Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Die Diagnose Brustkrebs wird immer häufiger gestellt. Grund dafür sind nicht nur die verfeinerten Untersuchungen, sondern wohl auch unser Lebensstil. Doch ein Tumor in der Brust ist noch lange kein Todesurteil - vorausgesetzt, er wird rechtzeitig erkannt.
Brustkrebs kann jeden treffen. Auch Männer und immer mehr jüngere Frauen wie das Beispiel Sylvie van der Vaart (31) zeigt. Das niederländische Model machte die Erkrankung vor ein paar Wochen öffentlich und verriet jetzt ZDF-Moderator Johannes B. Kerner: «Mir geht es sehr, sehr gut». So erschütternd ihr Schicksal auch ist, letztlich lautet ihre Botschaft: Hoffnung lohnt sich.
Die häufigste Krebsart bei Frauen kann beides sein: bezwingbar und todbringend. Jedes Jahr verlieren 17.000 Patientinnen den Kampf gegen den Brustkrebs. Und dennoch ist die Geschichte der Brustkrebsbehandlung eine Erfolgsstory. Krebsspezialisten können Tumoren mittlerweile gezielt angreifen. Sie bringen bösartige Geschwulste vor der Operation zum Schrumpfen, um die Brust erhalten zu können. In den meisten Fällen ist keine Amputation nötig. Die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist aber immer noch ein rechtzeitiges Entdecken der Krankheit. Zudem schadet es nicht, sich Wissen über den Brustkrebs anzueignen. News.de beantwortet dazu die wichtigsten Fragen:
Wer ist gefährdet?
Am meisten gefährdet sind laut der Deutschen Krebshilfe Frauen, in deren Familie bereits eine entsprechende Diagnose gestellt wurde und die älter als 50 Jahre sind. Junge Betroffene wie Sylvie van der Vaart machen nur zwischen sieben und zehn Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen aus.
Für Dr. Nadia Harbeck, die das Brustkrebszentrum der Universität Köln leitet, gibt es vor allem zwei Risikofaktoren: Alter und Geschlecht. «Im Allgemeinen gilt die Regel: Je älter eine Frau ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Brustkrebs bekommt», erklärt die Brustkrebsspezailistin. Übrigens: 55.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich neu an Brustkrebs. Bei Männern kommt diese Krebsart zwar auch vor, aber sie ist so selten, dass sich die Experten über die genaue Zahl nicht einig sind: Etwa ein Prozent aller Brustkrebsdiagnosen werden bei Männern festgestellt.
Welche Risikofaktoren sind bekannt?
«Die Ursachen einer Brustkrebserkrankung lassen sich nie ganz genau klären», sagt Harbeck. Aber es lassen sich Risikofaktoren nachweisen. Dazu zählen: hoher Fettkonsum und Übergewicht, erhöhter Alkoholkonsum, geringe körperliche Aktivität, Beginn der Regelblutung vor dem elften Lebensjahr und später Beginn der Wechseljahre. Kinderlosigkeit, fehlende Stilltätigkeit, erste ausgetragene Schwangerschaft nach dem 30. Lebensjahr sowie eine Krebserkrankung der Gebärmutter, des Eierstockes oder des Dickdarm können ebenfalls ausschlaggebend für eine Brustkrebserkrankung sein.
Erhöht die Einnahme von Hormonen das Brustkrebsrisiko?
In großen Studien hat man herausgefunden, dass Frauen, die Hormone in den Wechseljahren über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren einnehmen, ein etwas erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken als Frauen, die keine Hormone nehmen. Medizinerin Harbeck hält es deshalb für wichtig, «dass man mit seinem Frauenarzt berät, was für und was gegen die Hormongabe spricht und für den Einzelfall eine fundierte Entscheidung fällt».
Was kann ich selbst tun?
«Jede Frau, auch junge Frauen, sollte mindestens einmal im Jahr zur Krebsvorsorge zum Frauenarzt gehen», rät Harbeck. Dazu gehören sowohl der Unterleib, also die Krebsvorsorge bei der Gebärmutter, als auch das Abtasten der Brust durch den Arzt. Frauen sollte ihre Brust aber auch selbst abtasten. Daneben ist eine regelmäßige Mammographie sinnvoll. Eine Basismammographie als Vergleichsbasis für spätere Untersuchungen sollte ab dem 35. Lebensjahr erfolgen. «Eine regelmäßige Mammographie empfehlen wir dann spätestens ab dem 50. Lebensjahr» , betont die Professorin. «Wenn Frauen ein familiäres Risiko haben, sollte man die Mammographie, aber auch die Tastuntersuchung und den Ultraschall früher durchführen.» Das könne man mit dem Frauenarzt besprechen.
Ist die Angst vor der Strahlenbelastung bei der Mammographie berechtigt?
«Der eindeutige Nutzen einer Mammographie ab dem 50. Lebensjahr ist klar bewiesen, vor allem weil das Risiko zu erkranken ab diesem Alter deutlich erhöht ist», betont Harbeck. Auch das Risiko, durch die Bestrahlung an Krebs zu erkranken bestehe eher theoretisch. Harbeck sagt, sie habe eine Kollegin, die hier gerne den recht eindrucksvollen Vergleich bringt, dass das Risiko durch die Mammographie Krebs zu bekommen dem Risiko, von ein bis drei Zigaretten pro Jahr Lungenkrebs zu bekommen, entspricht.
Wie wird Brustkrebs behandelt?
«Brustkrebs ist eine Erkrankung des ganzen Körpers, auch wenn man ‹nur› einen Knoten in der Brust ertastet», sagt Harbeck. Die Therapie besteht aus der Entfernung des Knotens, also der Operation, eventuell gemeinsam mit der Strahlentherapie. Daneben gibt es die medikamentöse Therapie, die sogenannte Chemotherapie, die hilft, vorhandene Tumorzellen, die schon in den Körper ausgestrahlt sind, abzutöten. Des Weiteren gibt es die Anti-Hormontherapie, die im Anschluss an eine Chemotherapie eingesetzt wird. Bis zu 80 Prozent aller Brusttumoren werden durch die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron stimuliert. «Die Anti-Hormontherapie hilft, ein erneutes Wachstum zu verhindern, und reicht bei weniger aggressiven Tumoren aus», meint Harbeck.
Was geschieht bei einem großen Tumor?
Selbst bei großen Tumoren wird versucht, die Brust zu erhalten. «Hier gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, eine Chemotherapie zeitlich vorzuziehen und dadurch den Tumor zu verkleinern», erklärt die Brustkrebsspezialistin. «In den wenigen Fällen, in denen man wirklich die Brust entfernen muss, weil der Tumor so ausgedehnt ist, kann man heute mit einem Wiederaufbau gleich im Anschluss an die Operation oder zu einem späteren Zeitpunkt sehr, sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielen.»
Wie sind die Heilungschancen?
«Wir gehen heute generell davon aus, dass wir etwa zwei Drittel aller Patientinnen mit Diagnose Brustkrebs heilen können», sagt Harbeck. Auch im fortgeschrittenen Stadium sei Brustkrebs eine Krankheit, die man sehr gut und auch über längere Zeit behandeln kann. Allerdings: Sobald einmal Absiedlungen, also Metastasen, im Körper sind, ist die Erkrankung als solche nicht mehr heilbar.