Von news.de-Redakteurin Katharina Peter - 26.08.2009, 16.05 Uhr

Maushand, Tennisarm, Golfellenbogen: Zum Schmerz geklickt und geschlagen

Zwar ist das Prinzip ähnlich, die Ursachen sind aber bei Maushand, Tennisarm und Golfellenbogen völlig unterschiedlich. Bei allen kommt es jedoch zur Reizung der Muskeln und Sehnen am Ellenbogen. Die droht aber nicht nur beim Golf, Tennis oder Dauerklicken.

Bei zu starker Belastung bei der Computerarbeit oder durch Sport können Muskeln und Sehnen überreizt werden. Bild: dpa

Auslöser für die schmerzhaften Entzündungen sind immer Überlastungen. Die Schmerzen beim Tennisarm und der Maushand betreffen die äußere Oberarmrolle und damit die Finger- und Fauststreckmuskeln. Beim Golfellenbogen sind es dagegen die Finger- und Faustbeuger, die sich auf der Innenseite des Ellenbogens befinden.

Bei der Maushand, die ganz typisch bei Computerarbeit entsteht, handelt es sich um eine Strecksehnenreizung, die durch permanentes Ziehen nach oben ausgelöst wird. Die Reizung entsteht vor allem bei Menschen, die Mittel- und Zeigefinger beim Bedienen der Computermaus im Berufsalltag dauerhaft belasten. «Die Beschwerden entstehen schleichend», sagt Dr. Thomas Pauly, Vorstandsmitglied des Deutschen Orthopäden-Verbandes (DOV). «Wir merken bei der Arbeit gar nicht, wie oft wir klicken», fügt Paulys Vorstandskollege Dr. Christoph Eichhorn hinzu.

FOTOS: Maushand, Tennisarm und Golfellenbogen Mit Klicks und Aufschlag zum Schmerz

Gegen Überreizung durch ständig klickende Finger, können Menschen, die in ihrem Beruf von der Maus abhängig sind, einiges tun. Eine gut trainierte Armmuskulatur macht weniger anfällig. Zudem hilft eine Gelauflage. Damit verändert sich die Haltung der Hand. Sie muss nicht mehr nach oben abgeknickt werden, um die Maus zu bedienen. Ursprünglich war die Entzündung als Sekretärinnenkrankheit verschrien. «Inzwischen sitzt fast jeder den ganzen Tag am PC und hakt auf den Tasten herum», sagt Pauly.

Beim Tennisarm und dem Golferellenbogen kommt es dagegen meist durch Überreizung und falsche Belastung über einen kurzen Zeitraum zur Entzündung. «Dabei muss auch nicht unbedingt Tennis oder Golf gespielt werden», sagt Eichhorn. Zwar hat der Tennisarm seinen Namen durchaus von der Sportart. «Besonders wenn die Rückhand nicht sauber gespielt wird, kann es zur Überlastung der Unterarmmuskel kommen», erklärt Pauly. Aber auch schwere Aktenordnern umzuräumen oder die Hecke mit einer Gartenschere zu attackieren, kann zu Entzündungen führen.

Beim Golfellenbogen ist es die Drehung des Unterarmes und die gleichzeitigen Beugung im Handgelenk, die beim Einlochen verhängnisvoll werden können. Wer vom Putten nichts hält, aber mit der Axt das Feuerholz vorbereitet, kann unter den gleichen Symptomen leiden.

Arztbesuch nicht übereilen

Wer glaubt, gefährdet zu sein, kann den Test aufs Exempel machen: Ellenbogen strecken, die Hand nach unten beugt und dann den Arm etwas drehen. Zieht es im Ellenbogen schmerzhaft, ist die Streckmuskulatur verkürzt. «Dann kann es recht schnell durch wiederholte Dehnungsbewegungen zu einer Entzündung kommen», so Eichhorn.

Hat es einen erwischt, ist der sofortige Gang zum Arzt nicht nötig. «Es gibt einige Maßnahmen, die man zunächst allein zu Hause durchführen kann», sagt Pauly. Tauchen die ersten Schmerzen auf, heißt die Devise: Kühlen. Das geht mit Quarkumschlägen als auch mit Eispacks, die eingewickelt in einem Tuch beste Dienste leisten.

Die verkürzten Muskel müssen dann durch einige Übungen, die Pauly seinen Patienten in der Praxis beibringt, gedehnt werden. So lassen sich Beschwerden in einfachen Fällen wieder beheben oder auch vorbeugen. Paulys Tipp: Sind Muskeln überlastet, müssen die Gegenspieler trainiert werden. Etwa durch Liegestütze. Eine weitere Übung des Orthopäden: Bei einem 90 Grad angewinkelten Ellenbogengelenk in die Hand eine Tasche mit etwas Gewicht – etwa einem oder zwei Liter Milch – halten und dann nur Bewegungen mit dem Handgelenk nach oben hochgehen.

Eine Quermassage, die man mit dem Daumen der anderen Hand gut selbst machen kann, hilft ebenfalls. Dabei massiert man im rechten Winkel zum Arm, quer zur Muskelfaser, vom Ellenbogen in Richtung Handgelenk. «Das tut höllisch weh», warnt Pauly, «aber der Schmerz wird weniger, wenn man das konsequent für ein paar Minuten macht». Ansonsten sei vorerst alles zu vermeiden, was weh tut. Etwa Händeschütteln. Von Sportsalben rät Pauly übrigens ab. «Die helfen in solchen Fällen nur in Kombination mit einer Stromtherapie», so der Orthopäde.

Therapie bei hartnäckigen Schmerzen

Verschwinden die Schmerzen nicht innerhalb von zwei Wochen, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. «Denn die Beschwerden können auch eine ganz andere Ursache habe», sagt Pauly. Zudem werden Entzündungen leicht verschleppt und begleiten die Patienten dann über ein Jahr.

Bei hartnäckigeren Fällen gibt es verschiedene Therapien: der Einsatz eines Ultraschallgerätes, Spritzen mit entzündungshemmenden Mitteln, Stosswellentherapien. Im Extremfall muss der Chirurg zum Skalpell greifen.

Während jeder Tennisarm vor einigen Jahren noch in Gips ruhig gestellt wurde, wollen beide Experten von diesem Ansatz heute nichts mehr wissen. «Das wirkt nicht», so Eichhorn. Ob Stützen und Spangen für Handgelenk und Ellenbogen präventiv sinnvoll sind, da gehen die Meinungen auseinander. «Es ist beim Handgelenk schon sinnvoll», ist Eichhorn überzeugt. «Damit zwischendurch mal ein bisschen Frieden einkehrt und man den Zeigefinger daran erinnert, dass er nicht ständig hochgeht.»

Dagegen hält sein Kollege eher etwas von Spangen, die am Ellenbogen Druck auf den Sehnenansatz ausüben und diesen so entlasten. Aber, so räumt er ein, die Wirkung sei bei den Betroffenen sehr unterschiedlich.

ham/news.de

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