Sa., 26.05.12

Laktose-Intoleranz 31.08.2009 Die Milch macht's – aber nicht für jeden

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Für die einen ein guter Kalziumlieferant, für die anderen bringt sie Bauchschmerzen mit: die Milch. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Katharina Peter

Laktose-Intoleranz ist keine Krankheit. Für 90 Prozent der Weltbevölkerung ist sie normal. Denn es war von der Natur nie vorgesehen, dass Menschen über das Säuglingsalter hinaus Milch trinken. Betroffene müssen dennoch auf einiges achten.

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Wer Milchzucker verträgt, hat das Glück zu den Menschen zu gehören, die durch eine Genmutation im Sommer Milcheis schlecken können. Obwohl - weltweit gesehen - der überwiegende Teil der Erwachsenen keine Milch verträgt, bleiben diese Genüsse in Deutschland, wie überhaupt in vielen nördlicher gelegenen Gebieten, nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung verwehrt.

Doris Paas gehört seit ihrer Kindheit dazu. Nur weiß die 56-Jährige das erst seit etwa sechs Jahren. «So lange ich mich auch in meine Kindheit zurückerinnere, habe ich mit der Verdauung zu kämpfen gehabt», erzählt sie. Das sei für Laktose-Intolerante eher ungewöhnlich.

Denn die Produktion des Enzyms Laktase, das für die Aufspaltung des Milchzuckers zuständig ist, wird bei den meisten Menschen erst langsam nach dem Abstillen vom Körper zurückgefahren. «Denn schließlich arbeitet der Körper effektiv und was er nicht mehr braucht, das produziert er nicht mehr», erklärt Paas. So taucht eine Laktose-Intoleranz, besonders, wenn Milchprodukte weiter auf dem Speiseplan stehen, häufig erst bei jungen Erwachsenen auf.

Je älter Paas wurde, desto stärker wurden ihre Beschwerden, die mit explosionsartigen Durchfällen und schmerzhaften Blähungen einhergingen. «Ich habe meinen Arzt immer wieder bekniet, mir zu helfen. Aber er hat mir nur Blähungströpfchen gegeben und empfohlen, was ich alles weglassen soll – keine Bohnen, keine Erbsen, keine Linsen, keine Zwiebeln und kein Kohl», erinnert sie sich. Doch die gut gemeinten Ratschläge halfen nicht.

Als sie sich während einer Reise des Öfteren Cappuccino mit viel Milch gegönnt hat, machte sich der Verdacht breit, welches Lebensmittel der Übeltäter sein könnte. «Ich habe mich nämlich von Klo zu Klo gehangelt», erklärt Paas.

Durch ein anschließend geführtes Ernährungstagebuch verfestigte sich der Verdacht, und sie stellte ihre Ernährung nach und nach um. Erst mit laktosefreier Milch, die kurz zuvor gerade Einzug auf dem Lebensmittelmarkt gehalten hatte. Nach und nach verschwanden Milchprodukte und die in Fertiggerichte beigemischte Laktose dann völlig von ihrem Speiseplan. Die Maßnahme wirkte, und im Bauch kehrte Ruhe ein. Die offizielle Diagnose beim Arzt durch einen Wasserstoff-Atemtest war nur noch Formsache.

Lesen Sie auf Seite 2, wo sich Laktose noch versteckt

Obwohl Laktose-Intoleranz durch ihre Häufigkeit im Vergleich zu anderen Unverträglichkeiten weltweit recht bekannt ist, gab es keine Literatur auf dem Markt, die die Fragen von Paas hätte beantworten können. Also begann die gebürtige Berlinerin, die aus einer Medizinerfamilie stammt, all ihre Recherchen in einem eigenen Buch zu verarbeiten, das vor zwei Jahren unter dem Titel Das Laktose-Intoleranz Buch erschienen ist.

Während die Umstellung auf einen laktosefreien Speiseplan in Bezug auf Milchprodukte vergleichsweise einfach war, da viele Käsesorten, die Paas sehr liebt, weiterhin erlaubt sind, bereitete die Vielzahl von Lebensmitteln mit versteckter Laktose größere Schwierigkeiten. «Man glaubt gar nicht, wo über all Milchzucker drin ist», sagt sie. So etwa in Fertigprodukten oder Gewürzmischungen, aber auch in vielen Wurstsorten. «Ich muss auf jedes Produkt draufgucken und mir die Zutatenliste durchlesen.» Milchzucker sei in der Lebensmittelindustrie ein beliebter Stoff, der billig ist.

Zudem wird Laktose in vielen Medikamenten verwendet, um Feuchtigkeit zu binden. Deshalb müssen Betroffene sowohl beim Arzt als auch in der Apotheke immer wieder auf die Unverträglichkeit hinweisen und auf laktosefreie Präparate bestehen.

In Kühlschrank von Doris Paas finden sich trotz laktosefreier Ernährung viele Sorten Scheibenkäse, die gut verträglich sind. «Je älter desto besser», weiß die Buchautorin. Denn durch die Herstellung wird die Laktose bereits aufgespalten. Frischkäse sei dagegen problematisch.

Anfangs hat Paas aus laktosefreier Milch selbst Joghurt gemacht. Doch das führte im Laufe der Zeit zu immer mehr Problemen. Während einer Kur hat sie Sojaprodukte ausprobiert, mit denen es ihr wunderbar ging.

Wer eine laktosefreie Diät nicht durchhält, kann das fehlende Enzym Laktase in Tablettenform zu sich nehmen. Das spaltet den Zweifachzucker in die beiden Einfachzucker Glukose und Galaktasesogenannter Schleimzucker , die dann aufgenommen werden können. Findet diese Spaltung nicht statt, wandert die Laktose weiter in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien verstoffwechselt, sodass unerwünschte Abfallprodukte entstehen, die zu Beschwerden führen. Ein solches Abfallprodukt ist Wasserstoff, der im Atem nachgewiesen werden kann.

Doch nicht jeder kommt mit dem Enzym in Pillenform gleich gut zurecht. «Mir sind die Tabletten überhaupt nicht bekommen», sagt Paas. Deshalb nehme sie sie auch nur, wenn sich Laktose gar nicht vermeiden lässt. Etwa auf Reisen. «Oder wenn Oma liebevoll gekocht hat und ich nicht sagen will, ‹das kann ich aber nicht essen›.» Hinzu kommt, dass die Tabletten teurer Luxus sind, da Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.

Auch wenn bei den meisten Menschen eine Laktose-Intoleranz angeboren ist, kann es einen anderen Grund geben, warum ein Glas Milch zu Bauchschmerzen führt. Ein Darmentzündung kann dazu führen, dass die Enzymproduktion eingestellt wird. Ist die Entzündung ausgeheilt, setzt in den meisten Fällen die Produktion wieder ein. «Deshalb leiden viele Zöliakiepatienten, deren Darmschleimhaut durch eine Unverträglichkeit von Gluten entzündet ist, unter Laktoseintoleranz», erklärt Paas. Eine konsequent gluten- und laktosefreie Diät kann zur Ausheilung der Schleimhaut beitragen.

In nördlichen Ländern hat sich hingegen Laktsosetoleranz durchsetzen können, weil nicht genügend Sonnenlicht vorhanden war, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Dieses ist aber notwendig, um Kalzium aufzunehmen. Ist die Haut ausreichend der Sonne ausgesetzt, produziert der Körper Vitamin D und das Kalzium aus verschiedenen Gemüsesorten reicht völlig aus, um die Knochen stabil zu halten. Ist dies aber nicht der Fall, ist der Konsum von Tiermilch, die viel Kalzium und Vitamin D enthält, von Vorteil.

Das gesunde Image der Milch und damit einhergehenden Ernährungsempfehlungen hält Paas für völlig überbewertet. Schließlich sei Deutschland weder was Kalzium noch was Eiweiß anbelangt ein Mangelgebiet. «Wir sind in unserer Überflussgesellschaft mehr als gut versorgt», sagt die Buchautorin.

Auch wenn Doris Paas in ihrer alltäglichen Ernährung kaum etwas vermisst, bedauert sich doch sehr, dass die meisten Speiseeissorten auf der Tabuliste stehen. «Das fällt mir sehr schwer», gesteht sie lachend. Aber selbst da gebe es inzwischen einige verträgliche Ausweichmöglichkeiten.

Doris Paas hat ihren beruflichen Werdegang als Lehrerin mit dem Schwerpunkt Ernährungslehre in den 1970er Jahren gestartet. Dass sie selbst von Laktose-Intoleranz betroffen ist, hat Paas erst mit 50 Jahren herausgefunden, obwohl sie bereits im Kindesalter mit starken Beschwerden zu kämpfen hatte. Seit der Diagnose hat sich die 56-Jährige intensiv mit dem Thema Unverträglichkeiten auseinander gesetzt und Das Laktose-Intoleranz Buch geschrieben. Es erschien 2007 im Monsenstein und Vannerdat Verlag. In Kooperation mit Dr. Erich Krämer veröffentlichte sie 2008 zudem das Buch Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten: Genussvoll essen und unbeschwert leben im Compact Verlag. Vor wenigen Wochen ist ihre Paas’sche Heftchenreihe erschienen.

ham/news.de
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