Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 10.09.2009, 11.57 Uhr

Lakritze: Gesunde Schnecke oder Bärendreck?

Lakritze gilt als kalorienarme Nascherei und als Heilmittel. Egal ob als Schnecke, Pfötchen oder Kätzchen: Der Extrakt aus der Süßholzwurzel hilft bei Hals- und Magenschmerzen. Zu viel kann aber krank machen – und die Lust auf Sex bremsen.

Jederzeit naschbereit: Lakritze ist eine süße Leckerei und ein Heilmittel. Man sollte sie trotzdem nicht grenzenlos genießen. Bild: ddp

Die einen nennen sie verächtlich «Bärendreck», die anderen lieben sie und verschlingen sie in Massen. Gemeint ist Lakritze, von der auch Stummfilmstar Charlie Chaplin ein großer Fan war. In seinem Film Goldrausch schlingt der traurige Tramp in einer Szene ausgehungert seinen Schuh mitsamt Schnürsenkeln, Sohle und Schusternägeln hinunter. Ziemlich ungesund? Nicht für den großen Stummfilmstar: Die Schuhe waren aus Lakritze, die aus Süßholzwurzel gewonnen wird. Der Vertreter aus der großen Familie der Hülsenfrüchte hat in der Heilkunde eine lange Tradition.

In China gehört Lakritze noch heute zu den bedeutendsten Heilpflanzen. Die Asiaten nutzen sie als Stärkungsmittel für Muskeln und Knochen sowie zur Glättung der Haut. Die alten Römer und Griechen verwendeten Süßholz gegen Magengeschwüre und Asthma. Der Naturforscher Plinius empfahl sie bei Hunger, Durst und weiblicher Sterilität.

Auch Hildegard von Bingen outete sich als Süßholzfan, denn das Heilkraut sei von «gemäßigter Wärme» und würde dem Menschen eine klare Stimme bereiten, «egal, auf welche Weise es auch immer gegessen wird». Außerdem, so die bekannte Klosterfrau, «macht die Wurzel des Menschen Sinne mild und erhellt seine Augen, und sie erweicht seinen Magen zur Verdauung».

Heutzutage wird Lakritze vor allem als kalorienarme Nascherei geschätzt. Laut einer Studie reduziert sich bei Lakritze-Essern sogar das Körperfett. Italienische Forscher vermuten, dass regelmäßiger Verzehr hilft, überschüssige Pfunde schmelzen zu lassen. Bei Versuchspersonen, die zwei Monate lang täglich ein Stück Lakritze aßen, sank der Fettanteil im Körper tatsächlich. Auf der Waage machte sich dieser Effekt jedoch nicht bemerkbar: Die Probanden verloren kein Gewicht, da ihr Körper gleichzeitig mehr Wasser einlagerte.

Wer jetzt glaubt, er könne die süß-salzige Spezialität gedankenlos in größeren Mengen verzehren, irrt. Das kann nämlich zum Gesundheitsrisiko werden, denn bestimmte Inhaltsstoffe treiben den Blutdruck hoch. «Bereits 100 Gramm Lakritze, das entspricht sechs bis acht Lakritzschnecken täglich, können Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen hervorrufen», warnt Dr. Gerd Guido Hofmann vom Berufsverband Deutscher Internisten.

Lesen Sie auf Seite 2, ob Lakritze impotent macht

Weitere mögliche Folgen sind Schwächeanfälle, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe oder sogar kurzzeitige Lähmungserscheinungen. «Schuld daran ist der enthaltene Süßholzzucker, das Glycyrrhizin», erklärt Hofmann. Es verändert die Hormonproduktion in der Nebenniere und verursacht so einen Anstieg des Blutdrucks. Zudem scheidet der Körper weniger Flüssigkeit aus. Diese lagert sich im Gewebe ein und lässt es anschwellen. «Besonders Menschen mit hohem Blutdruck oder Herzschwäche, Diabetiker und Schwangere sollten deshalb auf Lakritze lieber verzichten», rät der Mediziner.

Allerdings sind die schädlichen Bestandteile nur in echter Lakritze enthalten, die aus Süßholzwurzeln hergestellt wird. Viele der gängigen Süßigkeiten enthalten gar keine oder nur wenig echte Lakritze, so die Einschätzung des Experten.

Der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Union rät, regelmäßig nicht mehr als 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag aufzunehmen. Produkte, die mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm Lakritz enthalten, gelten als Starklakritze und müssen in Deutschland auch so gekennzeichnet sein. Diese Sorten können bis zu 500 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten und werden zum Beispiel in Apotheken oft als «Erwachsenenlakritze» verkauft.

Wenig begeistert dürften Männer auf folgende Eigenschaft der Lakritze reagieren: Es senkt die Lust auf die schönste Sache der Welt. Isst Mann täglich sieben Gramm der Nascherei, kann dies zu Potenzproblemen führen. Laut einer Studie senkt es die Konzentration des Sexualhormons Testosteron im Blut um bis zu 44 Prozent. Verantwortlich dafür sollen bestimmte Substanzen in der Lakritze sein, die die Enzyme blockieren, die für die Testosteronproduktion verantwortlich sind. Ein kleiner Trost für alle: Nach viertägiger Lakritzabstinenz normalisiert sich der Blutspiegel wieder. Spätfolgen sind also nicht zu befürchten.

Bei Frauen wirkt Lakritze dagegen als Aphrodisiakum: Zusammen mit dem Duft von Gurken soll der Duft von Lakritze beim weiblichen Geschlecht sexuell stimulierend wirken.

sgo/news.de/aid

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