Der Geruch von Heu weckt bei vielen Menschen wohlige Gedanken. Die Düfte von frisch gemähten Gräsern, Feldblumen und Kräutern erinnern an warme Spätsommertage. Einem Bad im Heu werden außerdem heilende Kräfte zugeschrieben.
Für ein solches Bad muss man jedoch nicht mehr mit einer wackligen Leiter auf den Heuboden klettern, sondern kann sich in vielen Kur- oder Wellnesseinrichtungen einen speziellen Heuwickel anlegen lassen. Das kleingehäckselte Heu wird zu diesem Zweck in Tücher aus Baumwolle oder Leinen eingenäht, wie der Masseur und Physiotherapeut Norbert Wienesen aus Pfronten im Allgäu erläutert. Das fertige Heukissen wird dann zunächst in Wasser eingeweicht und später in einem speziellen Dampfofen eine gute halbe Stunde lang aufgedampft und erhitzt.
Wenn der angewärmte Wickel aus dem Ofen kommt, sollte er nach Angaben des Physiotherapeuten etwa 50 Grad Celsius warm sein. Die unbekleideten Gäste werden dann etwa 30 Minuten lang in einen etwa ein Meter achtzig langen Ganzkörperwickel eingeschlagen. Damit die Hitze und der Heugeruch nicht zu schnell entweichen können, kommt zur Isolation ein Gummituch um das Heukissen.
Solch ein warmer Heuwickel eignet sich nicht nur zur Entspannung, wie Wienesen betont. Die feuchte Wärme wirke entkrampfend, stärke das Immunsystem und fördere die Durchblutung. Überdies unterstütze der Wickel die Entschlackung des Körpers und könne beispielsweise Magen-Darm- und Unterleibsbeschwerden lindern. Die in Blumen und Kräutern enthaltenen ätherischen Öle pflegten zudem die Haut.
Nach der Heuwickel-Behandlung wird ähnlich wie in der Sauna Abkühlung empfohlen. «Ein kalter Wasserguss bringt den Kreislauf wieder in Schwung», sagt Wienesen. Darauf sollte eine mindestens halbstündige Ruhephase folgen.
Besonders gut geeignet für die Behandlung ist laut Wienesen das Heu von Bergwiesen in etwa 900 bis 1000 Meter Höhe. Diese Wiesen dürften weder gedüngt noch zur Weidehaltung genutzt werden. Das Mähgut aus solchen Höhenlagen enthalte oft wertvolle Gräser und Kräuter wie Wollgras, Pfefferminze oder Trollblumen, berichtet Wienesen.
Für einen Ganzkörper-Heuwickel werden nach Angaben des Physiotherapeuten zwischen 30 und 40 Euro berechnet. Im Angebot befänden sich auch spezielle Heu-Kuren, bei denen die Gäste in einem Zeitraum von zehn Tagen alle zwei Tage einen Wickel bekämen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernähmen allerdings normalerweise nur kleinere Heuwickel zur punktuellen Behandlung an bestimmten Körperstellen.
Für Patienten mit bestimmten Erkrankungen kann die Behandlung indes Risiken bergen. Menschen mit Herz- und Kreislaufbeschwerden oder Rheuma sollten deshalb vorher unbedingt einen Arzt um Rat fragen, betont Wienesen. Auch für Patienten mit jeglicher Art von entzündlichen Erkrankungen von Haut und Organen seien Heuwickel nicht geeignet.
Heuschnupfengeplagte können sich derweil laut Wienesen ohne Bedenken einwickeln lassen. Da das Heu sich in Leinentüchern befinde und außerdem nass sei, komme es üblicherweise nicht zu Niesattacken, versichert der Physiotherapeut.
car/kat