Das Herz arbeitet mit
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 27.09.2009
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an der Spitze aller Todesursachen. Grund für news.de, am Weltherztag mit dem Kardiologen Professor Helmut Gohlke über den Motor unseres Körpers zu sprechen - und darüber, wie man ihn auch im Arbeitsalltag gesund hält.
Das Motto dieses Herztages lautet «Herzgesund am Arbeitsplatz» - warum wurde dieses Motto gewählt?
Gohlke: Die meisten von uns verbringen einen Großteil des Tages am Arbeitsplatz, und somit bestimmt unser Arbeitsalltag im erheblichen Maße mit, wie gesund wir sind. Es ist also eine logische Konsequenz, auch am Arbeitsplatz etwas für sein Herz zu tun und nicht nur in der Freizeit. Das ist ein Gesichtspunkt, der bislang etwas vernachlässigt worden ist.
Wie kann man denn ein «herzgesundes» Arbeiten verwirklichen?
Gohlke: Einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Rauchen, das gemeinsam mit ungesunder Ernährung, Stress und Bewegungsmangel für rund 80 Prozent der jährlich weltweit mehr als 17 Millionen Todesfälle in Folge von Herzkrankheiten und Schlaganfällen verantwortlich ist. Arbeitnehmer haben Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz, sie sollten unbedingt auf einen rauchfreien Arbeitsplatz bestehen, denn auch Passivraucher haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Problem sind jedoch die Gaststätten mit abgetrennten Raucherräumen. Die Gäste können sich aussuchen, ob sie hingehen oder nicht. Aber diejenigen, die da bedienen und die Arbeit machen, können sich das nicht aussuchen, und die sind dem Rauch zum Teil sehr stark ausgesetzt. Es gibt Länder, wo das Rauchverbot schon länger gilt – mit der Folge, dass dort eine enorme Verminderung des Herzinfarktrisikos und der Herzinfarktrate erreicht wurde.
Rauchen ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ungesunde Ernährung ein weiterer – wie komme ich los von Fast Food in der Mittagspause wie Pommes frites oder Hamburger?
Gohlke: Die Lösung heißt mediterrane Kost - also essen wie im Mittelmeerraum. Das heißt, viel Obst und Gemüse und wenig Fleisch, mehr ungesättigte Fettsäuren wie Olivenöl und Fisch und weniger gesättigte Fettsäuren, wie sie in Fleisch, Wurst und Butter vorkommen, die den Cholesterinspiegel erhöhen. Es gibt weltweit umfangreiche Studien über den gesundheitlichen Nutzen der mediterranen Kost. Und das Tolle ist: Wer mediterran isst, verringert nicht nur sein Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, sondern auch sein Krebsrisiko. Zudem gibt es neuerdings Hinweise, dass möglicherweise auch das Demenzrisiko dadurch günstig beeinflusst wird.
Dritter Risikofaktor ist Bewegungsmangel, was noch dadurch verstärkt wird, dass viele den ganzen Tag auf dem Bürostuhl sitzen und sich abends nicht mehr aufraffen können, Sport zu treiben. Was kann man da machen?
Gohlke: Dann muss man die körperliche Bewegung eben in den Tagesablauf einbauen – etwa, indem man Mittagspausen zum Spazierengehen nutzt oder den Weg zur Arbeit, wenn es nicht zu weit weg ist, mit dem Fahrrad zurücklegt oder zu Fuß geht. Oder, wenn man mit dem Bus oder der Straßenbahn anfährt, steigt man eine oder zwei Stationen früher aus und legt den Rest zu Fuß zurück. Und wer mit dem Auto anfahren muss, kann doch auch ein wenig weiter weg parken und laufen. Es lohnt sich auch mal nachzufragen, ob die eigene Firma Betriebssport anbietet, oder man fragt Kollegen, ob die nicht Lust haben, in der Mittagspause oder nach Feierabend gemeinsam Sport zu machen. Es lohnt sich in jedem Fall für die Gesundheit: Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Frauen, wenn sie bis zu einer halben Stunde zu Fuß zur Arbeit gehen oder mit dem Fahrrad fahren, ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um 40 Prozent reduzieren können. Bei Männern ist eine etwas intensivere Tätigkeit notwendig. Da langt das offensichtlich nicht. Die müssen sich eben ein bisschen stärker in der Freizeit engagieren – mit Sport.
Mit Herzinfarkt verbindet man immer etwas Lebensbedrohliches. Warum ist der Herzinfarkt so gefährlich?
Gohlke: Der Herzinfarkt führt zu ganz plötzlich einsetzenden Veränderungen der Durchblutung, die Herzkranzgefäße werden nicht oder so mangelhaft durchblutet, dass die zu versorgenden Herzmuskelzellen absterben. Die entsprechenden Teile des Herzens können ihre Arbeit nicht mehr verrichten; das heißt, den Organismus mit Sauerstoff versorgen. In diesem Fall kann es zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod kommen - durch sogenanntes Kammerflimmern - ein schnelles, aber wirkungsloses Zusammenziehen der Herzkammer. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene und ihr Umfeld die Anzeichen eines Herzinfarktes richtig deuten und schnellstmöglich den Notarzt verständigen.
Wie macht sich ein Herzinfarkt bemerkbar?
Gohlke: Durch ein Engegefühl und starke Schmerzen im Brustkorb wie bei der Angina pectoris. Das sind meist dumpfe, druckartige Beschwerden. Die Schmerzen können auch bis in den Arm ausstrahlen. Bei Frauen kündigt sich ein Herzinfarkt dagegen auch durch heftige Übelkeit oder starke Schmerzen im Oberbauch oder Rücken an.
Nun denken ja immer noch viele: Herzinfarkt ist eine typisch männliche Sache. Sind Frauen besser davor gefeit?
Gohlke: Das zwar nicht, aber Frauen bekommen den Herzinfarkt etwa zehn Jahre später. Sie haben einen gewissen Schutz durch ihre Östrogene. Allerdings ändert sich das allmählich: Während bei Männern die Rauchgewohnheiten abnehmen, nehmen sie bei Frauen eher zu. Insofern sind die Frauen jetzt stärker gefährdet als es früher der Fall war, insbesondere wenn sie die Anti-Baby-Pille nehmen. Die Kombination von Rauchen und Pille erhöht das Herzinfarktrisiko.
Wie lautet Ihr Appell zum Weltherztag?
Gohlke: Verzichten Sie auf's Rauchen, halten Sie ein gesundes Körpergewicht, essen Sie mindestens fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse, verwenden Sie weniger Salz und bewegen Sie sich. Bringen Sie ihre Werte für Blutdruck, Cholesterinwerte und Blutzucker in Bestform. Denn wer herzgesund lebt, kann sich bei der Arbeit auch besser konzentrieren und läuft nicht Gefahr, dass er noch vor oder gleich nach der Pensionierung den Löffel abgibt.
Professor Helmut Gohlke ist Chefarzt der Abteilung Klinische Kardiologie II im Herz-Zentrum Bad Krozingen und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main.
Die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt am Main bietet ein Faltblatt zum Thema «Herzgesund am Arbeitplatz» an, das kostenfrei unter www.herzstiftung.de angefordert werden kann.
Der Weltherztag ist eine Initiative der World Heart Federation, in der sich die Herzstiftungen und kardiologischen Fachgesellschaften aus mehr als 100 Ländern zusammengeschlossen haben. Die Interessen von Deutschland werden von der Deutschen Herzstiftung vertreten.
seh/news.de
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