So ähnlich wie Stoßdämpfer funktioniert der Gelenkknorpel im menschlichen Körper. Ist das Knorpelgewebe beschädigt, entsteht schmerzhafte Arthrose. Durch gezielte Bewegung kann das zumindest verlangsamt werden.
Die Folgen der Knorpelschädigung kennen hierzulande rund fünf Millionen Betroffene: Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Entzündungsschübe. Sind beispielsweise Knie, Sprunggelenk oder Großzehengrundgelenk in Mitleidenschaft gezogen, kann jeder Schritt zur Qual werden.
«Ganz typisch schon im frühen Stadium der Erkrankung ist ein Anlaufschmerz», sagt Martin Eisele, Berater im Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse in Schleswig-Holstein. Zu Beginn einer Bewegung treten heftige Gelenkschmerzen auf, die während der Bewegung allmählich nachlassen. Oder: Nachts spürt der Patient gar nichts, doch nach dem Aufstehen tun die ersten Schritte weh. Dieser Schmerz lässt meist nach kurzer Zeit nach. Anders verhält es sich mit dem Belastungsschmerz: «Für die Kniegelenke beispielsweise bedeuten Sprung- oder Sprintübungen, aber auch häufiges Kniebeugen starke Belastungen», erläutert der Orthopäde und Rheumatologe Martin Talke. Schon intensives Jogging ist bei Arthrose in Zehen-, Sprung- und Kniegelenk pures Gift.
Extrem- und Überbelastungen müssen Betroffene unbedingt vermeiden. «Das heißt allerdings nicht, dass die Gelenke ruhig gestellt werden sollen», betont Nikolaus Wülker, Professor für Orthopädie am Universitätsklinikum Tübingen. «Im Gegenteil sind gleichförmige körperliche Belastungen, gleitende, gut geführte Bewegungen durchaus sinnvoll.» Sie halten die Gelenke beweglich: Der Knorpel wird besser ernährt, das Fortschreiten der Arthrose damit verlangsamt. Fahrrad fahren ist dabei besser als Walken und Walken besser als Joggen. «Optimal sind Bewegungen im Wasser, zum Beispiel Aquajogging», rät Talke. «Dort fällt nämlich die Gelenkbelastung durch das Eigengewicht des Körpers weg.»
Die Belastung durch das Körpergewicht kann auch im Alltag reduziert werden - zum Beispiel, indem häufiges, langandauerndes Stehen vermieden wird. Ergänzend ist ein kritischer Blick auf die Waage sinnvoll: «Übergewicht ist ein Faktor, der die Erkrankung sehr begünstigt», warnt Eisele. Abnehmen ist deshalb wichtiger Bestandteil der Therapie.
Auch gezielte Bewegungsübungen in Form von Krankengymnastik können helfen. «Dadurch werden die umliegenden Muskeln gestärkt», sagt Talke. Das stabilisiert, schützt und entlastet das Gelenk. Gleichzeitig werden angespannte Muskeln entspannt und damit Fehlhaltungen vorgebeugt. Darüber hinaus sind - je nach Art der Beschwerden - Schuheinlagen mit Außen- oder Innenranderhöhungen oder Schuhe mit abgerundeter Sohle hilfreich. Ganz ohne Schmerzen wird es aber nicht gehen: Schließlich ist es charakteristisch für Arthrose, dass sich mehr oder weniger schmerzintensive Phasen abwechseln.
Bei akuten Arthroseschmerzen ist der Griff zum Schmerzmittel meist unumgänglich. «Bei Schmerzen ziehen sich die Muskeln um das Gelenk zusammen. Das erhöht den Druck auf das Gelenk und drückt die restliche Gelenkschmiere aus dem Gelenk heraus», erklärt Talke. Dadurch wiederum wird der noch vorhandene Knorpel weiter geschädigt, der Schmerz verstärkt und die Verspannung erhöht. Diesen Teufelskreis können Schmerzmittel durchbrechen. Arthrose-Patienten sollten deshalb immer mit ihrem Arzt beraten, welches Medikament geeignet ist.
kat/ham/news.de/dpa