Sa., 26.05.12

Mineralwasser in Gastronomie 04.09.2009 Wässrige Schummelei

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Ob im Restaurant das teure Mineralwasser nicht aus dem Discounter kommt, kann kaum ein Gast nachvollziehen. Bild: dpa

In der Gastronomie wird nicht nur mit Käse-Imitat oder Mogel-Schinken, sondern auch beim Wasser mitunter kräftig geschummelt. Statt hochwertigem Wässerchen wird Discounterware und sogar aufgesprudeltes Leitungswasser serviert.

Diese Praxis hat das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt (HU) nach einigen Stichproben angeprangert. Billig statt teuer - dieses Täuschungsmanöver sei «gang und gäbe in der Gastronomie», weiß auch Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern. «Das ist klarer Betrug», sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Dass Gastronomen wirtschaftlich «unter hohem Druck stehen», sei keine Entschuldigung für Mogelpackungen.

Die Arglosigkeit der meisten Gäste macht den Schwindel häufig erst so richtig möglich. Denn kaum jemand weiß, dass natürliches, an der Quelle abgefülltes Mineralwasser vom Gesetzgeber geschützt ist. Es darf im Restaurant erst am Tisch geöffnet werden - und zwar innerhalb der gesamten Europäischen Union. Der Wirt muss dafür sorgen, dass es nur in original verschlossenen Flaschen serviert wird. So ist es in der Mineral- und Tafelwasserverordnung festgeschrieben. Quasi als Qualitätsbeweis, ähnlich, wie auch ein Wein erst vor den Augen der Gäste entkorkt wird.

Offene Flasche zurückgehen lassen

«Aufpassen, man kriegt die Flasche Mineralwasser aber in vielen Lokalen nur noch geöffnet», sagt Janne Klöpper vom Hamburger Hygieneinstitut. Wem das passiert, darf sie zurückgehen lassen und eine verschlossene verlangen. Wird ausdrücklich Mineralwasser bestellt, muss die Qualität garantiert in der Flasche sein. Schließlich geht der Gast davon aus, dass in dem Getränk wertvolle Mineralien stecken und nicht nur minderwertigeres Wasser aus den Stadtwerken. «Wer schon bereit ist, fünf Euro dafür zu zahlen, braucht sich nicht mit Aufgesprudeltem abspeisen lassen», betont die Expertin.

Herauszuschmecken ist es für Verbraucher nicht, welches Nass serviert wurde. «Die Mogelei merkt man als Laie nicht», weiß Klöpper. Auch Verbraucherschützerin Danitschek ist davon überzeugt, dass ein Gast die Wasserqualität sensorisch in der Regel nicht ausmachen kann. Bei den Hamburger Tests flog die Schummelei eines Wirts mit billigem Tafelwasser beispielsweise erst bei der chemischen Untersuchung der angeblichen Premium-Wassersorten im Labor auf.

Wird Wasser im Lokal glasweise ausgeschenkt, muss das in der Getränkekarte als «Tafelwasser» deklariert werden. Serviert der Wirt etwa selbstgemachten Sprudel aus Leitungswasser, handelt er korrekt, wie Arno Dopychai erläutert, Sprecher des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM). Im Gegensatz zum naturreinen, quellfrischen Mineralwasser ist einfaches Tafel- oder Trinkwasser mit zugesetzter Kohlensäure nicht geschützt. Sobald aber «ein kleines Mineralwasser» bestellt wird, müsste der Gast eine verschlossene kleine Wasserflasche neben das Glas gestellt bekommen.

Nur Leitungswasser ist billiger

Häufig genug bekommen Kunden trotzdem ein Glas natürliches Mineralwasser auf den Tisch - nur halt vom Billiganbieter aus PET-Flaschen. Das preiswerte Nass der Discounter nimmt den traditionellen Abfüllern immer mehr Kundschaft ab, erläutert Dopychai. So kostet der Liter quellfrisches Mineralwasser bei Ketten wie Aldi oder Lidl etwa 13 Cent. Nur Leitungswasser ist noch billiger. Für Markenware muss oft das Vierfache hingeblättert werden, für Nobelwässerchen noch mehr. Qualitätsunterschiede gebe es kaum mehr, betont Dopychai, höchstens beim Geschmack.

«Über die Getränke machen viele Wirte ihr Geld», gibt Danitschek zu bedenken. Umso mehr, da Mineralwasser in schicker und außergewöhnlicher Präsentation zum Trendprodukt geworden sei. Wer nicht über Gebühr zur Kasse gebeten werden will, sollte immer eindeutig bestellen und auf der Hut sein, rät Dopychai. Wer mit Schummelei konfrontiert wird, kann das der zuständigen Lebensmittelüberwachung melden.

kat/ham/news.de/ap
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