26.09.2009, 07.49 Uhr

Angina pectoris: Wenn die Brust plötzlich schmerzt

Wenn der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, nimmt er Schaden und es entstehen Schmerzen in der Brust: Die Angina pectoris ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, denn oft ist sie ein Vorbote des Herzinfarktes.

Das häufigste Symptom einer Angina pectoris ist ein drückender Schmerz hinter dem Brustbein. Bild: Istockphoto

Ein Schmerz direkt hinter dem Brustbein - das kann nicht das Herz sein, denkt der Laie. Die Pumpe sitzt doch schließlich links. Eine fatale Annahme: Häufig vermuten Betroffene ihre Bronchien hinter den Brustschmerzen, tatsächlich sei es aber das Herz.

Darauf weist Professor Helmut Gohlke von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Bad Nauheim hin. So macht sich zum Beispiel Angina pectoris mit Beschwerden mitten in der Brust bemerkbar. Diese Herzkrankheit wird durch verengte Herzkranzgefäße hervorgerufen. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie zum Infarkt und häufig sogar zum Tod führen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor Todesursache Nummer eins in Deutschland. Trotzdem ignorierten viele Angina-pectoris-Patienten ihre Beschwerden, beklagt Benny Levenson vom Berufsverband Niedergelassener Kardiologen in München anlässlich des Weltherztages am 27. September.

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Welche Symptome verursacht die Angina pectoris?

Der Schmerz hinter dem Brustbein strahlt meist in den Hals, den oberen Bauch und den linken Arm aus. Typisch sei die Beschreibung eines dumpfen, beklemmenden Engegefühls, erklärt Professor Christian Hamm von der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main. Frauen klagen häufig nur über Luftknappheit. Allen gemein ist, dass der Schmerz plötzlich und in Intervallen, nicht aber tagelang vorkommt.

Bei einer stabilen Form der Angina pectoris tritt der Schmerz in der Regel nur aus einer Belastung heraus auf - das kann körperliche Anstrengung oder auch Stress sein. «Bei Ruhe ist der Schmerz dann wieder weg», erläutert Hamm. Bei der weitaus gefährlicheren instabilen Form ist es umgekehrt: Der Schmerz kommt aus der Ruhe heraus. Hier besteht die Gefahr, dass bald ein Herzinfarkt folgt, also der komplette Verschluss eines Gefäßes. Aber auch bei der vermeintlich stabilen Angina pectoris ist ein Arztbesuch unabdingbar.

Wer ist betroffen?

«Eine Angina pectoris bekommt fast jeder, bei dem das Sauerstoffangebot nicht mit dem Bedarf des Herzens übereinstimmt», erklärt Levenson. Das bedeutet: Die Herzkranzgefäße sind aufgrund einer Arteriosklerose verengt und können das Herz nicht mit genügend Sauerstoff versorgen. Doch nicht jeder weiß, ob ihn das betrifft.

Wichtig ist daher, die Risikofaktoren zu kennen. Dazu gehört eine familiäre Vorbelastung. Wer einen Verwandten ersten Grades mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, habe ein 30 Prozent höheres Risiko, selbst zu erkranken, sagt Gohlke. Sind mehrere Verwandte herzkrank, sei das Risiko sogar doppelt so hoch. Weitere riskante Faktoren sind ein hoher Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Rauchen und vor allem eine Diabetes-Erkrankung.

Wie verläuft die Diagnose?

Am Anfang steht eine Aufnahme der Krankengeschichte. «Ein erfahrener Arzt kann daraus schon sehr viel schließen», sagt Hamm. Da Brustschmerzen auch von Bauch oder Wirbelsäule verursacht werden können, müsse der Arzt genau zuhören. Dann folgt in der Regel ein Belastungs-EKG. Das liefere aber nur eine 80-prozentige Genauigkeit.

«Daher macht man zusätzliche Untersuchungen, um herausfinden, ob Durchblutungsstörungen am Herzen vorliegen.» Das kann durch eine nuklearmedizinische Methode, eine Kernspintomographie oder ein Ultraschall unter Belastung geschehen. Manchmal sei auch noch eine Herzkatheteruntersuchung nötig, ergänzt Gohlke. Dadurch lasse sich ermitteln, wie umfangreich die Gefäßverengung ist.

Wie lässt sich vorbeugen?

Nichtraucher zu werden oder zu bleiben, sei die wichtigste Präventionsregel, sagt Professor Hamm. Wer es auch noch schafft, sein Übergewicht durch gesunde und ausgewogene Kost in den Griff zu kriegen und sich viel zu bewegen, ist bestens gewappnet. Eine angeborene Fettstoffwechselstörung, etwa ein erhöhter Cholesterinspiegel trotz Normalgewicht und ausreichender Bewegung, oder ein hoher Blutdruck sollten vorbeugend mit Medikamenten behandelt werden. Der richtige Umgang mit Stress und gezielte Entspannung schütze das Herz zusätzlich.

car/kat/news.de/dpa

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