Sa., 26.05.12

Kaiserschnitt oder ganz natürlich 30.06.2009 Welche Geburtsart hätten's denn gern?

Neugeborenes (Foto)
In Deutschland kommt jedes vierte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt. Bild: ddp

Schon Julius Caesar soll per Kaiserschnitt entbunden worden sein, und die Sectio Caesarea habe so ihren Namen erhalten. Damals überlebte jedoch keine Frau den Eingriff. Heute kommt etwa jedes vierte Kind in Deutschland durch den Bauchschnitt auf die Welt.

Serban-Dan Costa, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, setzt dagegen auf die natürliche Geburt: «Wir können nicht resümieren, dass wir durch mehr Kaiserschnitte die Gesundheit der Kinder wesentlich verbessern konnten. Gleichzeitig haben wir aber auch nicht festgestellt, dass eine Erkrankung der Mutter oder des Kindes dadurch nachteilig beeinflusst wurde», sagt Costa. «Wir stecken in dem Dilemma, dass der Kaiserschnitt eine einfache Operation mit sehr gutem Verlauf ist, aber eben keine natürliche Geburt.»

Für eine Universitätsfrauenklinik hält Costa eine Kaiserschnittrate von 25 Prozent für normal. In Magdeburg liege man mit 28 Prozent knapp darüber. Nur zwei Prozent aller Geburten sind davon Kaiserschnitte auf Wunsch. Doch zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es laut Costa große Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen etwa kommen 40 Prozent aller Kinder auf Wunsch der Mutter per Kaiserschnitt zur Welt. «Ich glaube, das ist eine Mode», mutmaßt Costa.

Wenn werdende Mütter in der Magdeburger Universitätsfrauenklinik einen Kaiserschnitt wünschen, haben sie meist bei einer vorangegangenen Geburt schlechte Erfahrungen gemacht und wollen eine lange, schmerzhafte Niederkunft nicht noch einmal erleben. «In solchen Fällen schließe ich mit den Frauen einen Vertrag», erzählt der Gynäkologe. «Wir probieren es zunächst natürlich, können aber jederzeit doch noch einen Kaiserschnitt durchführen. In den meisten Fällen lassen sich die Frauen überzeugen. Aber das bedarf eines längeren, schwierigeren Gesprächs.»

Andere Ärzte, kritisiert der Mediziner, sehen das anders, erledigen nur die Formalitäten und entsprechen dem Wunsch nach einer Entbindung per Kaiserschnitt. In anderen Regionen werde dagegen die natürliche Geburt um jeden Preis angestrebt. Das hält Costa für genauso falsch. Es gebe Situationen, die Mutter und Kind gefährden und das Risiko durch einen Kaiserschnitt minimiert werden könne.

Aber auch hier hat sich vieles verändert. Bis vor einigen Jahren galt es als Muss, ein Kind in Beckenendlage per Kaiserschnitt zu entbinden. «Heute sehen wir das differenzierter und versuchen, eine solche Geburt normal durchzuführen.»

Auch extrem Frühgeborene profitieren nicht unbedingt von einem Kaiserschnitt. Und schließlich seien in der Vergangenheit etliche Kaiserschnittgeburten durchgeführt worden, weil Ärzte bei schwierigen Entbindungen sich statt für Vakuum- oder Zangengeburt lieber für einen Kaiserschnitt entschieden - weil sie juristische Folgen fürchteten. «Ich meine, dass es hier wieder einen Trend zurück gibt, weil die meisten Prozesse nicht negativ für die Ärzte waren.»

An der Magdeburger Universitätsfrauenklinik praktizieren die Ärzte als bislang einzige in Deutschland einen neuen Kaiserschnitt, der von dem serbischen Gynäkologen Professor Thihomir Vejnovic entwickelt wurde. Dabei wird der Schnitt nur so groß gesetzt, dass das Kind hindurchpasst. «Ich nenne das den intelligenten Kaiserschnitt», beschreibt Costa. «Vieles wird dabei wie bei einer natürlichen Geburt gehandhabt, nur dass die Geburt durch die Bauchdecke erfolgt.»

Beim konventionellen Kaiserschnitt wird der Schnitt hingegen vorher geplant und mit starren Instrumenten die Öffnung aufgehalten. Beim intelligenten Kaiserschnitt wird er nur auf das nötige Minimum vergrößert. Der Vorteil: Die Frauen bluten weniger, erholen sich schneller, und auch den Kindern geht es besser. Inzwischen gibt es auch in Deutschland mehrere Kliniken, die diese Methode einführen wollen.

kat/sgo
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