Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Gerädert statt erfrischt - trotz acht Stunden Schlaf? Wer nachts falsch liegt und die Wirbelsäule verbiegt, braucht ein neues Bett. News.de hat sich erkundigt, worauf es beim Kauf ankommt und warum ein perfektes Bett wichtig für die Gesundheit ist.
Hängt die Matratze durch oder knarrt nachts das Gestell so laut, dass man kein Auge zu bekommt, dann schadet man nicht nur seiner Wirbelsäule, sondern riskiert auf Dauer auch schwerwiegende Schlafstörungen, warnt Physiotherapeut Joachim Fleichaus, Leiter der Rückenschulweiterbildung im Verband Physikalische Therapie ( V.P.T. ). Obwohl ein erholsamer Schlaf wichtig für die gesamte Gesundheit ist, habe die Qualität des Bettsystems in Deutschland einen geringen Stellenwert, sagt Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken. «Die Menschen machen sich mehr Gedanken darüber, wo ihre Kochtöpfe gestapelt werden, als wie sie sich betten.»
Kommt die Einsicht dann doch, machen viele den Fehler, einfach nur die Matratze auszutauschen, sagt Fleichaus. «Dabei macht die Qualität der Matratze nur 20 Prozent aus», fügt Detjen hinzu. Viel wichtiger sei es dagegen, das Bett als gesamtes System zu sehen.
Was den Bettrahmen angehe, sei es völlig egal, ob dieser aus Metall, Holz oder Kunststoff bestehe. Allerdings sollten Allergiker sich nicht für ein Plüsch überzogenes Modell entscheiden. Wichtig sei, dass der Rahmen stabil ist und nicht quietscht. Denn alles was vom Schlaf ablenken könnte, sollte vermieden werden. Auch muss Luft von unten an die Matratzen kommen. So können zu große Bettkästen etwa ein Kriterium sein, um lieber die Finger von einem bestimmten Modell zu lassen.
Das wichtigste Element bei einem Bett ist die Unterfederung. Dabei sei entscheidend, dass der Lattenrost individuell verstellbar ist und sich verschiedenen Körpertypen anpassen kann. Ein kurzes Kopfteil sei ebenso ratsam wie die Möglichkeit, das Fußteil hochstellen zu können. Die Deluxe-Form hat Flügelelemente, die sich punktuell von ihrer Elastizität immer wieder verstellen lassen. «Schließlich können sich die Bedürfnisse auch wieder ändern», sagt Detjen. «Während einer Schwangerschaft muss der Körper etwa ganz anders abgestützt werden.»
Lieber Besucherritze, als Riesenmatratze
Um diese individuelle Abstützung gewährleisten zu können, sollten selbst bei einem Doppelbett zwei separate Unterfederungen und Matratzen gekauft werden. Von einer großen durchgängigen Matratze würde Detjen dagegen immer abraten. Besucherritze hin oder her. «Schon allein, wenn einer von beiden schwerer ist, dann sackt die Matratze auf einer Seite ab und kann den anderen nicht mehr richtig stützen.» Dagegen käme es bei der Unterlage darauf an, dass Schultern und Becken absinken können, damit beim Rücken kein Hohlkreuz entsteht.
Bei der Wahl der Matratzenart gebe es verschiedene Möglichkeiten. Wer sich für Federkern entscheidet, sollte etwas tiefer in die Tasche greifen und sich gleich eine Tonnentaschenfederkernvariante zulegen. «Die ist sehr gut bei Rückenproblemen», sagt Detjen. Federkern allein funktioniere dagegen nicht so gut auf einer flexiblen Unterfederung. Kaltschaum- und Latexmatratzen seien wiederum recht flexibel. Allerdings müsse da auf den Stauchwert geachtet werden. Je weniger Material verwendet wurde, desto schneller nutzen sich diese Schlafunterlagen ab.
Latexmatratzen sind zwar beliebt, haben aber den Nachteil, dass sie sehr schwer sind. Und: «Sie sind ökologisch eine kleine Bombe und müssen gesondert entsorgt werden», so Detjen. Um eine ideale Belüftung zu gewährleisten, sollte bei der Wahl der Matratze zur Röhrentechnologie gegriffen werden, wie sie etwa bei den relativ günstigen Kaltschaumatratzen erhältlich ist, rät der Experte. «In Kombination mit einer Flügelfederung ist das die Ideallösung.»
Die richtige Abstützung sorgt dafür, dass die Wirbelsäule nicht durchhängt. Denn, so erklärt Rückenexperte Fleichaus, diese braucht pro Nacht mindestens sechs Stunden völlige Entspannung, um Flüssigkeit aufzunehmen, die sie am Tag verliert. «Im Schlaf tanken die Bandscheiben auf.» Damit dies optimal passieren kann, muss die Wirbelsäule so gestützt werden, dass die Bandscheiben umschließenden Muskeln nicht gegensteuern müssen, sondern sich völlig entspannen. Tun sie das nicht, sondern nehmen eine Schutzhaltung ein, um den Körper in der richtigen Position zu halten, verbraucht der Körper zu viel Energie und der Stoffwechsel sowie der Kreislauf geraten durcheinander.
Viel Zeit nehmen für den Bettenkauf
Hinzukommt, dass man sich etwa 60 Mal pro Nacht dreht. Sackt der Körper aber in der Matratze ein, wird der für die Erholung wichtige Bewegungsdrang gestört und reduziert. «Bei Wasserbetten ist es etwa sehr mühevoll sich zu drehen», sagt Detjen. Gleiches gelte für viscoelastische Matratzen, die im Pflegebereich benutzt werden und den Körper nachmodellieren.
Ob harte oder weiche Matratze, das sei unerheblich. Detjen: «Ich muss mich wohlfühlen, deshalb ist das auch eine ganz subjektive Auswahl.» Um die richtige Unterlage für die nächsten zehn Jahre zu finden, länger sollte eine Matratze nicht benutzt werden, ist deshalb ausgiebiges Probeliegen unerlässlich. «Am besten ist es, wenn das Möbelhaus den Kunden das Bettsystem zum Ausprobieren für ein paar Tage oder Woche überlässt und man anschließend nochmal austauschen oder nachbessern kann», sagt Detjen. Das aber würden viele nicht machen.
Deshalb lohne es sich, für den Bettenkauf auch einige Wochen einzuplanen. «Zwei Monate würde ich schon rechnen», habe Fleichaus die Erfahrung gemacht. «Das ist schließlich kein Radio, das man mal eben beim Discounter um die Ecke kauft», stimmt Detjen zu. Wer eine vernünftige Grundausstattung für ein Doppelbett haben will, der müsse mit rund 3000 Euro rechnen, sagt Detjen. Fleichaus ist da optimistischer: Wer sich Zeit zum Vergleichen, Ausprobieren und für Gespräche mit den Experten vor Ort nimmt, der könne sich schon ab 600 Euro endlich gesund schlafen.
bla/news.de