Sa., 26.05.12

Kommentar zum AOK-Navigator 24.06.2009 Digitaler Ärztepranger

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News.de-Redakteurin Claudia Arthen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Die AOK will Patienten zur Leistungsbewertung von Ärzten im Internet aufrufen und dazu einen Arzt-Navigator starten. Bringt dieser Vorschlag mehr Transparenz oder steckt doch nur ein digitaler Ärztepranger dahinter?

Auf den ersten Blick ist der Arzt-Navigator der AOK keine schlechte Idee. Schließlich wird schon lange mehr Transparenz in der Arzt-Patienten-Beziehung gefordert. Dazu kann eine Ärztebewertung im Internet beitragen. Außerdem werden längst viele Dienstleister im Netz beurteilt: Lehrer, Handwerker, Autohäuser, Kliniken und Pflegeheime. Warum nicht auch Mediziner?

Allerdings macht ein Arzt-Navigator nur dann Sinn, wenn es der AOK gelingt, eine seriöse und faire Plattform zu schaffen, auf der Ärzte vor übler Nachrede geschützt werden. Etwa indem Patienten ihre Meinung nur unter vollem Namen äußern dürfen. Und indem den Kritisierten die Möglichkeit eingeräumt wird, ihre Sichtweise darzustellen. Allerdings würde ein fairer Arzt-Navigator an dieser Stelle schnell an seine Grenzen stoßen: Denn ein Mediziner darf aufgrund seiner Schweigepflicht nicht alle Karten auf den Tisch legen.

Im Gegensatz zu rachedurstigen Patienten. Es ist zu befürchten, dass sie genauso ausfallend urteilen wie manche Schüler gegen Lehrer auf spickmich.de. Von Polemik und einem simplen «Daumen runter» hat aber niemand etwas. Es kommt daher darauf an, die richtigen Kriterien für ein Bewertungsportal im Netz zu entwickeln.

Dabei sollten die Macher bedenken, dass medizinische Laien nur sehr vage über Diagnosen und Therapien urteilen können. Ist ein Arzt der bessere, weil er die vom Patienten geforderten bunten, aber teuren Wunschpillen verschreibt? Mit Sicherheit nicht. Doch die Gefahr, dass die persönlichen, aber unsinnigen Wünsche der Patienten zur Maßeinheit werden, ob ein Arzt positiv oder negativ bewertet wird, ist groß. Nicht alles lässt sich so leicht feststellen wie die Fähigkeit, zuhören und erklären zu können, oder die Zeit, die man im Wartezimmer verbringt.

Und was soll ein unzufriedener Patient machen? Den Arzt wechseln? So einfach ist das nicht überall. Die freie Arztwahl haben Patienten mancherorts nur auf dem Papier. Das dürfte auch der AOK nicht entgangen sein.

Sie und die anderen Kassen haben im Verbund mit der großen Koalition im Bundestag und den kassenärztlichen Vereinigungen das neue Honorarsystem eingeführt. Damit haben sie jedem Praxisarzt die Zahl der Patienten vorgegeben, die er pro Quartal behandeln soll. Will er mehr Kranke versorgen, erhält er dafür nur noch einen kleinen Teil der ohnehin geringen Quartalspauschale. Ein Arzt wird daher schon allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht noch mehr Patienten betreuen wollen. Sieht aus, als wäre der Patient auch hier der Dumme.

ham
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hummel
  • Kommentar 1
  • 29.10.2010 19:50
 

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