Bewegung macht geistig fit Sport ist Doping fürs Gehirn

Laufen mit Hund (Foto)
Bewegung hält (geistig) fit - und mit dem Hund macht's gleich doppelt so viel Spaß. Bild: dak

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Sportler sind nicht besonders hell im Kopf, lautete früher ein gängiges Vorurteil. Heute denkt man genau andersherum: Sport helfe beim Stressabbau und trainiere nicht nur den Körper, heißt es, sondern auch den Kopf.

Als der deutsche Schach-Großmeister Robert Hübner vor einem Ausscheidungskampf zur Weltmeisterschaft einmal gefragt wurde, wie er sich auf seine Partien vorbereite, antwortete er zur Verblüffung seines Gegenübers: durch Atmen. Das war jedoch nur die halbe Wahrheit. Hübner lehnte es meistens ab, sich vom Hotel ans Brett chauffieren zu lassen. Stattdessen ging er die oft kilometerlangen Strecken zu Fuß, um das Gehirn durchzulüften. Hübner (heute 60) schaffte es Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre bis auf Rang drei der Weltrangliste.

«Bewegung fördert nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch die geistige und ist weitaus wirksamer als jedes Medikament, sogar wirksamer als ausgefeilte Lerntechniken und spezielles Gedächtnistraining», sagt Christo Förster. Denn durch Sport wird das Gehirn besser durchblutet, neue Gehirnzellen entstehen und das Alzheimer-Risiko sinkt.

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Sanfter Sport mit starker Wirkung
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«Wenn wir uns bewegen, dann pumpt unser Herz deutlich mehr Blut durch den Körper, auch im Gehirn kommt mehr Blut an», sagt der Sportwissenschaftler, Journalist und Buchautor. Geschieht dies regelmäßig, reagiert unser Denkorgan sogar mit der Ausbildung neuer Blutgefäße. «Selbst die entferntesten Regionen des Gehirns werden leicht erreichbar für Nähr- und Wachstumsstoffe, die das Blut im Gepäck hat», betont Förster.

Waffe gegen Alzheimer und Parkinson

Förster ist fest davon überzeugt, dass Sport eine Waffe gegen Demenzerkrankungen wie Alzheimer ist und stützt sich auf Studien, denen zufolge Hirnzellen auf Bewegung reagieren. «Sport und Bewegung kann Alzheimer-Patienten helfen, bereits verloren geglaubte Fähigkeiten teilweise wieder zu aktivieren beziehungsweise eine stetige Verschlechterung zu stoppen», sagt Förster.

Bewegung als medizinische Therapie für hirnorganische Leiden wurde auch bei anderen Krankheitsbildern ausprobiert. An der Universität in Frankfurt am Main untersuchten Wissenschaftler 2006 Parkinson-Patienten. Menschen mit Parkinson leiden unter einem starken Zittern, dem sogenannten Tremor. Die Krankheit geht auf das Absterben bestimmter Hirnzellen zurück. In ihren Studien überprüften die Wissenschaftler, ob auch nur Bewegung ausreiche, um im Gehirn die positiven Effekte zu aktivieren. Dafür stellten sie die Patienten für 60 Sekunden auf eine vibrierende Platte.

Das Ergebnis: Das Rütteln und Vibrieren regte nicht nur die Muskulatur an, die die Patienten brauchten, um die Bewegung der Platte auszugleichen. Offenbar aktivierte allein die Vibration den Aufbau und die Vernetzung von Nervenzellen und -strukturen. So konnte das Frankfurter Forscherteam zeigen, dass Patienten, die jeweils für eine Minute auf der vibrierenden Platte standen, bereits weniger zitterten.

Wie viel Sport muss sein?

Glücklicherweise muss man kein Spitzensportler sein, um seinen Geist zu fördern. «Und man muss sich auch nicht verausgaben. Schon ein 30-minütiger Spaziergang wirkt anregend», sagt Förster. Ideal ist dem Sportwissenschaftler zufolge eine rhythmische Ausdauersportart, die in freier Natur und gemeinsam mit Freunden ausgeübt werden kann. Die Reize aus der Umwelt sowie die sozialen Kontakte geben dem Gehirn zusätzliche Impulse. Walking, Nordic Walking, Joggen, Radfahren und Schwimmen kommen in Frage.

Förster stellte während seines Studiums an der Deutschen Sporthochschule in Köln am eigenen Körper fest, dass mit regelmäßigem Üben auch ein langjähriger Fußballer im Gymnastikkurs bestehen kann und legte seine Vorlesungen und Seminare so, dass dazwischen Zeit für eine Joggingrunde war. Ob er dadurch schlauer geworden ist? «Schwer zu sagen», meint er. «Dümmer aber sicher nicht.»

Lesehinweis: Christo Förster: «Schlau durch Sport», Südwest Verlag, 2009, 14,95 Euro.

kat/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Schriftsteller
  • Kommentar 1
  • 12.09.2009 12:23

Ein alter Hut, der allerdings - so scheint es - immer wieder in Vergessenheit gerät. Um die Gesundheit des Sports für Körper und Geist wusste schon Sokrates. Leider ist es hier wie in vielen Gemarkungen des Lebens: Spitzensportler tun sich viel zu viel an, so dass sie mit dreißig kaputt sind, und der Großteil der Bevölkerung schaut ihnen zu ohne sich selbst sportlich zu betätigen. Kannten übrigens auch schon die alten Griechen.

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