Kunterbunt essen und gesünder leben
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Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Artikel vom 16.06.2009
Es geht nicht um Kraft für Muskeln, wenn Dr. Maike Groeneveld von Power-Food spricht, sondern um Stärke für die Gesundheit. Die Ernährungsexpertin rät zu einem Mahlzeitenmix mit sekundären Pflanzenstoffen und setzt dabei auf bunt.
Obst und Gemüse liefern nicht nur die bekanntlich für die Gesundheit wichtigen Vitamine, Kohlenhydrate, Ballaststoffe oder Mineralien. Enthalten sind auch Stoffe, für die inzwischen entscheidende Schutzwirkungen nachgewiesen werden konnte: die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe.
«Es gibt weit über 200 Langzeitstudien, die belegen, dass ein reichlicher Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko von verschiedenen Krankheiten verringert», sagt Groeneveld. Darunter sind Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck und einige Krebsarten. Forscher konnten diese Schutzwirkung aber nicht nur auf die üblichen Inhaltsstoffe zurückführen, haben sich daraufhin den sekundären Pflanzenstoffen zugewendet und sind dort fündig geworden.
Es gibt 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, wie etwa Farb-, Geschmacks- oder Botenstoffe. Letztere sind mit den Hormonen im menschlichen Körper vergleichbar.
Nun würde man beim Supermarktbesuch nicht vermuten, dass sich hinter der besonders kräftigen Farbe etwa eines roten Apfels oder einer Tomate eine Gesundheitsbombe versteckt. Doch genau da sind die Indizien zu suchen, rät Groeneveld. «Die Farbe verrät den Reifegrad», so die Expertin vom Verband der Oecotrophologen. Denn hat eine Tomate lange am Strauch gehangen, dann hatte sie auch genügend Zeit, um in Ruhe die volle Pracht ihrer Farbe auszubilden. «Pflanzen trinken ja keine Farbe, sondern bilden sie langsam beim Reifen aus.»
Deshalb sei es besonders günstig, Gemüse und Obst zu kaufen, das möglichst aus der Region stammt und keine weiten Wege hatte. Denn was beim Transport lange Wege zurücklegen muss, wird unreif geerntet. Somit sollte der Speiseplan sich auch nach dem saisonalen Angebot vor Ort richten. Der Farbvergleich gilt aber immer nur innerhalb einer Sorte.
Auch der Geschmack gibt einen Hinweis darauf, ob die sekundären Pflanzenstoffe reichlich ausgebildet wurden, da Geschmacksstoffe ebenfalls zu der Gruppierung gehören und nicht nur dem Gaumen schmeicheln. «Wenn etwa Erdbeeren direkt vom Feld besonders intensiv schmecken, dann sind auch besonders viele sekundären Pflanzenstoffe drin.»
Damit die wertvollen Stoffe erhalten bleiben, müsse man ein paar Grundsätze beachten. So sollte, da wo es geht, die Schale mitgegessen werden. «In der Schale der Tomate ist etwa der Farbstoff Quercetin in 400-facher Konzentration im Vergleich zum Fruchtfleisch vorhanden», so die Diplom-Oecotrophologin. Dem Quercetin wird eine Schutzwirkung gegen Krebs zugeschrieben.
Zudem sollte der Speiseplan aus einer abwechslungsreichen Mischung bestehen. Das gelte sowohl für die Farben als auch für die Zubereitung. Rohkost und Gegartes sollten sich abwechseln. Da viele der Pflanzenstoffe wasserlöslich sind, sei es ratsam, Gemüse nur so kurz wie möglich in wenig Wasser zu garen. «Am besten ist, wenn trotz kurzer Zeit auf dem Herd am Ende kein Wasser mehr vorhanden ist», so Groeneveld. Beim Waschen heißt die Devise: Mit Sorgfalt, aber so kurz wie möglich.
Da etwa das Betakarotin in Karotten fettlöslich ist, sei es am besten aufzunehmen, wenn zur Möhre, die am besten klein geschnippelt wird, etwas Öl, etwa in Form von Dressing hinzukommt. Gehört aber sowieso etwas Fett zu der Mahlzeit, wie etwa Butter auf der Scheibe Brot, dann muss die Karotte nicht noch in eine Ölflasche getunkt werden, damit das Betakarotin auch wirklich aufgenommen wird.
Um den Mix aus sekundären Pflanzenstoffen ausgeglichen zu halten und den Körper gut vor Krankheiten zu schützen, gilt für Groeneveld eine einfach Faustregel: «Bunt ist gesund.» Damit das gelingt, hilft eine gute Planung schon beim Einkaufen. Um möglichst immer frisches Gemüse zu Hause zu haben, sollte man Sorten kaufen, die schnell verbraucht werden müsse, wie etwa Salat, und solche, die durchaus ein paar Tage im Kühlschrank gelagert werden können, ohne an Nährstoffen zu verlieren, wie etwa Kohlrabi oder Möhren. Für Notfälle sollte immer etwas Tiefkühlgemüse parat liegen. «Schließlich kann man nicht jeden Tag einkaufen gehen», sagt die Ernährungsexpertin. Denn: Gemüse und Obst ist nur dann wirklich wertvoll, wenn es frisch und nicht überlagert ist.
Für weitere Infos stehen die Experten des Verbandes der Oecotrophologen (VDOE) zur Verfügung.
ham
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