Was genau die Gesundheitsreform verändert hat, wissen viele Kassenpatienten nicht genau. Dennoch sehen viele gesetzlich Versicherte die Veränderungen im Gesundheitssystem mit Skepsis und fürchten, nicht mehr ausreichend versorgt zu sein.
Mehr als jeder zweite Bundesbürger fühlt sich nach der Gesundheitsreform im Krankheitsfall schlechter abgesichert als vorher und gibt speziell dem Gesundheitsfonds der großen Koalition die Schuld daran. Auch die Hausarztprogramme, bei denen Versicherte vor der Konsultation eines Facharztes immer erst ihren Hausarzt aufsuchen müssen und welche die Koalition bis Ende des Monats für alle Kassen zur Pflicht gemacht hat, erhalten ernüchternde Noten.
Das geht aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Die Forschungsgruppe Wahlen hatte im März mehr als 2000 erwachsene Bundesbürger im Alter von 18 bis 79 Jahren telefonisch befragt.
51 Prozent der Befragten fürchten demnach eine schlechtere gesundheitliche Versorgung durch den Fonds (Westdeutschland: 55 Prozent, Ostdeutschland: 37 Prozent). Nur 5 Prozent erwarten Verbesserungen. 38 Prozent erwarten keine Veränderungen. Die Zahlen beziehen sich auf alle Befragten, die schon einmal vom Fonds gehört hatten. Das sind immerhin 78 Prozent.
Mehr als 45 Prozent beklagen Defizite in der Information über Gesetzesänderungen, 53 Prozent fühlen sich ausreichend informiert. 51 Prozent sagen, die Absicherung bei Krankheit sei durch die gesundheitspolitischen Veränderungen schlechter geworden, 41 Prozent sehen keine Veränderungen, 5 Prozent Verbesserungen.
Auch das Hausarztmodell wird sehr unterschiedlich bewertet. Zwar stieg laut Umfrage die Zahl der Versicherten, die an einem Hausarztmodell teilnehmen, von 19 Prozent im Jahr 2008 auf 31 Prozent in diesem Jahr. Jedoch gaben 69 Prozent an, dass sich an ihrer medizinischen Versorgung damit nichts geändert habe. 14 Prozent sagen, ihre Versorgung habe sich dadurch verschlechtert. 13 Prozent sehen Verbesserungen.
Unter dem Strich fühlen sich die Befragten aber immer noch gut versorgt: Insgesamt 77 Prozent der Bürger sprechen von einer guten oder sehr guten Absicherung im Krankheitsfall - bei den gesetzlich Versicherten 75, bei den Privatversicherten 90 Prozent. Leistungseinschränkungen durch den Einheitsbeitragssatz für die Kassenmitglieder fürchten 17 Prozent, 16 Prozent erwarten aber auch mehr Leistungen.
Für 87 Prozent ist es wichtig, immer vom selben Arzt behandelt zu werden. Für 86 Prozent ist eine Praxis in der Nähe entscheidend. Ärztliche Einzelkämpfer stehen nicht hoch im Kurs. 56 Prozent der Befragten finden es wichtig, mehrere Ärzte unter einem Dach zu haben. Im Osten sind das sogar 71 Prozent. Die meisten Bundesbürger haben einen Hausarzt - nur die unter 40-Jährigen mit hohem Bildungsniveau zu 13 Prozent nicht.
Der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler lobte den Gesundheitsfonds. In der Wirtschaftskrise wirke er wie ein Schutz vor gesetzlichen Sparmaßnahmen. «Letztlich haben wir die Garantie, dass da 30,6 Milliarden Euro für die ambulante ärztliche Versorgung im Fonds bereitliegen», sagte er. Die Ärzteschaft teilt hingegen die skeptische Haltung der Bevölkerung.
car/voc