Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Je mehr Jahre auf den Buckel drücken, desto weniger Energie verbraucht der Körper. Doch der Nährstoffbedarf bleibt der gleiche. Deshalb müssen Senioren besonders auf ihre Ernährung achten, um bei weniger Kalorien ihren Körper dennoch gut zu versorgen.
Kein leichtes Unterfangen. Zumal das Ernährungsverhalten in Deutschland derzeit in allen Altersschichten besorgniserregend aussieht, wie Anne von Laufenberg-Beermann vom Projekt «In Form», einer Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, betont.
«Es ist schwer, das Ernährungsverhalten zu ändern», sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Zumal sie die Erfahrung gemacht habe, dass Senioren gerne den Einwand vorschieben, sie seien zu alt, um noch etwas für ihre Gesundheit zu tun. «Nichts als Ausreden», sagt von Laufenberg-Beermann. Studien hätten ergeben, dass es nie zu spät sei, um durch Bewegung und Ernährung die Gesundheit zu beeinflussen.
Faustregel: Fünf Portionen, jeweils etwa eine Hand voll, Gemüse und Obst sollten in den täglichen Speiseplan integriert werden. «Wer sonst jeden Tag eine Tafel Schokolade genießt, könnte umsatteln auf eine halbe Tafel und eine Banane», schlägt von Laufenberg-Beermann vor. «Dann wäre schon sehr viel erreicht.» Und wer auf Kuchen zum Nachmittagskaffee nicht verzichten möchte, sollte zur Variante mit viel Obst greifen, anstatt zur Buttercremetorte.
Eigentlich werde geraten, dass sich die fünf Portionen aus dreimal Gemüse und zweimal Obst zusammensetzen sollten. «Aber Obst ist im Alter oft einfacher zu kauen, deshalb kann der Anteil da ruhig höher sein», sagt Ricarda Holtorf von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Wem die fünf Portionen zu anstrengend sind, der kann die eine oder andere durch ein Glas Fruchtsaft ersetzen. Das habe zudem den Vorteil, dass gleichzeitig der Flüssigkeitshaushalt, der von älteren Menschen oft vernachlässigt werde, versorgt wird. Aber Vorsicht: Nicht jeder Fruchtsaft hat auch wirklich die richtigen Nährstoffe. Nur wo Fruchtsaft drauf steht, ist auch Fruchtsaft drin. Nektar oder Fruchtsaftgetränke bestehen dagegen nur aus 25 beziehungsweise nur 12 Prozent Fruchtsaft. «Der Rest wird mit Wasser aufgefüllt», sagt von Laufenberg-Beermann. Und damit es trotzdem ordentlich fruchtig schmeckt, kommt viel Zucker dazu.
Auf keinen Fall sollte der Nährstoffbedarf mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden, warnt Sabine Latour, die ebenfalls für «In Form» arbeitet. Denn bei vielen freiverkäuflichen Vitamintabletten wisse man noch lange nicht, was sie tatsächlich im Körper bewirken, so die Ernährungsexpertin. Da die Produkte im Supermarktregal als Lebensmittel gelten, seien die Hersteller nicht zu Beipackzetteln verpflichtet, die auf durchaus vorhandene Risiken und Nebenwirkungen eingehen. Auch sei Deutschland kein Vitaminmangelland. Es könne alles leicht aus der Ernährung bezogen werden.
Wer mehr Bewegung in den Alltag einbauen möchte, der müsse nicht gleich Leistungssport im Verein machen, sagt Dr. Reinhard Weber vom Sächsischen Turn-Verband. Es würde schon reichen, wenn man regelmäßig kleine Übungen integriert, wie etwa ein paar Kniebeugen, bevor die Hand zur Kühlschranktür greift. Zudem hilft es, das Auto beim Einkaufen in eine etwas weiter entfernten Parklücke zu stellen, statt direkt neben der Eingangstür des Supermarktes zu parken. Um Stürze zu vermeiden, rät Weber beim Zähneputzen immer auf nur einem Bein zu stehen: «Das trainiert das Gleichgewicht ganz nebenbei.»
ham