Sa., 26.05.12

Weltdrogentag 26.06.2009 Die legalen Geißeln des Alltags

 (Foto)
Eine Zigarette und ein Bier zum Feiertag gehört für viele einfach dazu. Bild: ddp

Von den news.de-Redakteurinnen Claudia Arthen und Katharina Peter

Drogen gehören für viele Menschen dazu. Aber nicht von Kokain oder Cannabis ist hier die Rede, sondern von dem Frühstückskaffee, der Zigarette danach oder dem Feierabend-Bier, die unseren Alltag steuern und häufiger zum Tod führen als illegale Drogen.

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Legale Drogen wie Alkohol, Tabak oder Tabletten machen viel mehr Menschen krank als illegale Drogen wie Heroin, Kokain oder Cannabis. Das lässt sich aus Zahlen schließen, die das Statistische Bundesamt anlässlich des Internationalen Tages gegen Drogenmissbrauch (26. Juni) vorlegt.

Knapp 58.000 Menschen sind im Jahr 2007 infolge von Medikamentenmissbrauch oder durch den Konsum von Alkohol oder Tabak gestorben. Zum Vergleich: Bei den illegalen Drogen gab es «nur» 1375 Todesopfer. Wegen legaler Drogen mussten zudem knapp 532.000 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden (illegale Drogen: rund 80.000). News.de fasst zusammen, welche legalen Suchtmittel und Drogen unseren Alltag bestimmen:

Alkohol – die Volksdroge Nummer eins:
Das Glas Wein zum Essen, der Prosecco zum Vertragsabschluss, der Schnaps auf der Skihütte – wer will, findet täglich Gründe, Alkohol zu trinken. Doch der Schritt vom fröhlichen Bier zur heimlichen Sucht ist klein: 9,5 Millionen Bundesbürger trinken riskante Mengen an Alkohol. 1,3 Millionen gelten als abhängig. Rund 70.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen.

Wer zu viel bechert, leistet Raubbau an der eigenen Gesundheit: Alkohol gilt als Leberzerstörer, Krebsauslöser und Dickmacher. Geht es nicht mehr ohne, sollte man hellhörig werden.

Nikotinsucht - auf den Spuren des Marlboro-Mannes:
Obwohl bekannt ist, dass man seiner Gesundheit mit dem Glimmstängel keinen Gefallen tut, verliert die Zigarette nichts an ihrem romantisch verklärten Bild. Durch den kantiger Marlboro-Mann oder das verspielte «Liberté toujours» der Gauloise-Dame weiß man: Zigaretten sind cool. So der Fehlschluss aller Nikotin-Einsteiger.

Glimmt der Stängel oft genug zwischen den Lippen, tut das Nervengift Nikotin sein Übriges. Denn mit dem Suchtpotenzial des Stoffs, der in seiner höchsten Konzentration in Tabakpflanzen vorkommt, können selbst illegale Drogen wie Kokain nicht mithalten. Jährlich Sterben 45.000 Menschen allein in Deutschland an den Folgekrankheiten. Dennoch werden täglich weiterhin 240 Millionen Zigaretten geschmökt.

Medikamentensucht - Unterstützung in Tablettenform:
Schon Schriftsteller Aldous Huxley hatte in seinem Roman «Schöne neue Welt» die Natur des Menschen durchschaut. Gebe es eine Pille, die glücklich macht, wie Huxleys Wunderdroge «Soma», die Menschheit würde ihre Selbstbestimmung ohne zu zögern abgeben.

Kaum eine Droge zieht so viele Opfer in ihren Bann, wie die bunten Pillen, die Abhilfe für fast alles versprechen. Ob Schmerzen, Schlaflosigkeiten, Übergewicht oder psychische Überforderung: Nichts ist so einfach, wie eine Pille zu schlucken. Zumal, wenn anfangs das grüne Licht von einem Arztes gegeben wird. Etwa ein Drittel der verordneten Mittel bergen Suchtpotenzial. Knapp zwei Millionen Deutsche holen sich im Alltag Unterstützung in Tablettenform.

Sexsucht – wenn die Lust das Leben bestimmt:
Promis wie Michael Douglas, David Duchovny oder Lindsay Lohan bekennen sich offenherzig und sehr medienwirksam zu dieser Droge. Gemeint ist die Sucht nach Sex, die hierzulande ein großes Tabuthema ist. Dabei: Immerhin eine halbe Million Menschen in Deutschland sind betroffen.

«Sie brauchen immer mehr sexuelle Anreize und beschäftigen sich ständig zwanghaft mit Sex», sagt Psychotherapeut Kornelius Roth, der ein Buch über Sexsucht geschrieben hat. «Und wie Alkoholiker müssen Sexsüchtige die Dosis ständig steigern, um den gleichen Befriedigungswert zu erlangen.»
Die Dosissteigerung treibt die Betroffenen in Bordelle, durchs Internet, zu Sexhotlines und zu immer gewagteren Praktiken. Wirkliche Befriedigung erleben Sexsüchtige aber selten.

Koffein - süchtig nach dem Kaffee-Kick:
Ein Tässchen Kaffee, um wach zu werden, dann hier und da ein Päuschen mit dem dunklen Gebräu und am Nachmittag darf die Tasse nicht fehlen. Das in Kaffee, Tee und Cola vorkommende Koffein ist die am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz. Das Koffein regt die Nerven an, erhöht Puls und Blutdruck und bringt den Darm in Schwung.

Wer sich regelmäßig große Mengen Koffein in den Körper schüttet, erleidet bei Ausbleiben der Substanz innerhalb von zwölf bis 24 Stunden unangenehme Entzugserscheinungen, wie etwa Kopfschmerzen oder depressive Stimmung. Bis vor fünf Jahren stand Koffein auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees.

Spielsucht - die Flucht aus der Realität:
«Nur noch ein letztes Mal, dann ist das Glück mir hold.» Dieser Gedanke nutzt sich bei Spielsüchtigen nicht ab. Der unbelehrbare Glaube trotz wiederholter Verluste die Gunst Fortunas zu gewinnen und den großen Coup zu landen. Die Spielsucht, die meist nicht in das erträumte reiche Leben führt, sondern in finanziellen Ruin, zu zerstörten Beziehungen, zerbrochenen Familien und vergraulten Freunde, wird den Störungen der Impulskontrolle zugeordnet. Sie beschreibt den unwiderstehlichen Impuls zum Glücksspiel und Wetten.

Die Betroffenen pendeln zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Illusion und Enttäuschung, Allmacht und Hilflosigkeit, was einen lustvoll-schmerzhaften Erregungszustand hervorruft. Spielsucht geht oft einher mit Depressionen und führt zu einer hohen Selbstmordrate. In Deutschland wird die Zahl der Betroffenen derzeit auf 200.000 geschätzt.

Arbeitssucht – abhängig vom Job:
Er hängt an der Nadel der Arbeitswelt, braucht Aktenberge, um zu überleben, und den Schreibtisch, um sich festzuhalten: Arbeitssüchtige suchen in ihrem Job Halt, Selbstbestätigung und Geld. Nach einer Studie der Universität Bonn ist jeder Siebte in Deutschland tendenziell arbeitssüchtig.

Manche Arbeitspsychologen erkennen drei Phasen der schleichenden Krankheit: Während der Einleitungsphase arbeitet der Süchtige zunehmend in der Freizeit, vernachlässigt Familie und Freunde; kann sich nicht konzentrieren, hat Kopf- oder Magenschmerzen, leidet unter Herz-Kreislauf-Beschwerden, fühlt sich erschöpft, ängstlich oder depressiv.

Es folgt die kritische Phase: Der Süchtige reißt Arbeit an sich, hortet sie, greift in den Verantwortungsbereich seiner Kollegen ein; verhält sich immer öfter aggressiv und leidet unter Entzugserscheinungen - etwa Schweißausbrüchen, Herzrasen und Atemnot.

Schließlich folgt die chronische Phase: Jetzt wird ohne Unterlass gearbeitet, auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen, mit Hilfe von Aufputschmitteln, Kaffee, Alkohol, Tabletten oder Nikotin. Am Ende stehen Herzinfarkte, Kreislauf- oder Nervenzusammenbrüche - schlimmstenfalls sogar der Tod.

Internetsucht – vom Netz besessen:
Auch vom Internet kann man süchtig werden – und das wird einem heutzutage sehr leicht gemacht. Denn der Alltag findet für viele nur noch vor dem Computer statt: einkaufen, spielen, chatten, flirten, arbeiten – fast alles lässt sich online erledigen.
Fraglich ist bisher aber, ob das Internet schuld an dem Suchtverhalten ist. Denn bei den Betroffenen finden sich überdurchschnittlich häufig psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.

Fast zwei Millionen Menschen sollen betroffen sein. Tendenz steigend. Als süchtig gilt, wer sich privat mehr als 35 Stunden pro Woche im Internet bewegt. Ein erstes Alarmsignal kann der sogenannte Mausarm sein – eine Entzündung des Sehnenansatzes am Ellenbogen, die durch eine verkürzte Unterarmmuskulatur verursacht wird. Wem es schwer fällt, sich vom Rechner zu trennen, und wer Müdigkeit mit Kaffee, Energydrinks oder Aufputschmitteln bekämpft, sollte einen Psychologen aufzusuchen.

Zucker – die süße Droge:
Noch vor 200 Jahren wurde Zucker nur in Apotheken als Heilmittel und Statussymbol verkauft. Heutzutage gibt es kaum noch Lebensmittel ohne Zucker. 44 Kilo nimmt der Durchschnittsverbraucher jährlich zu sich. Zugegeben: Süßes zu naschen, ist eine Lust und manchmal ein Rettungsanker. Sorgen vergehen, Glücksmomente kommen, und die Figur geht in die Breite. Aber Zucker schadet auch der Gesundheit. Er entzieht dem Körper wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Herzerkrankungen, Diabetes, Depressionen, Karies sind nur einige der Krankheiten, die im Zusammenhang mit Zucker stehen.

Forscher sagen, dass Zucker süchtig macht. Ein Tierversuch, bei dem Ratten zuckersüchtig gemacht wurden, belegt dies. Die Tiere hatten Entzugserscheinungen, tranken Alkohol als Ersatzdroge und wurden scheu und ängstlich.

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