Sa., 26.05.12

Harnsteine 29.08.2009 Schmerzhafte Brocken

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Fertigspeisen und Fast Food fördern die Bildung von schmerzhaften Harnsteinen. Bild: dpa

Sie bleiben meist unbemerkt, können zu stattlicher Größe wachsen und verursachen brachiale Schmerzen: Harnsteine zählen mit jährlich rund 1,2 Millionen Betroffenen zu den großen Volksleiden. Die Auslöser: Falsche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht und wird weiter zunehmen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Urologie. Eine halbe Million Menschen kommen pro Jahr neu hinzu. Bei weiteren, etwa 700.000 Menschen wachsen die steinartigen Gebilde in den Nieren oder den Harnwegen immer wieder aufs Neue.

Falsche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel sind nach Angaben des Chefarztes der Urologischen Klinik Sindelfingen-Böblingen, Thomas Knoll, Grund für die steigende Zahl der Betroffenen. Ungesunde Lebensweise führt gleichzeitig zu einer Zunahme der Blutzuckerkrankheit, des Bluthochdrucks und von Störungen des Fettstoffwechsels.

Harnsteine entstehen, wenn sich die Zusammensetzung und der Säuregehalt des Urins ernährungsbedingt verändert und Salze ausfällen, die normalerweise im Urin gelöst sind. Diese Mineralsalze können sich zu größeren Steinen zusammenlagern, die manchmal das gesamte Nierenbecken ausfüllen.

Eine bestimmte Steinart müssen Ärzte immer häufiger diagnostizieren - Harnsäuresteine. Sie können bei übermäßigem Genuss von Fleisch, Kaffee und Alkohol entstehen. Zunehmend seien auch übergewichtige Kinder betroffen, warnt Knoll. Überhöhte Protein- und Natriumzufuhr fördert die Steinbildung. Eiweiße und Kochsalz sind in Fertiglebensmitteln wie Pommes, Hamburger, Pizza und Chips reichlich vorhanden.

Blut im Urin, Harnwegsinfektionen und häufiger Harndrang können nach Angaben des Berufsverbandes der Deutschen Urologen und der Deutschen Gesellschaft für Urologie Symptome für Harnsteine sein. Wenn ein Stein sich im Nierenbecken oder im Harnleiter verklemmt, treten Nierenkoliken mit heftigen, krampfartigen Schmerzen auf, die in den Unterbauch ausstrahlen. Sie gehen häufig mit Übelkeit und Erbrechen einher. Doch es drohen noch weitere Komplikationen: Bei Rückstau des Urins in das Nierenbecken besteht die Gefahr, dass Bakterien die Niere infizieren und eine lebensgefährliche Blutvergiftung verursachen.

In rund 80 Prozent der Fälle gelingt es, den Harnstein mit krampflösenden Medikamenten auszuschwemmen oder medikamentös aufzulösen. Im Schnitt dauert es ein bis drei Wochen bis Steine mit einer Größe von vier bis sechs Millimeter abgehen. Experten zufolge ist es ein überholter Irrglaube, allein mit dem Trinken von großen Mengen die Steine herauszuspülen. Im Gegenteil: viel Trinken führe vielmehr bei einer Kolik noch zu einer Verstärkung der Symptome. Wenn die Medikamente nicht wirken, wird der Stein von außen durch fokussierte Energiewellen oder über eine Spiegelung zum Beispiel mit einem Laser zertrümmert.

«Harnsteine sind keine Erkrankung, sondern Symptom eines Leidens», sagt Knoll, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Harnsteine an der Akademie der Deutschen Urologen ist. Eine konsequente Nachsorge nach der Steinentfernung sei deshalb sehr wichtig. Das betreffe vor allem die Hochrisikopatienten, zu denen jeder vierte Betroffene zähle. Sie bildeten in kurzen Abständen neue Steine.

Grundlage der Therapie ist eine sogenannte Steinanalyse, da die verschiedenen Steinzusammensetzungen unterschiedliche Präventionsmaßnahmen erfordern. Nach der Steinentfernung sollten die Patienten regelmäßig auf neue Steine untersucht werden. Studien haben ergeben, dass die Rückfallquote um 50 Prozent gesenkt werden kann, wenn der Patient die Nachsorge ernst nimmt.

Um Harnsteine bereits vor einer schmerzhaften Kolik zu diagnostizieren, eignen sich die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen oder Hausarzt. Kalziumhaltige Steine sind auf dem Röntgenbild gut sichtbar. Harnsäuresteine erkennt der Arzt bei einer Ultraschalluntersuchung. Rote Blutkörperchen im Urin sind ebenfalls ein Hinweis auf Harnsteine.

kat/news.de/ap
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