Nahrungsmittel-Allergien Viele Tests sind sinnlos, aber lukrativ

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Die meisten Allergietest sind nicht aussagekräftig und der Verzicht auf Äpfel, Nüsse oder Orangen ist oft unnötig. Bild: tk

Von Annett Klimpel
Keine Äpfel, Nüsse schon gar nicht und auch Mangos nur mit Vorsicht. Weil viele Menschen vermeintlich allergisch reagieren, verzichten etliche auf bestimmte Lebensmittel. Dabei basiert die kulinarische Selbstkasteiung meist auf wenig aussagekräftigen Tests.

Allzu oft beruht die Annahme, allergisch auf Nahrungsmittel zu sein, auf komplett wertlosen Analysen, kritisieren Experten. Die Methoden, die sie angreifen, sind sogenannte Immunglobulin G (IgG- oder auch IgG4)-Tests zum Nachweis von Nahrungsmittel-Allergien oder Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten.

«Die dabei im Blut nachgewiesenen Antikörper gehören zur ganz normalen Reaktion des Immunsystems», sagt Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin. Sobald jemand etwas isst, werden sie gebildet. Dennoch werben Anbieter im Internet, in Zeitschriften und in Broschüren damit, mehrere hundert Lebensmittel auf eine mögliche Allergie testen zu können.

Erst im Mai veröffentlichten fünf große deutschsprachige Allergiegesellschaften eine gemeinsame Leitlinie, die sich strikt gegen die ihrer Auffassung nach sinnlosen IgG-Bestimmungen richtet. Die Angebote seien seither aber nicht weniger geworden, klagt Kleine-Tebbe, der die Leitlinie führend mit erarbeitet hat.

«Bei den Firmen wird so getan, als wäre die Nützlichkeit noch in der wissenschaftlichen Diskussion. Das ist nicht so», sagt Kleine-Tebbe und fügt hinzu: «Aber mit den Tests lässt sich eben auf simple Weise viel Geld verdienen.» 800 Euro kann eine Bestimmung kosten, meist seien es um die 300 Euro.

Schätzungsweise ein Fünftel aller Deutschen glaubt, dass sie ein oder mehrere Lebensmittel wegen einer Allergie nicht vertragen. «Tatsächlich sind es maximal ein bis fünf Prozent», sagt Kirsten Jung vom Bundesvorstand des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. «Das wird sehr überschätzt.» Egal ob Magenweh, chronische Hautleiden, dauernde Müdigkeit oder häufiger Kopfschmerz - viele Patienten seien bei derlei Symptomen schnell überzeugt, an einer Nahrungsmittel-Allergie zu leiden. «Gerade chronisch Kranke mit ihrem hohen Leidensdruck sind ein leichtes Opfer für die IgG-Test-Angebote», erläutert die Erfurter Hautärztin.

Bedenklich sei, dass entsprechende Werbebroschüren auch in so mancher Arztpraxis ausliegen, so Kleine-Tebbe. «Vielen Ärzten ist einfach nicht bewusst, dass die Tests ungeeignet sind. Und es gibt auch schwarze Schafe.» Ein Arzt oder Heilpraktiker, der das für den IgG-Test nötige Blut abzapft und zum jeweiligen Anbieter schickt, bekomme einen Teil der Gebühr.

Kritisch sehen die Allergie-Experten die Untersuchungen aber nicht nur wegen des Geldes, das die Betroffenen zahlen, ohne wirklich Hilfe zu erhalten. Tragisch seien vor allem die mitunter abgeleiteten Verhaltensweisen der Menschen. «Völlig unberechtigte Diäten werden gemacht, die bei einigen Betroffenen zu Mangelerscheinungen oder Unterernährung führen», erläutert Kleine-Tebbe. «Und das auch bei Kindern. Ein Skandal, das ist Körperverletzung.»

Wer annehme, auf bestimmte Lebensmittel allergisch zu reagieren, solle am besten einen Allergologen aufsuchen, rät Jung. Verträgt jemand tatsächlich bestimmte Nahrungsmittel nicht, wehrt sich der Körper mit Immunglobulinen der Klasse E. Typische Anzeichen dafür seien juckende Quaddeln, Gesichtsschwellungen, starkes Jucken im Hals, Übelkeit und Atemnot, erklärt Kleine-Tebbe.

kat/ham/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christian Schmidt
  • Kommentar 2
  • 26.08.2009 09:49

... gebrochenes Bein OPERIEREN meine ich natürlich.

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  • Christian Schmidt
  • Kommentar 1
  • 26.08.2009 09:47

Natürlich sollte man einen Allergologen aufsuchen oder lässt man ein gebrochenes Bein auch vom Hals- Nasen- Ohrenarzt aufsuchen. Wenn der Hausarzt den Verdacht auf Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel diagnostiziert und den Patienten damit an den Allergologen verweist, wird ein anschließender Test in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

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