Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Eine cholesterinarme Diät reicht nicht aus, um sich vor Herzinfarkt zu schützen. So einfach ist der Körper leider nicht gestrickt. Es kommt auf das richtige Cholesterin an. Am «Tag des Cholesterins» informiert die Lipid-Liga, wie man es richtig macht.
Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle stellen in Deutschland die häufigste Todesursache dar. Neben Übergewicht, Diabetes, Rauchen, mangelnde Bewegung und erblicher Belastung wurde vor allem die Ernährung als Grund identifiziert. Der Bösewicht: das Cholesterin. Doch Cholesterin ist nicht einfach gleich Cholesterin. Und nur dieses Element in der Fetternährung zu vermeiden, reicht nicht aus.
Der Knackpunkt ist, dass der Körper selbst Cholesterin herstellt, wenn er nicht einen bestimmten Anteil aus der Nahrung bekommt. Ein Speiseplan, bei dem der Stoff ganz bewusst weggelassen wird, führt somit häufig nicht zur gewünschten Senkung des Cholesterinspiegels im Blut und damit zur Absenkung des Risikos. Das berühmte verbotene Frühstücksei, das einem die Gefäße verkleistert, ist inzwischen schon wieder überholt.
Das mag erstmal wie eine freudige Botschaft klingen. Aber es macht das Leben von Betroffenen nicht einfacherer, nur weil das Ei nicht mehr passé ist. Stattdessen müssen sie noch genauer aufpassen, was auf den Tisch kommt.
Zwar kann bis heute noch niemand wirklich sicher sagen, wie es zu Ablagerungen in Gefäßen kommt, die zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Sicher ist nur, dass eine Störung der inneren Wandschicht der Arterien vorliegt.
Verunglücken Cholesterin-Transporter unterwegs in der Blutbahn, werden sie von Fresszellen entsorgt. Ist das Verkehrsaufkommen und diese Unfallrate zu hoch, können die verbrauchten Fresszellen nicht mehr ordentlich entsorgt werden und verstopfen langsam den Weg.
Es gibt zwei Arten von Cholesterin, die eine Rolle spielen. Das schlechte LDL-Cholesterin und das HDL-Cholesterin. Die Abkürzungen stehen für die Dichte der Stoffe, lassen aber auch eine einfache Eselsbrücke zu: Lass-das-lieber-Cholesterin und Hol's-dir-lieber-Cholesterin. Die LDL-Variante ist für die Unfälle im Blutkreislauf verantwortlich.
Wer zu den Risikogruppen gehört, sollte unbedingt versuchen, den LDL-Anteil so weit wie möglich zu senken und sich bei der Aufnahme von Fett auf die Sorten zu beschränken, die HDL-Cholesterin begünstigen. Damit sollten gesättigte Fettsäuren möglichst vermieden werden, einfache ungesättigte Fettsäuren nur in Maßen im Essen vorhanden sein und die Fettaufnahme sich eher auf die mehrfach ungesättigten Fettsäuren stützen.
Das heißt für den Alltag: Tierische Fette, etwa in Butter, Schmalz, Fleisch, Wurst und Milchprodukten, verschwinden größtenteils vom Esstisch, während Olivenöl, Rapsöl und Erdnussöl Einzug halten. Außerdem setzt die heutige Wissenschaft auf Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fisch, aber auch in Wild und einigen Gemüsesorten vorkommen.
Das Zauberwort heißt laut Dr. Ulrich Hildebrandt mediterrane Küche. Oder auch Kreta-Diät. Denn die Esskultur der Griechen stelle ganz von selbst die ideale Ernährung zusammen, die Herzkreislauf-Erkrankungen vorbeugt, sodass dort die Sterblichkeit durch Herzinfarkte um ein 100faches niedriger liegt als im Rest von Europa. Wer also ohne viel Aufwand und Nährstoffrechnerei die richtige Ernährung erreichen will, sollte Richtung Mittelmehr schielen, rät der Kardiologe.
Doch bevor das ganze Essverhalten radikal umgekrempelt und der Kühlschrank entrümpelt wird oder zu Cholesterin senkenden Medikamenten gegriffen wird, ist es ratsam, erst einmal zu wissen, wie es um die eigene Blutzusammensetzung bestellt ist. «Jeder Bürger sollte seine Blutfettwerte kennen», fordert deshalb Professor Achim Weizel, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen, die sich auch kurz DGFF oder Lipid-Liga nennt.
Die Lipid-Liga veranstaltet heute den siebten «Tag des Cholesterins». Ihr Hauptanliegen in diesem Jahr: Obwohl Cholesterinwerte bisher immer als ein Problem des Alters galten, sind auch Kinder und Jugendliche gefährdet. An verschiedenen Aktionen nehmen zahlreiche Apotheken, Praxen, Klinken, Krankenkassen und Schulen bundesweit teil.
Lesetipp: Cholesterin: Besser leben – gesünder essen, Dr. Ulrich Hildebrandt, S. Hirzel Verlag, Stuttgart, 2009, 352 Seiten, 24,80 Euro.
aro/news.de