Von news.de-Redakteurin Katharina Peter - 23.09.2009, 12.13 Uhr

Sex in der Schwangerschaft: Alles was Spaß macht, ist erlaubt

Eine Schwangerschaft muss keine Zeit der Enthaltsamkeit sein. Denn Sex ist bis zur Entbindung erlaubt. Das Vergnügen im Schlafzimmer hat sogar eine eindeutig positive Auswirkung auf die Mutter und das Baby. Ausnahmen sind Risikoschwangerschaften.

Schwanger? Deswegen muss noch lange keine Enthaltsamkeit herrschen. Sex ist ausdrücklich auch mit Babybauch erlaubt. Bild: dpa

Verläuft die Schwangerschaft völlig normal, müssen sich Frauen in ihren sexuellen Bedürfnissen nicht einschränken. «Die werdenden Eltern dürfen alles tun, was ihnen Spaß macht», sagt die stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte in Sachsen, Dr. Cornelia Hösemann. Denn: «Das Kind ist immer geschützt.» Nicht nur das. Fühlt sich die Frau durch die sexuelle Aktivität glücklich und geborgen, wirkt sich das immer positiv auf das Baby aus. Stress und Frustration können dagegen so negative Effekte haben, dass sie im schlimmsten Fall zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen können.

Dennoch halten Paare während einer Schwangerschaft Abstand. Der Hauptgrund laut Hösemann: «Vorurteile.» Besonders zu Anfang habe die Frau oft mehr mit sich selbst und ihrem Körper zu tun, als dass sie sich ihrem Partner zuwendet. «Sie sehnt sich dann oft mehr nach Zärtlichkeit als nach Sex», so Hösemann. Für den Mann sei gerade in dieser Phase noch kein ersichtlicher Grund erkennbar, warum sich die sexuelle Beziehung ändern sollte. «Er erlebt die Schwangerschaft ja noch überhaupt nicht», so die Frauenärztin. Aber: Die veränderte Situation löst bei einigen Vätern bereits in der frühen Phase Misstrauen oder Angst vor Konkurrenz aus. Die Befürchtung, das Kind beim Sex verletzen zu können, wie sie einige Männer hegen, sei völlig unbegründet, beruhigt Hösemann.

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Diese anfängliche Zurückhaltung kann bei vielen Frauen schnell ins Gegenteil umschlagen. «Gegen Ende der Schwangerschaft kann es durchaus sein, dass die Frau ihren Partner geradezu überfällt», sagt Hösemann. Denn die Hormonlage macht sie dann viel empfänglicher für Sex. Das liegt auch an der verstärkten Durchblutung im kleinen Becken, sodass sich einige Frauen dann sogar einer erhöhten Libido erfreuen können.

Je größer der Bauch anschwillt, desto eingeschränkter sind Paare in ihrer Stellungswahl. Zwar ist grundsätzlich dem Erfindergeist keine Grenze gesetzt. Aber der Babybauch ist nun mal im Weg. Auch drückt das Baby in der Rückenlage auf die großen Gefäße, sodass der werdenden Mutter nicht nur durch die Liebeskünste ihres Partners schwindlig wird. Die Seitenlage, etwa in der Löffelchenstellung, bietet sich eher an.

Allerdings so hat Hösemann die Erfahrung gemacht: «Für viele Paare halbiert sich die Wichtigkeit von Sex während der Schwangerschaft.» Auch ein Jahr nach der Entbindung ist das Sexleben oft noch nicht ganz wieder am ursprünglichen Stellenwert angekommen.Gründe dafür mögen zum einen Hormone sein. Aber auch Kopf und Genetik spielen eine große Rolle. Hösemann: «Nach der Geburt sind wir erstmal nur für das Kind da. Alles andere steht weit hinten an.» Auch fühlen sich einige Frauen mit ihrem veränderten Körper weniger attraktiv. «Aber ich hatte auch schon eine Patientin, die sich mit kugelrundem Bauch nackt vorm Spiegel fotografiert hat und sich supertoll fand», berichtet die Ärztin.

Wird der Verlauf aber vom Arzt als Risikoschwangerschaft eingeordnet, dann ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen schiebt oft der Frauenarzt durch ein Verbot der Aktivität im Schlafzimmer den Riegel vor. Das kann bereits zu Beginn der Schwangerschaft passieren oder irgendwann später während deren Verlauf.

Bis zur 37. Schwangerschaftswoche bestehe immer das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt, erklärt Hösemann die Vorsichtsmaßnahme. Um diese Gefahr nicht zusätzlich zu erhöhen, müssen einige Paare Enthaltsamkeit üben. Das kann passieren, wenn etwa der Ansatz des Mutterkuchens zu tief in der Nähe des inneren Muttermundes liegt und es zu Blutungen kommen kann. Auch Frauen, die zu frühzeitigen Wehen neigen oder bereits komplizierte Schwangerschaften hinter sich haben, sollten sich den Sex dann lieber verkneifen.

Das Gleiche gilt, wenn eine Neigung zu Scheideninfektionen vorhanden ist. Da könnten dann aber auch Kondome sinnvoll sein. Die Alarmglocken sollten bei werdenden Müttern immer dann klingeln, wenn es zu Blutungen oder Schmerzen kommt oder sich der Bauch verhärtet. «Dann sollte man immer erstmal mit dem Frauenarzt sprechen», rät Hösemann.

Ein ungenügend verschlossener Muttermund ist ebenfalls ein Grund auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Denn das Sperma des Mannes enthält ein Hormon, dass die Geburt einleitet, erklärt Hösemann. Gelangt dieses durch den Muttermund in die Gebärmutter, könnten verfrüht die Wehen einsetzen und zu einer Frühgeburt führen.

Diese Eigenschaft des Spermas wird aber auch gerne eingesetzt, wenn ein Kind sich viel Zeit lässt, um das Licht der Welt zu erblicken. Schleppt eine werdende Mutter ihren kugelrunden Bauch bereits ein paar Tage über dem eigentlichen Termin mit sich herum, gibt es einen ganz einfachen Tipp von der Fachfrau: «Wir geben dann keine Medikamente, sondern raten unseren Patientinnen sich mit ihrem Partner mal einen schönen Abend zu machen.»

iwe/news.de

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