Endometriose Die verdrängte Krankheit

Für etwa jede zehnte Frau bedeutet die Menstruation eine Qual. Durch starke Schmerzen und Erschöpfung sind die Tage nur im Bett mit Schmerztabletten zu ertragen. Doch zum Arzt gehen die wenigsten. Dabei steckt häufig eine Endometriose dahinter.

Bauchschmerzen (Foto)
Jede zehnte Frau leidet bei der Menstruastion unter Schmerzen. Grund könnte eine Endometriose sein. Bild: ddp

«Menstruationsschmerzen sind nach dem überlieferten Frauenbild normal und müssen ertragen werden», kritisiert Andreas Ebert, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums und des Deutschen Endometriosezentrums Berlin.

Bei der Endometriose handelt es sich um schmerzhafte gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Das Gewebe siedelt sich an den Eierstöcken und Eileitern, am Darm, der Blase oder am Bauchfell an. In seltenen Fällen sind sogar Organe wie die Lunge betroffen.

Die Herde wachsen und bluten im hormonellen Monatszyklus. Die Folge sind Entzündungen, Zysten, Vernarbungen und Verwachsungen. Wenn nichts dagegen unternommen wird, breiten sie sich immer weiter im Bauchraum aus. Erst mit Eintritt in die Wechseljahre ebben die Beschwerden ab.

Sieben bis 15 Prozent der Frauen und Mädchen im geschlechtsreifen Alter, in Deutschland also etwa zwei bis sechs Millionen Menschen, sind nach Angaben der Endometriose-Vereinigung Deutschland von dieser chronischen Erkrankung betroffen. Jedes Jahr kommen etwa 40.000 Neuerkrankungen hinzu. Damit ist Endometriose nach den Myomen (Muskeltumoren) das zweithäufigste gutartige Leiden der Frau und eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit.

«Trotzdem ist die Endometriose noch immer unzureichend erforscht», sagt Ebert. Zur Entstehung der Krankheit gibt es mehrere Theorien. Nach Ansicht des Gynäkologen gelangen spezialisierte Zellen der Gebärmutterschleimhaut bei der Menstruation in den Bauchraum, siedeln sich dort an und beginnen zu wuchern.

Andere Theorien vermuten eine Fehlfunktion des Immunsystems oder eine erbliche Veranlagung. Da die Ursache noch unbekannt ist, gibt es bisher keine Behandlung, durch die eine Endometriose geheilt oder verhindert werden könnte.

Probleme bereitet auch die Diagnose. Weil sich die Herde an den unterschiedlichsten Stellen im Bauchraum befinden können, ist das Krankheitsbild von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Im Schnitt vergehen nach Angaben der Selbsthilfe-Vereinigung sechs Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose.

«Daher entsteht häufig ein sehr hoher Leidensdruck», sagt die Leiterin der Endometriose-Beratungsstelle in Leipzig, Doreen Jackisch. Viele Frauen ziehen sich aus dem sozialen Leben und aus der Partnerschaft zurück, sind abhängig von Medikamenten und haben psychische Probleme.

Ebert beklagt eine inkonsequente Behandlung der Krankheit. «Vor der Bauchspiegelung, die einzig eine eindeutige Diagnose ermöglicht, schrecken viele Ärzte und Patientinnen zurück.» Jungen Mädchen werde die Pille verschrieben, um die Beschwerden zu lindern. Die Krankheit wachse aber langsam weiter.

Bei der Diagnostik empfiehlt der Experte ein ausführliches Arztgespräch und eine sorgfältige gynäkologische Untersuchung. Die gutartigen Veränderungen sollten operativ per Schere, Hitze oder Laser entfernt werden.

«Dabei ist es wichtig, den gesamten Bauchraum sorgfältig nach Herden abzusuchen», sagt der Mediziner. Aus übersehenen Zellen wächst neues Gewebe. Deshalb ist es bei ausgedehnter Endometriose sinnvoll, nach der Operation noch die Hormonproduktion der Eierstöcke vorübergehend medikamentös zu unterdrücken. Die Geschwülste sind nach Eberts Angaben nahezu in allen Fällen gutartig: «Entartete Zellen werden ganz selten entdeckt.»

Ratsuchende Frauen sollten sich an die von Betroffenen gegründete Endometriose-Vereinigung wenden. Auf ihrer Homepage sind alle zwölf zertifizierten Endometriosezentren in Deutschland aufgelistet. Außerdem unterhält die Selbsthilfeorganisation eine Beratungsstelle in Leipzig. Selbsthilfegruppen haben sich in nahezu allen Bundesländern gegründet.

kat/aro

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 06.07.2009 14:22

Ich habe meine ganze Wohnung vorher auf den Kopf gestellt . Habe sauber gemacht ,aber auch alles !!!Mir ging alles sehr gut von der Hand . Habe noch Sport gemacht und auf Arbeit war ich auch ein Ouirll.Man wußte dies ,man sagte die hat Ihre Rammeltage und morgen hat Sie die monatl . Blutung .Kofschmerzen kannte ich auch . Der Arzt meinte ,kannst eben Bäume ausreißen vorher und dann ist es ok .Sei froh ,daß Du so bist ,meinte er .Manche liegen flach

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