Herzinfarkte, Arteriosklerose und Schlaganfälle scheinen Produkte westlichen Lebensstils zu sein. Bisher ging man davon aus, dass chronische Entzündungen die Blutgefäße schädigen. Bewegung und Ernährung spielen jedoch eine größere Rolle.
Tatsächlich kommen bei Menschen mit sehr ursprünglicher Lebensweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen äußerst selten vor, obwohl sie besonders häufig chronische Entzündungen durch Parasiten oder andere Erreger haben. Das berichtet der Berufsverband Deutscher Internisten unter Verweis auf eine US-Studie.
Die amerikanischen Wissenschaftler hatten den Gesundheitszustand der Volksgruppe der Tsimane im bolivianischen Amazonas-Gebiet untersucht. «Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen bei den Tsimane praktisch nicht vor, obwohl etwa drei Viertel der Menschen von Würmern oder Einzellern infiziert sind», erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes, Wolfgang Wesiack. Ein Drittel der Tsimane leide an Atemwegserkrankungen, ein Viertel an Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Gleichzeitig seien bei ihnen hohe Entzündungswerte festgestellt worden.
In Verbindung mit der Lebensweise der Tsimane beinhalten diese Faktoren laut Wesiack aber offenbar und wider Erwarten kein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Damit sei die Studie ein Beleg dafür, das Entzündungen erst durch andere Faktoren, wie Bewegungsmangel und zu üppige Ernährung - Probleme, die besonders bei westlichem Lebensstil auftauchen - Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen, sagt Wesiack.
Ein entscheidender Faktor für die Gesundheit des Herzens und der Gefäße sei somit regelmäßige Bewegung. Leichte bis mittlere sportliche Aktivität von 30 Minuten täglich senke das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erheblich, betont der Facharzt.
kat/ham/news.de/ap