Zum Schutz der Verbraucher vor Lebensmittelimitaten will Baden-Württemberg über eine Bundesratsinitiative schärfer Kennzeichnungsregeln durchsetzen. Derweil gerät neben Analogkäse, Schummelschinken und weiteren Imitaten nun auch Speiseeis in Verruf.
Wie das rheinland-pfälzische Landesuntersuchungsamt in Koblenz mitteilt, enthielt fast jede zehnte von 164 untersuchten Milcheisproben weniger als die vorgeschriebenen 70 Prozent Milch. In insgesamt 38 Proben sei Fremdfett nachgewiesen worden. Besonders häufig gibt es demnach Verbrauchertäuschung beim beliebten Vanilleeis: Entgegen den Vorschriften seien in 34 von insgesamt 44 untersuchten Proben künstliche Vanillearomen gefunden worden.
Vanilleeis darf in Deutschland als solches nur verkauft werden, wenn das Eis ausschließlich mit natürlicher Vanille oder Vanilleextrakt hergestellt wurde. Auch bei Fruchteis komme es immer wieder zu Beanstandungen, weil das Eis nicht die vorgeschriebenen 20 Prozent Fruchtanteil habe, erklärt das Landesuntersuchungsamt.
Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) betont dagegen, die industriellen Anbieter stellten kein «Imitateis» her: Es handele sich um hochwertige, sichere und eindeutig gekennzeichnete Produkte. So weit Pflanzenfett zum Einsatz komme, handele es sich nicht um ein künstliches Produkt: «Pflanzenfett ist ein ebenso natürliches Produkt wie Milchfett und ein hochwertiger Rohstoff.» Der Einsatz von Pflanzenfett entspreche zudem dem Geschmack der Verbraucher, erklärt der Verband: «Eis mit Pflanzenfett ist im Geschmack eher leichter und neutraler.»
Der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) sagt, wer bei der Herstellung von Lebensmitteln anstelle des Originals ein Imitat verwende, müsse dies klar, sichtbar und verständlich als Ersatzprodukt kommunizieren. «Wir wollen keine Beipackzettel bei Pizza, Pesto oder Käse, sondern eine für jeden verständliche Kennzeichnung.»
Der Verbraucher könne bei diesem Thema allerdings auch nicht ganz aus der Pflicht genommen werden, betont der Minister: «Wer wissen möchte, was er kauft und isst, muss sich die Produkte auch genauer ansehen und sich Gedanken über die Angaben auf der Ware machen.» Die Politik müsse aber Rahmenbedingungen schaffen, damit der Verbraucher seine Kaufentscheidung auch bewusst treffen könne, sagt Hauk.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch unterstützt dieses Vorhaben. «Das einzige, was hier wirklich helfen würde, ist, die ‹schwarzen Schafe› beim Namen zu nennen», sagte Geschäftsführer Thilo Bode. «Alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen müssen veröffentlicht und dabei Ross und Reiter genannt werden direkt in den kontrollierten Supermärkten und Gaststätten», fordert Bode.
Dazu müsse das Verbraucherinformationsgesetz verschärft werden. Bußgelder schreckten nicht ab. «Bevor ein Betrüger bestraft wird, muss ihm vorsätzliche Täuschung nachgewiesen werden. Das ist extrem schwierig.» Zudem fordert Bode eine EU-weite Änderung der Lebensmittelkennzeichnung und eine Einteilung in Qualitätsklassen, etwa mit und ohne Zusatzstoffe.
Der frühere Greenpeace-Geschäftsführer bemängelt einen zu laschen Umgang mit Lebensmittelbetrug. «Wenn etwas als Schinken verkauft wird, was mehr schnittfestes Wasser als Fleisch enthält, oder auf Pizza ein Käse drauf ist, der kein Käse ist, dann ist das ein klarer Fall von Betrug», sagt Bode.
«Vom Schinken-Betrug wissen die Behörden seit mehr als 15 Jahren. nur ihrer gesetzlichen Aufgabe, die Verbraucher vor Täuschung zu schützen, kommen sie nicht nach.» Der Foodwatch-Gründer betont: «Das ist ungefähr so, als ob Falschgeld im Umlauf ist und die Kriminalpolizei sich darauf beschränkt, den Leuten zu erklären, wie man Blüten erkennen kann, aber nicht mehr die Falschmünzer verfolgt.»
car/kat
Lebansmittelimitate? Warum nicht. Nur sollte dieser Mist in einem gesonderten Regal des Händlers untergebracht werden. Besonders Ältere sind , da alles hinten klein, fast unleserlich gesruckt wird, in ihrer Gesungheit gefährdet. Am besten wäre, wenn die Lebensmittelkonzerne ihren zusammengefagten Müll in Sonderdeponien unterbringen.
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