Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Sicherlich, Frankreich ist berühmt für sein Baguette, aber kein Land hat eine solche Brotkultur wie Deutschland. Mit mehr als 300 Sorten kann die Bundesrepublik die größte Brotvielfalt weltweit aufweisen. So wird die Stulle zum wertvollen Teil des Speiseplans.
Das klassische Butterbrot, das in der Brotdose in die Schule oder ins Büro mitgenommen und zur Frühstückspause ausgepackt wird, hat dennoch etwas an Bedeutung verloren, sagt die Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin Urte Brink. «Viele gehen ohne Frühstück aus dem Haus und schmieren sich auch keine Brote mehr für den Tag.» Wenn der Magen dann doch anfängt zu knurren, werde dann meist Geld für Brötchen oder Süßigkeiten ausgegeben.
Ob das Butterbrot, für das die Deutschen viele Spitznamen wie Stulle, Bemme oder Vesper haben, einen gesunden Beitrag zum täglichen Speiseplan darstellt, kommt zum einen auf die Sorte an. «Vollkornbrot ist mit Abstand am empfehlenswertesten», sagt Brink. Grund: Die hohen Anteile von Mineralien, Vitaminen und Ballaststoffen. «Es enthält bis zu fünfmal mehr Vitamine und Mineralien - wie Eisen oder Vitamin B1 - als die hellen Brotsorten», so die Ernährungsexpertin, die Mitglied des Expertenpools im Verband der Oecotrophologen (VDOE) ist. Auch macht es einfach schneller satt und hilft den Cholesterinspiegel zu senken. Die Blutzuckerkurve wird ebenfalls positiv beeinflusst.
Ein Vollkornbrot darf sich erst so nennen, wenn es bei Weizen- und Roggensorten mindestens zu 90 Prozent aus Vollkorn besteht. Beim Bio-Vollkornbrot sind sogar 100 Prozent vorgeschrieben. In Vollkornbrot sind neben den wertvollen Keimlingen auch die Randschichten des Korns enthalten. Beim verbreiteten Vorurteil, dass Vollkornbrot immer dunkel sein und aus ganzen Körnern bestehen muss, winkt Brink ab. Es gebe auch feingemahlenere und hellere Sorten. «Diese schmecken auch kleinen Kindern hervorragend und sind für ältere Menschen gut verträglich», so Brink.
Auch sei nicht jedes Körnerbrot automatisch wertvoll. «Häufig werden helle Mehle verwendet und Körner und Saaten, wie etwa Sonnenblumenkerne, Sesam oder Leinsamen, hinzugefügt. Das schmecke zwar gut, habe aber noch lange nicht den gleichen Nährwert wie tatsächliches Vollkornbrot.
Auch wenn Brot als gesund gilt, kann es schnell zur Fettfalle werden. «Ich habe oft bei älteren Menschen beobachtet, dass sie viel Wert auf die gute Butter legen und diese auch gerne mal dicker aufs Brot schmieren», sagt Brink und warnt: «Man sollte am besten Brot mit Butter essen und nicht Butter mit Brot.»
Auch anderer Belag kann über Kalorienbombe oder Gesundbrunnen entscheiden. «Für den einen ist das Butterbrot ein deftiges Schwarzbrot mit magerem Schinken, für den anderen Toast mit Schokocreme.» Brot an sich macht aber meist nicht dick. Wer seine Scheiben etwas dicker schneidet, sich dafür beim Streichfett etwas zurückhält und den Belag mit Tomate oder Gurke etwas aufpeppt, hat schnell eine gesunde Mahlzeit, die satt macht.
Ob Butter oder Margarine auf die Scheibe gehört hängt ganz vom individuellen Gesundheitszustand, Körpergewicht und dem persönlichen Geschmack ab. Der Tipp von Brink: «Bei Margarine sollte man darauf achten, dass keine gehärteten Fette enthalten sind.»
Damit der Speiseplan ausgewogen ist, werden je nach Alter und Geschlecht etwa zwei bis sieben Scheiben Brot pro Tag empfohlen. Der rechnerische Durchschnitt liegt in Deutschland auch tatsächlich ideal bei vier Scheiben Brot oder Brötchenhälften pro Tag. Beim Pro-Kopf-Verzehr von etwa 85 Kilogramm pro Jahr ist die Bundesrepublik europaweiter Spitzenreiter.
Die Brotauswahl bietet genug Variation, um die Stullenmahlzeit nie langweilig werden zu lassen. Deshalb empfiehlt Brink auch beim Brotkonsum immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren. So können neben dem Bäcker sowohl der Supermarkt als auch Biobäcker als Nachschubquelle für den Brotkasten dienen. Auch selbst mal ein Brot zuhause backen, kann zu einem duftenden Erlebnis werden. «Das macht besonders mit Kindern Spaß», rät die Oecotrophologin.
Brot schmeckt am besten frisch. Lose verkaufte Brote, insbesonders Dinkelvollkornbrote trocknen aber schnell aus. Das gilt für alle mit Hefe gebackenen Sorten. Roggenbrot mit Sauerteig hält sich dagegen länger. Gerade Singles, die mit dem Essen nicht so schnell hinterher kommen, können deshalb Scheiben einfrieren und bei Bedarf einzelnauftauen oder schnell auftoasten.
Aufbewahrt wird Brot am besten im Brotkasten, der regelmäßig von Körnern befreit und mit Essig ausgewischt werden sollte. Hat sich Schimmel gebildet, dann ist das der falsche Zeitpunkt zum Sparen. «Man sollte dann großzügig die ganze Packung wegwerfen», rät Brink. Denn: Die Sporen können sich schon ausgeweitet und Gift gebildet haben, ohne dass dies mit bloßem Auge erkennbar wäre.
voc/news.de