millionen potenzielle Spender in der DKMS registriert sind, ist zwar ein großer Erfolg. Aber damit sind wir noch lange nicht dort angelangt, wo wir hin wollen. Unser Ziel ist nämlich, für jeden Leukämiekranken den passenden Spender zu finden. Solange immer noch jeder fünfte Patient vergeblich auf die rettende Spende wartet, können wir nicht aufhören, uns weiter um potenzielle Spender zu bemühen.

Warum ist es so schwierig, einen geeigneten Spender für einen Leukämiekranken zu finden?

Runge: Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Übertragung von Knochenmark oder Stammzellen sind die Gewebemerkmale im Blut des Spenders. Sie müssen möglichst mit denen des Empfängers übereinstimmen. Aber weil jeder Mensch ganz individuelle Gewebemerkmale hat, ist es sehr schwer, einen passenden Spender zu finden. Natürlich kommt es auch auf die Art der Leukämie-Erkrankung an und wie der Zustand des Patienten ist. Unter Umständen kommt nur ein einziger Mensch unter mehreren Millionen als Spender in Frage. Je mehr Menschen sich also registrieren lassen, desto größer sind die Chancen für Leukämiekranke.

Vorurteile und Unwissen über Knochenmark- und Stammzellspende erschweren sicherlich auch die Neugewinnung von Spendern. Können Sie erklären, wie eine Spende abläuft?

Runge: Es gibt zwei Möglichkeiten, die dringend benötigten Stammzellen zu gewinnen: die Knochenmarkentnahme und die sogenannte periphere Stammzellentnahme. In beiden Fällen wird der Spender vor der Entnahme untersucht, und der Arzt entscheidet dann, welche Art der Entnahme angewendet wird. Bei der Knochenmarkentnahme wird dem Spender unter Vollnarkose mittels Punktionsnadeln etwa ein Liter Knochenmarkblutgemisch aus dem hinteren Beckenknochen und nicht, wie viele denken, aus dem Rückenmark entnommen. Das dauert ungefähr eine Stunde; das Blutgemisch bildet sich innerhalb von zwei Wochen wieder vollständig nach.

Und was passiert bei der peripheren Stammzellentnahme?

Runge: Vor einer peripheren Stammzellentnahme wird dem Spender etwa fünf Tage lang eine Art Wachstumshormon in die Bauchdecke gespritzt, das die Produktion der Stammzellen ankurbelt. Haben sich genügend Stammzellen im fließenden Blut gebildet, erhält der Spender an beiden Armen venöse Zugänge. Das Blut fließt von einem Arm aus durch ein Gerät namens Zellseperator und über den zweiten Zugang in den Körper zurück. In dem Gerät werden die Stammzellen vom restlichen Blut getrennt. Das wird ambulant gemacht und dauert an maximal zwei Tagen etwa drei bis vier Stunden.

Welche Gefahren bestehen für den Spender und wer übernimmt die Kosten?

Runge: Bei der Knochenmarkentnahme besteht das Risiko lediglich in der Vollnarkose, und bei der peripheren Stammzellentnahme kann es zu grippeartigen Symptomen während des Spritzens der Wachstumshormone kommen. Manche fühlen sich dann ein wenig schlapp oder haben Kopfschmerzen, aber die klingen nach Beendigung des Spritzens wieder ab. Andere haben überhaupt keine Beschwerden. Verdienstausfall und alle anderen Kosten, wie etwa Hotelübernachtung und Anfahrt, werden von der Krankenkasse des Patienten übernommen.

Wie viele von den registrierten Spenden haben in den vergangenen 17 Jahren des Bestehens der DKMS ihre Stammzellen gespendet?

Runge: Die DKMS hat seit ihrer Gründung 1991 fast 18.000 Leukämiekranken weltweit eine zweite Lebenschance geschenkt.

Wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?

Runge: Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter von 18 bis 55 Jahren als potenzieller Spender registrieren lassen. Nicht in Frage kommen zum Beispiel Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, einer stark ausgeprägten Form von Asthma und ehemalige Krebspatienten.

Nehmen wir mal an, ich möchte mich registrieren lassen. Was muss ich tun?

Runge: Eigentlich ist es ganz einfach, ein Lebensretter zu werden. Sie können sich auf der Internetseite www.dkms.de informieren, wo eine Typisierungsaktion in Ihrer Nähe angeboten wird. Dort werden Ihnen fünf Milliliter Blut entnommen, und Sie unterschreiben eine Einverständniserklärung, was aber nicht bedeutet, dass Sie Ihre Entscheidung nicht zurückziehen können. Die Blutprobe geht ins Labor, und die dazugehörigen Daten werden anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender-Register in Ulm weitergeleitet, von wo sie weltweit abgerufen werden können. Sollten die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen, gibt es weitergehende Untersuchungen.

Gibt es andere Möglichkeiten, sich typisieren zu lassen?

Runge: Ja, man kann auch ein Typisierungsset anfordern. Dann erhalten Sie einen Brief per Post, in dem sich eine Einverständniserklärung, zwei Wattestäbchen und ein Rückumschlag befinden, mit denen Sie sich selbst einen Wangenabstrich machen können.

Wie teuer ist eine Typisierung, und muss ich das selbst bezahlen?

Runge: Die Kosten für eine Typisierung betragen 50 Euro. Wenn der Spender die Summe nicht aufbringen kann, bemühen wir uns um Geldspenden – beispielsweise von Firmen.

Gesetzt dem Fall, ich spende einem Leukämiekranken meine Stammzellen: Habe ich die Möglichkeit, den Menschen, dem ich geholfen habe, kennen zu lernen?

Runge: Ja, in Deutschland besteht nach zwei Jahren besteht die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme. Aber nur, wenn beide Seiten einverstanden sind. Das passiert jedoch nur selten. Meist sind die Leukämiepatienten froh, wenn sie den Krebs überwunden haben.

nak/news.de
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