Von Ulrich Dewald
Kaum hat sich der Brechreiz der ersten Schwangerschaftswochen verabschiedet, da steht das nächste Übel vor der Tür: eine ständig verstopfte Nase, die einen nachts nicht mehr schlafen lässt. Die Diagnose des Frauenarztes: chronischer Schwangerschaftsschnupfen.
Schwangerschaftsrhinitis nennen Mediziner die Störung, von der mindestens zwanzig Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Meist bewegen sich die Symptome «auf dem Niveau der lästigen Befindlichkeitsstörung», erklärt Thomas Hoffmann, Oberarzt an der Universitäts-HNO-Klinik in Düsseldorf, der sich seit Jahren mit dem Phänomen befasst.
Doch die Bandbreite der Symptome sei groß: «Es gibt einige Fälle, die bis hin zur Sinusitis und deren Komplikationen reichen.» Wenn die Nase nämlich so weit zuschwillt, dass das Nasensekret nicht mehr abfließen kann, kommt es leicht zu Infektionen und Entzündungen in den Nasennebenhöhlen.
Auch der durch die Atemprobleme verursachte chronische Schlafmangel, der tagsüber zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen führen kann, gehört zu den Symptomen. Kommt es bei der Schwangeren im Schlaf im Extremfall zu kurzen Aussetzern der Atmung, droht sogar Schaden für das Ungeborene. Besonders Schnarcherinnen können davon betroffen sein.
Noch ist ungewiss, was zum Anschwellen der Schleimhäute führt. Als Ursache stand früher der Anstieg von Hormonen wie Progesteron in Verdacht. Doch haben Untersuchungen keinen eindeutigen Zusammenhang ergeben. Auch könnte das gestiegene Blutvolumen während der Schwangerschaft für das Anschwellen der Schleimhäute verantwortlich sein. Am wahrscheinlichsten ist jedoch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Auf der Suche nach Abhilfe greifen manche Frauen zu gewöhnlichem Schnupfenspray: Es lässt die Schleimhäute zwar schnell abschwellen, ist jedoch mit mehreren Risiken verbunden. Herkömmliche Schnupfensprays sind in der Regel gar nicht zum Einsatz in der Schwangerschaft zugelassen, sodass Risiken für das Ungeborene nicht generell ausgeschlossen werden können.
Auch droht eine Abhängigkeit vom Schnupfenspray: Da die Schwangerschaftsrhinitis sich oftmals über Wochen und Monate hinzieht, besteht die Gefahr, dass die Schwangere ohne den Wirkstoff überhaupt nicht mehr frei atmen kann und die Dosis immer weiter steigern muss, um eine Wirkung zu erzielen.
Thomas Hoffmann empfiehlt daher eine Therapie in mehreren Stufen: An erster Stelle stehen dabei völlig unbedenkliche Mittel wie Kochsalznasensprays, mit denen die Nasenschleimhaut angefeuchtet werden kann. Hilfreich können auch Nasenöle sein, die die Nasenschleimhäute glätten.
Erfolge erzielen manche Frauen, indem sie das Kopfteil des Bettes leicht erhöhen und nachts spezielle Nasenpflaster tragen, um freies Atmen zu unterstützen. Empfehlenswert seien zudem Bewegung an der frischen Luft und die Kühlung der Nase mit feuchten Umschlägen.
Erst in der zweiten Stufe ist der Einsatz abschwellender Nasensprays vorgesehen. Empfohlen werden sie allerdings nur in der niedrigsten Konzentration. Tipp: pro Anwendung immer nur in ein Nasenloch sprühen.
Die nächste Stufe ist laut Hoffmann der Einsatz cortisolhaltiger Nasensprays. Auch wenn die typische Schwangerschaftsrhinitis nicht allergisch bedingt ist, habe die Erfahrung gezeigt, dass solche Sprays die Nasenschleimhäute wirksam abschwellen lassen. Dies gelte besonders dann, wenn bei der Schwangeren gleichzeitig Allergien vorliegen, beispielsweise gegen Blütenpollen oder gegen Hausstaubmilben. Die Wirkung dieser Sprays setzt allerdings erst nach einigen Tagen ein.
Aber diese Präparate sollten in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft nicht angewendet werden. In diese Zeit fallen die wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Ungeborenen.
kat/aro