Sa., 26.05.12

Keine Nährwertangaben 15.09.2009 Hersteller tarnen Kalorienbomben

Hersteller verschweigen oft Nährwertangaben (Foto)
Was ist drin? Anders als hier geben Lebensmittelhersteller oft wichtige Nährwertangaben nicht bekannt. Bild: dpa

Viele Lebensmittelhersteller halten sich mit Nährwertangaben zurück. Das betrifft vor allem zucker- und fetthaltige Nahrungsmittel wie Wurst, Milchprodukte oder Süßigkeiten. Damit tarnen die Konzerne bewusst Dickmacher, kritisieren Verbraucherschützer.

Der Einkauf im Supermarkt gleicht immerhin nicht mehr wie vor Jahren einem Blindflug. Angesichts ungesunder Ernährung und der immer dickeren Deutschen sind viele Hersteller dazu übergegangen, den Kalorien- und Nährwertgehalt auf ihre Packungen zu drucken. Und doch sind Verbraucherschützer unzufrieden: Eine Studie ergab jetzt, dass auf fast der Hälfte der untersuchten Produkte die acht wichtigsten Informationen fehlen.

«Es geht nicht um Olivenöl», stellt der Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg klar. Im Visier der Verbraucherschützer sind vor allem verarbeitete Lebensmittel, von denen viele nach Ansicht von Wissenschaftlern für die zunehmende Fettleibigkeit in Amerika und Europa verantwortlich sind.

Schon lange fordern deswegen Verbraucherschützer, mehr Informationen auf die Packungen zu bringen. Jetzt untersuchten sie 3500 Lebensmittel von 50 Herstellern. Die gute Nachricht: Nur bei knapp 15 Prozent fehlt jegliche Angabe zum Kaloriengehalt und den Nährwerten wie Fett und Eiweiß.

Doch auch damit zeigen sich die Verbraucherschützer nicht zufrieden. Nach ihrer Meinung sollten die acht wichtigsten Angaben auf den Packungen zu finden sein, nämlich Energiegehalt (Kalorien), Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Salz.

Denn mit den einfachen Angaben gibt es ein Problem: Ob das Fett in einer Fischpfanne von ungesunder Sahne oder wertvollem Olivenöl stammt, geht daraus nicht hervor. Dies könnte der interessierte Verbraucher nur mit dem Anteil gesättigter Fettsäuren feststellen. Ähnlich sieht es bei den Kohlenhydraten aus: Für die Ernährung ist es ein gewaltiger Unterschied, ob sie von Zucker oder Vollkorngetreide stammen.

Süßwarenhersteller halten sich bedeckter

Den Verbraucherschützern fiel bei ihrer Untersuchung auf, dass ausgerechnet bei manchen Kalorienbomben die Nährwertangaben fehlen. So wird Kalbsleberwurst nicht gekennzeichnet, während die Angaben beim mageren Schinken zu finden sind. Ähnliche Fälle gab es den Verbraucherzentralen zufolge auch bei Molkereiprodukten und beim Zuckergehalt auch bei Konfitüren.

Besonders schlecht schnitten aus Sicht der Verbraucherzentralen bekannte Marken ab. So fanden sie bei Ferrero nur ein Produkt von 36, das Angaben zum Zuckergehalt enthielt. Bei Ritter Sport wurde kein gekennzeichnetes Produkt gefunden.

Allerdings weist die Pressestelle der Deutschland-Niederlassung von Ferrero darauf hin, dass die Verpackungen ohnehin gerade umgestellt werden und ab kommendem Monat mit den acht Informationen versehen werden.

Ritter Sport verweist auf den Verpackungen in das Internet. Dort gibt es tatsächlich so viele Informationen, dass sie leserlich kaum auf eine 100-Gramm-Tafel passen. Zu den Informationen zählen der Zuckergehalt, gesättigte Fettsäuren und für Diabetiker die Broteinheiten. Auch wer sich für Ballaststoffe, Mineralstoffe, Spurenelemente oder gar den Koffeingehalt einer bestimmten Schokolade interessiert, wird dort fündig. Allerdings stellt dieses Vorgehen Verbraucherschützer Valet nicht zufrieden: «Die Kaufentscheidung wird am Regal getroffen.»

Lob für Discounter

Die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher umfangreiche Infos auf der Packung bekommen, ist der Studie zufolge beim Discounter Aldi am größten. Nur sechs Prozent der dort gekauften Produkte enthielten nicht die Tabelle mit den acht Nährwerten. Was den Verbraucherschützern auffiel: Offenbar können die Handelsketten den Herstellern Vorgaben zur Kennzeichnung machen. Haribo-Produkte etwa waren nur bei Aldi mit den acht Nährwerten gekennzeichnet, wie Ernährungsexperte Valet berichtet.

Optimal wäre es aus Sicht der Verbraucherschützer, wenn die Hersteller wie in England oder Skandinavien Ampeln zur Kennzeichnung ihrer Lebensmittelpackungen verwenden würden. In Deutschland begann der Tiefkühlkostproduzent Frosta in diesem Jahr damit, entsprechende Etiketten zu verwenden und stieß bei Verbraucherschützern auf Lob und bei Konkurrenten auf Skepsis.

Die Idee der Ampel ist einfach: Grün, Gelb und Rot sollen dem Verbraucher signalisieren, bei welchen Inhaltsstoffen Vorsicht angesagt ist und bei welchen es kein Problem gibt. Frosta gibt etwa die Werte für Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz an. Ob diese Kennzeichnung jemals in Deutschland flächendeckend eingeführt wird, ist unklar.

car/nak/news.de/ap
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