11.09.2009, 15.36 Uhr

Streitpsychologie: Wenn der beste Freund zum Feind wird

Auch in der besten Freundschaft ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ein Wort ergibt das andere und es kommt zu einem handfesten Streit. Experten raten, sich dann erst einmal aus dem Weg zu gehen und später zu reden.

Geht eine Freundschaft im Streit in die Brüche, hilft zunächst Abstand. Bild: ddp

Bis vor kurzem war alles noch in Ordnung: Der beste Freund gehörte fest zum Leben dazu, jeden Tag sah man sich in der Schule, im Büro oder telefonierte. Doch plötzlich ist das alles vorbei: Nach einem Streit guckt einen der Freund nicht mehr an, die Fronten sind verhärtet. Ohne dass man manchmal genau weiß, wie einem geschieht, wird so aus dem besten Freund oder der besten Freundin der ärgste Feind.

«So eine Situation ist furchtbar», sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. «Es tut ganz schön weh, wenn man einen Menschen verliert, der einem vor kurzem noch so nahe stand.» Die Erziehungsberaterin Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon kennt die Probleme ebenfalls: «In so einem Fall sind meist beide Seiten ziemlich verletzt und machen sich vielleicht auch Sorgen wie ‹Werde ich wieder so eine gute Freundin haben?› und ‹Was habe ich falsch gemacht?›.»

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Doch gerade weil es so wehtut, ist Abstand erst einmal die beste Medizin, sagt Raffauf. «Wer immer wieder dieselben Dinge unternimmt, die vorher gemeinsam gemacht wurden - zum Beispiel einkaufen oder durch den Park radeln - wird immer wieder mit dem Verlust konfrontiert.»

Schwierig wird es, wenn beide auf dieselbe Schule gehen beziehungsweise im selben Büro arbeiten. «Sich aus dem Weg zu gehen, ist dann nur schlecht möglich», sagt El-Safti-Jütte. «Vielleicht ist es möglich, mit dem ehemals besten Freund eine Art Abkommen zu schließen, nach dem Motto: ‹Ich lasse dich in Ruhe, du lässt mich in Ruhe›», sagt Raffauf.

Bei einem gemeinsamen Freundeskreis ist allerdings auch das nicht einfach. «Da muss man abwägen, ob es möglich ist, die Freunde weiterhin zu sehen, oder ob man sich für einige Zeit lieber ganz zurückzieht, weil es einem zu sehr wehtut», sagt Markus Hammer, Psychologischer Berater aus Greifswald. Allerdings sollte man den Freunden klar sagen: «Mit euch möchte ich gerne weiter befreundet sein.»
Wichtig sei, die Clique nicht spalten zu wollen - so ein Versuch geht meist nach hinten los.

Fragen die gemeinsamen Freunde nach dem Streit, werden Lästereien und allzu persönlich gefärbte Meinungen am besten vermieden. «Besser sind möglichst neutrale Beobachtungen», erklärt Hammer. Man sollte sagen, um was es bei dem Streit ging und wer dabei welche Ansicht hatte.

Einzige Ausnahme sind wirklich enge Freunde, erläutert Raffauf: «Wenn ich jemandem vertraue und diese Person mir wichtig ist, kann ich auch ehrlich sein und sagen, was ich wirklich denke.» Doch dabei ist Vorsicht geboten: «Vielleicht will mich der andere ja nur aushorchen. Dann sollte ich mich bedeckt halten und nur allgemein sagen ‹Da ist etwas ganz blöd gelaufen›.

Mit etwas Glück bleibt es nicht bei der Feindschaft. «Zuerst muss erst einmal etwas Gras über die Sache wachsen», sagt Raffauf. «Doch ein Gespräch könnte irgendwann helfen, die Fronten aufzubrechen.»

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car/kat/news.de

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