Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Immer mehr Menschen trifft die Diagnose Alzheimer. Das Risiko, an dieser unheilbaren Gehirnkrankheit zu erkranken, lässt sich zwar nicht vollständig ausschalten. Aber vorbeugen ist trotzdem möglich - news.de verrät, wie.
Die Ursachen für die Entstehung der Krankheit sind bis heute nicht geklärt. Möglicherweise spielen genetische, aber auch äußere Einflüsse eine Rolle. Eines ist jedoch gewiss: «Bei der Alzheimerdemenz fallen Gehirnzellen aus, die für die Aktivierung und Mobilisierung des Gehirns zuständig sind», erklärt Professor Günther Deuschl, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.
1,1 Millionen Menschen in Deutschland sind von Alzheimer betroffen. Im Jahr 2050 wird die Zahl auf mehr als zweieinhalb Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Behandlung der Krankheit gelingt, warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Noch tappen die Wissenschaftler im Dunkeln. Sie wissen nicht, wie sich der Verfall im Gehirn verhindern oder stoppen lässt.
Bekannt ist, dass die Erkrankung in verschiedenen Stadien verläuft: «Erst sind es nur wenige Zellen, die absterben, schließlich werden es immer mehr», erklärt Deuschl. Auch wenn Alzheimer nicht heilbar ist: «Alle Betroffenen können eine Menge dafür tun, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen», sagt Professor Hans Georg Nehen, Leiter der Klinik für Geriatrie am Elisabeth-Krankenhaus in Essen.
Aktiv werden gegen den Verfall
«Mittlerweile gibt es sehr wirksame Medikamente», fügt Deuschl hinzu. Noch effektiver als die medikamentöse Behandlung ist aber der Einsatz der Betroffenen selbst. Je früher Alzheimer-Patienten selbst aktiv werden, desto höher stehen auch die Chancen, die Krankheit aufzuhalten. Gegen den Verfall des Gehirns schützt körperliche und geistige Betätigung.
Ob regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen, Tanzen oder Rad fahren: «Bewegung stärkt nicht nur den Körper, sondern fordert und fördert auch den Geist», sagt Deuschl. Wer nur Sudoku-Rätsel löst, geht dagegen zu einseitig vor - das Gehirn braucht möglichst viele verschiedene Anreize. Kreuzworträtsel lösen, Zeitung lesen, Handwerkern, ins Kino gehen, Musik hören, mit Freunden diskutieren, Geschichten schreiben: Abwechslung hält das Hirn auf Trab.
Ganz wichtig für Alzheimer-Patienten ist es außerdem, Stress zu reduzieren. «Denn unter Anspannung vergisst man noch viel eher», sagt Nehen. «Am effektivsten gegen das Vergessen sind möglichst viele Lebensmomente, die glücklich machen und uns ausfüllen.» Erinnerungen seien immer dann am intensivsten, wenn sie mit Emotionen verbunden sind. Gute Freunde, besondere Ausflüge, ein spannendes Hobby: «Pflegen Sie Ihre Leidenschaften», rät der Experte.
Risikofaktoren ausschalten
Auch wer nicht von Alzheimer betroffen, sollte etwas tun. Zwar kann man nicht wirklich vorbeugen, aber wenigstens gibt es inzwischen einige Ideen, welche Risikofaktoren man vermeiden soll.
Die Gefahr, Alzheimer zu bekommen, kann mit anderen Krankheiten gekoppelt sein. Bluthochdruck erhöht das Risiko. Auch Gefäßerkrankungen, Diabetes mellitus und Schlaganfälle zählen dazu. Diesen Krankheiten vorzubeugen, senkt damit auch das Risiko für Alzheimer. Wer Übergewicht vermeidet und sich ausgewogen ernährt -durch mediterrane Küche mit Gemüse, Fisch, Obst und ungesättigten Omega-3-Fettsäuren - kann Alzheimer entgegenwirken.
Auch Sport hat eine positive Wirkung und hilft, das Alzheimer-Risiko zu senken. Gerade bei sportlichen älteren Menschen konnte man diesen positiven Effekt nachweisen. Dreimal in der Woche eine Viertelstunde Fahrradfahren, Wandern, Krafttraining oder Gymnastik verbessert den Blutfluss im Gehirn und schützt damit auch die geistige Fitness. Es gibt Studien, nach denen Raucher ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Schon in mittlerem Lebensalter sei deren Gedächtnisleistung im Schnitt schlechter als bei den Nichtrauchern. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich jedoch nicht hundertprozentig abgesichert.
Andere Untersuchungen zufolge weisen Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass bei höher Gebildeten die Krankheit häufig extrem schnell verläuft. Diese Untersuchungen werden kontrovers diskutiert. Unter Umständen können Menschen mit hohem Bildungsniveau die Zeichen einer Alzheimer-Demenz länger überbrücken, oder sie nutzen ihre geistigen Reserven im Gehirn besser, so dass sich die Krankheit nach außen hin erst später bemerkbar macht. Auch wenn man die Aussagen nicht verallgemeinern kann, so lässt sich wohl feststellen: Gehirnjogging kann nicht schaden.
An der Frage, ob Umwelteinflüsse Alzheimer ursächlich auslösen können, scheiden sich in der Fachwelt die Geister. Eine Untersuchung zur Frage, ob Elektrosmog Alzheimer begünstigen kann, ist im Jahr 2008 an der Universität Mainz angelaufen; eine ähnliche Studie der Universität Mannheim vor einigen Jahren brachte keinen Beweis. Ebenso war eine höhere Rate an Demenzerkrankungen bei Arbeitern gefunden worden, die mit hirnschädigenden Substanzen wie Lösungsmitteln in Berührung kamen. Zweifelsfrei bewiesen werden konnte der Zusammenhang weder hier noch bei Kupfer oder anderen Schwermetallen. Ein niedrigeres Risiko haben laut Studien hingegen Menschen, die in zwischenmenschlich fordernden Berufen arbeiten; zum Beispiel Kindererzieher und Kranken- oder Altenpfleger.
news.de/dpa