Brechreiz bei jeder Fahrt
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Alle freuen sich auf den Urlaub. Manchen wird jedoch die Freude darauf vergällt durch die Vorstellung, dass man erstmal in den Urlaubsort kommen muss. Sie leiden unter Reiseübelkeit. Die lässt sich jedoch mit einfachen Mitteln in den Griff bekommen.
«Es ist bei jeder Autofahrt dasselbe», klagt Ulrike Schattenmann. «Etwa eine halbe Stunde nach dem Start wird unserer fünfjährigen Tochter schlecht. Dann muss sie sich übergeben.» Vor allem bei Kindern ist Reiseübelkeit weit verbreitet. Die Eltern sind meist ratlos, weil die Krankheit nicht nur jede Urlaubsreise zur Belastung macht. «Wir haben schon alles versucht, von Medikamenten bis zum Fahren mit offenem Fenster oder dem Kind auf dem Vordersitz, aber nichts hat geholfen», berichtet die Berliner Mutter.
Die Ursache für den Brechreiz liegt in den sich widersprechenden Eindrücken, die der Körper beim Autofahren verarbeiten muss. «Das Gehirn wehrt sich gegen die passive Art der Fortbewegung, die ihm nicht passt», erläutert Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. Denn die Orientierung des Menschen im Raum hängt von zwei Informationsquellen ab: Einerseits von der optischen Wahrnehmung, andererseits vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
Die Augen nehmen im Auto vorrangig den Innenraum wahr, in dem die Insassen still sitzen. Das Gleichgewichtsorgan dagegen registriert bei Kurvenfahrten starke Lageveränderungen. «Wenn beide Informationsquellen unterschiedliche Informationen liefern, kann sich das Gehirn nur mit einem Übelkeitsreflex helfen», schildert Jelinek. Betroffen sind vor allem Kinder, weil deren Gehirn noch nicht ausgereift ist. «Bis ins Jugendalter hinein werden bestimmte Bereiche immer mal wieder abgeschaltet, weil neue Verknüpfungen entstehen», sagt der Mediziner. «Sobald das Hirn fertig entwickelt ist, hört die Reiseübelkeit auf.»
Um den Brechreiz bei Autofahrten zu verringern, empfehlen Ärzte nicht mit vollem Magen loszufahren. Unterwegs sollten Kinder möglichst nicht lesen, keine Filme auf DVD schauen und sich auch nicht mit der Spielkonsole beschäftigen. «Das verstärkt nur die visuelle Verwirrung», begründet Jelinek. Stattdessen sollten die Kleinen aus dem Fenster blicken und sich möglichst am Horizont orientieren.
Um die Aufmerksamkeit des Nachwuchses auf die vorbei fliegende Landschaft zu locken, könnten die Eltern etwa Suchspiele anregen. «Man kann spielen: Wer sieht die meisten roten Autos», empfiehlt der Reisemedizin-Experte. Dann würden die Kleinen aus dem Fenster schauen und zudem abgelenkt. «Denn auch Zerstreuung hilft», sagt Jelinek. Regelmäßige Pausen und häufiges Lüften des Wagens beugen ebenfalls vor. Und natürlich sollten Kurven nicht zu rasant genommen werden.
Außerdem empfiehlt der Mediziner Ingwer-Tabletten. «Es ist mittlerweile in schulmedizinischen Studien untersucht worden, dass dies hilft», sagt Jelinek. In Apotheken werden zudem Akupressurbändchen angeboten, die mit einer Kugel auf den gegen Übelkeit wirksamen Akupressurpunkt am Unterarm drücken. Als Alternative nennt der Arzt: «Man kann auch die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger zusammendrücken, da ist ebenfalls ein Akupressurpunkt drin.»
Die meisten Mittel zur Beruhigung des Gehirns sind dagegen für Kinder nicht zugelassen. Dazu zählen etwa frei verkäufliche Antihistaminika in Form von Tabletten, Kaugummi oder Zäpfchen. Oder ein verschreibungspflichtiges Scopolamin-Pflaster, das sechs Stunden vor Reisebeginn hinter das Ohr geklebt wird. Doch diese Mittel sind auch für Erwachsene nicht immer gut verträglich; sie manchen vor allem müde und können zu Sehstörungen führen.
car/kat
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