Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist für viele lang, lang her. Die wenigsten wissen daher, wie sie sich am Notfallort verhalten sollen. Dabei ist Soforthilfe nicht schwer - und rettet oft Leben. Der internationale Erste-Hilfe-Tag soll auf diese Problematik aufmerksam machen.
Das sind die Momente, in denen sich Minuten zu Stunden dehnen. In denen der Kopf kapituliert und Panik ins Hirn schießt. In denen man nicht mehr weiß, was man tun soll: Momente am Notfallort. Wer schon einmal Zeuge eines Verkehrsunfalls wurde und mit der Situation konfrontiert war, verletzten Menschen in der Not zu helfen, kennt das Gefühl des Ausgeliefertseins. Und alle anderen hoffen, nie in die Verlegenheit zu kommen, sich an längst vergessene Lektionen aus dem Erste-Hilfe-Kurs erinnern zu müssen. Doch es kann jeden erwischen, jederzeit.
Um beim Beispiel Verkehrsunfall zu bleiben: Allein im vergangenen Jahr wurden rund 446.000 Menschen bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen verletzt, 80.800 davon schwer. 5842 Menschen starben. Jeden Tag benötigen in Deutschland 1221 Verkehrsunfallopfer dringend medizinische Hilfe - der Notarzt aber ist in Ballungsräumen bestenfalls in sieben, acht Minuten, bei Unfällen in ländlichen Gebieten meist erst nach einer knappen Viertelstunde vor Ort.
Bis dahin sind die Menschen am Unfallort auf sich selbst angewiesen: auf die Hilfe von unverletzten Mitreisenden oder zufällig vorbeikommenden Passanten. Und die sind oft hoffnungslos überfordert mit der Situation. «Wir sehen es einfach zu selten, dass die Menschen vor Ort mehr machen als Händchenhalten. Das ist zwar besser als nichts, aber wir würden uns doch deutlich mehr wünschen», sagt Dr. Gerd Plock, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Leipzig.
Dabei ist oft mit wenigen Handgriffen viel geholfen, die meisten Menschen trauen sich nur nicht. Vor Fehlern aber sollte niemand Angst haben. Es ist noch nie jemand in Deutschland verurteilt worden, weil er als medizinischer Laie am Notfallort etwas falsch gemacht hat. Wohl aber wegen unterlassener Hilfeleistung. Die juristische Seite ist klar: «Der Laie hat keine Verpflichtung, eine ihm fachfremde medizinische Maßnahme korrekt auszuführen», sagt Notfall-Experte Plock. «Er hat aber die Verpflichtung, etwas zu tun.»
Plock ist nebenberuflich als Notarzt im Stadtgebiet Leipzig im Einsatz. Zwei- bis dreimal im Monat übernimmt er eine Schicht, die um 19 Uhr beginnt und 24 Stunden später endet. Zu 10 bis 25 Einsätzen wird er in dieser Zeit gerufen, wobei der klassische Verkehrsunfall nur noch 15 Prozent der notärztlichen Arbeit ausmacht. Meist wird Plock mit Herzinfarkten und Schlaganfällen konfrontiert. Vermehrt muss er zudem älteren Menschen helfen, die unter mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden und bei denen nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist, was nun gerade der Grund für den schlechten Zustand ist.
«Jeder Einsatz ist anders, immer wieder steht man vor neuen medizinischen und menschlichen Herausforderungen», sagt Plock. Notärzte sollten daher nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastbar sein. Der Mediziner appelliert an alle Unfallzeugen, die Scheu vor falschen Handgriffen abzulegen und die Erste-Hilfe-Kenntnisse bei Gelegenheit wieder aufzufrischen. «Drei Dinge sollte man wenigstens beherrschen», empfiehlt Plock: einen Druckverband anlegen, den Verletzten in die stabile Seitenlage bringen und die Herzdruckmassage anwenden, wenn der Patient nicht mehr atmet.
Hannah Reis beherrscht die stabile Seitenlage, kann Verbände fachgerecht anlegen und weiß, was bei Vergiftungen zu tun ist. Wenn es einen Notfall an ihrer Schule in Saarbrücken gibt, ist die 15-Jährige zur Stelle, übernimmt die Erstversorgung und ruft – wenn nötig – den Rettungsdienst. Sie ist eine der bundesweit 27.000 Schulsanitäter, die kostenlos vom Roten Kreuz in Erster Hilfe ausgebildet werden.
Mitmachen kann jeder, jüngere Kinder sind dann erstmal als Juniorhelfer im Team und unterstützen die älteren Schulsanitäter. Nach erfolgreichem Abschluss der Erste-Hilfe-Grundausbildung (acht Doppelstunden) werden sie dann selber als Schulsanitäter aktiv und können andere Juniorhelfer anleiten.
Wer mitmachen will, darf nicht zimperlich sein: «Man sollte keine Berührungsängste haben und gern mit anderen Menschen zusammen sein. Und man sollte sich nicht vor Blut ekeln oder schreiend weglaufen, wenn man einen Verletzten sieht. Es gibt einfach Dinge, die unangenehm sind. Da muss man durch», fasst Hannah die Voraussetzungen für einen Schulsanitäter zusammen.
Schulsanitäter sind im täglichen Schulbetrieb, aber auch auf Sportfesten, bei Veranstaltungen und Ausflügen im Einsatz - immer im Team und ausgerüstet mit einem Erste-Hilfe-Koffer. «Glücklicherweise gab es bisher nur kleinere Unfälle. Ich habe Mitschüler mit Schürfwunden, Nasenbluten, Übelkeit und Sportverletzungen versorgt. Das Übliche eben», erzählt Hannah.
Auch die Björn-Steiger-Stiftung engagiert sich für die Erste Hilfe. Sie hat in diesem Jahr das Projekt «Retten macht Schule» ins Leben gerufen – mit dem Ziel, jedes Jahr eine Million Jugendliche zu Lebensrettern auszubilden.
«Die Jugendlichen erfahren während der Erste-Hilfe-Schulungen wie wichtig das Thema ist, aber auch wie leicht es sein kann, Hilfe zu leisten», sagt Melanie Storch, Sprecherin der Stiftung. Ausgebildete Lehrkräfte und eine Million Übungspuppen sollen dafür sorgen, dass die Siebtklässler künftig in der Lage sind, Mitmenschen zum Beispiel mit der klassischen Herz-Lungen-Wiederbelebung zu retten.
Ähnliches schwebt dem Leipziger Notarzt Plock vor: «Es wäre sehr hilfreich, wenn jeder Jugendliche, der die Schule verlässt, eine Grundausbildung in Erste Hilfe absolviert hätte.» Gerade Kinder und Jugendliche, so die Erfahrung des Arztes, seien sehr motiviert zu helfen. Plock hat auch schon erlebt, dass eine 13-Jährige ihre 45 Jahre alte Mutter erfolgreich wiederbelebte.
Weitere Informationen:
Erste-Hilfe-Kurse bieten folgende Organisationen an: Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe, Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Johanniter-Unfallhilfe, Arbeiter Samariter Bund und Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG
Hier gibt es Infos über die Initiative «Retten macht Schule»
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Und doch ist schon das "Händchen halten" ungemein wichtig. Es gibt dem Notfallpatienten das Gefühl, dass jemand für ihn da ist und sich um ihn kümmert. Dies wiederum kann beruhigen und dient der Stabilisierung des Kreislaufes. Ansonsten stimme ich mit dem Artikel überein. Jeder Laie sollte wenigstens in den Grundlagen der Wundversorgung und der Reanimation geübt werden. Es muss ja nicht immer ein neuer "Erste-Hilfe-Kurs" sein. Die deutschen Hilfsorganisation bieten, komprimierte (weniger zeitaufwendige), "Fresh-Up-Kurse" an, die gleichzeitig die Gültigkeit eines bestehenden "Erste-Hilfe-Kurses" verlängern.
jetzt antwortenKommentar meldenPflichtbewusstes helfen ist nun nun-mal an jedem zuraten Hilfe zu leisten zu müssen im Verkehr, gem. § 34 I STVO bei Wegsehen oder stillschweigend des Opfer liegen zu lassen droht schon im § 223 StGB, und jeder der in Not ist ob man sie erkennt oder nicht ist in jedem Fall die Polizei oder bei schwerere Notenatemprobleme den RTW 112 Rufen über´s Handy, möglichst ruhig wirken melden! Ob der Beamte schlecht gelaunt ist oder nicht spielt keine rolle, es gelten auch für ihn die Gesetze. Da es auch Telefonbedienstete/r gibt, die meinen sie währen Helden und können wie Ärzte von 50 Jahren Erfahrungen sorbiert des Wichtigtuers herausgeben, und senden nichts. Dazu lasse ich nunmehr auch beantragen solche Leute bei Polizei und Feuerwehr aus dem Dienste zu suspendieren zu können. Denn die haben in solchen Berufzweigen nichts zu suchen! Also wer eben an einen Unfallort kommt oder ihn bemerkt oder sieht es ist einer aber sich darin nicht 100% sicher ist in der Sache, Ruft er umgehend die Polizei an und gibt ihr Ort Straßen evtl. Hausnummer bei Landstraßen den Kilometerstand ungefähr Ortsausgang Eingang usw. weiter. Auch wer als Fußgänger eine Lyllo (Penner-Betrunkener, etc.) sieht und weiß sich nicht zu helfen ruft ebenfalls die Polizei, an um Hilfe zu holen! Es gibt Beamte die meinen in einem unberechtigten falscher Tonlage unsubstanziiert, man müsse deshalb die Polizei nicht rufen, ist fataler Quatsch und Blödsinn! dazu soll man noch am selbigen Tattag den Dienstgruppenleiter verlangen, der unternimmt entsprechende Dienst rechtliche Schritte gegen die/der Rüppels-benehmen!
jetzt antwortenKommentar meldenEhe man darüber nachdenkt Rentner regelmäßig auf Verkehrstauglichkeit zu untersuchen, wäre es sehr viel wichtiger für eine regelmäßige Auffrischung des Erste Hilfe Kurses oder der Sofortmaßnahmen am Unfallort zu sorgen. Das macht auch volkswirtschaftlich Sinn und wäre ein wichtiger Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen.
jetzt antwortenKommentar meldenwar schon zweimal in der lage, dass ich helfen musste. einmal auf der strasse einmal in der wohnung. hatte da kein problem - es ist alles normal auch wenns dem verletzten weh tut. hauptsache er merkt, dass ihm jemanden hilft - jemand da ist der profisionelle hilfe holt. leute traut euch ran. versetz euch in die lage ihr braucht hilfe. würde nicht schaden alle 5 jahre einen erste hilfe kurs zumachen - sollte aber nicht so unfangreich sein. auch sollte er nicht zutief gehen sondern die einfachen handgriffe ins gedächtniss bringen.
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