Von Carina Frey
Walken nach einem Herzinfarkt, Krafttraining nach dem Brustkrebs: Bewegung als Therapieform bei schweren Erkrankungen fristet immer noch ein Nischendasein. Dabei können Kraft- und Ausdauertraining durchaus helfen - auch zur Vorbeugung gegen Krebs.
Sport kann das Krebsrisiko deutlich senken. Das verheißt ein Bericht der Internationalen Krebsforschungsgesellschaft WCRF (World Cancer Research Fund) in London. Danach beugt regelmäßiges körperliches Training dem Entstehen einiger bösartiger Tumore vor, unterstützt die Krebstherapie und verhindert Rückfälle. So erkranken Menschen, die sich viel bewegen, statistisch gesehen seltener an Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs als die Durchschnittsbevölkerung.
Sind die positiven Auswikrungen von Sport auch für Krebspatienten belegt? Experten bejahen diese Frage: «Alle Tumorerkrankten profitieren von sportlichen Belastungen», sagt Freerk Baumann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Bewegung könne Ängste nehmen und das Vertrauen in den Körper wiederherstellen.
Neben den psychischen Effekten scheint die körperliche Aktivität auch Auswirkungen auf die Tumorentstehung zu haben. Es gebe zwar keinen Beleg dafür, dass die Bewegung einen bestehenden Tumor beeinflusst. Allerdings könne die Chance, dass ein Tumor wieder auftritt, reduziert werden. «Bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs gibt es Hinweise darauf», erläutert Baumann.
Es werde davon ausgegangen, dass Hormone wie Insulin oder Östrogen einen Einfluss auf das Wachstum bestimmter Tumoren haben. «Die Hormone sind eine Art Nahrungsgrundlage für die Tumoren», erklärt Baumann. Es gebe Theorien, dass Bewegung diese Hormone reduziert.
In Studien nachgewiesen wurden die positiven Effekte von Bewegung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Untersuchung der Universität Leipzig konnte ein Team um Professor Rainer Hambrecht zeigen, dass es bei leichteren Formen der Herzgefäßerkrankung körperlich aktiven Patienten genauso gut ging wie solchen, die auf herkömmliche Weise mit einem Stent oder Ballon behandelt wurden.
Hambrecht zufolge kann Training eine Zunahme des HDL-Cholesterins bewirken, das eine gefäßschützende Wirkung hat. Auch der Blutdruck werde durch körperliches Training günstig beeinflusst. Intensiver Sport führe zu einer Verbesserung der Funktion der Gefäßinnenschicht. «Die Geschmeidigkeit der Gefäße wird besser», erklärt der Chefarzt vom Herzzentrum Bremen. Körperliches Training führe zu einer Reduktion der Infarktraten. Auch gingen Angina-Pectoris-Beschwerden - die Herzschmerzen - zurück, ergänzt Claudia Walther, Oberärztin der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig.
Für diese positiven Effekte reicht es aber nicht, spazieren zu gehen oder gelegentlich zu walken. «Man muss für eine halbe Stunde am Tag den Puls hochbringen», erklärt Walther. Und das sollte möglichst an fünf Tagen pro Woche passieren. Für alle Herzkranken gelte: Bevor es losgeht, muss ein Belastungs-EKG erstellt werden. Dabei wird der Trainingspuls festgestellt, an dem sich Patienten besser orientieren.
Besonders empfehlenswert sind Hambrecht zufolge Ausdauersportarten wie Walken, Radfahren oder leichtes Joggen. Beim Schwimmen sei dagegen Vorsicht geboten, da es dort leichter zu einer Überlastung kommen kann. Bei Krebspatienten müsse das Training auf die jeweilige Erkrankung abgestimmt werden, erläutert Freerk Baumann. So sei zum Beispiel Bewegung im Wasser sehr gut bei Brustkrebs, aber nicht bei Leukämie oder unmittelbar nach einer Prostata-Entfernung. Wer durchhält, wird belohnt. Nach drei bis sechs Wochen ließen sich bei Patienten deutliche Verbesserungen feststellen, sagt Hambrecht.
Informationen: Die Deutsche Krebshilfe hat einen Ratgeber «Bewegung und Sport bei Krebs» herausgegeben. Er kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter www.krebshilfe.de (Stichwort «Infomaterial»/«Blaue Ratgeber»).
car/sgo