Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 17.06.2009, 12.43 Uhr

Eisenmangel: Der Problemnährstoff Nummer eins

Kaum zu glauben, aber Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung der Welt. Betroffen sind etwa 1,5 Milliarden Menschen, doppelt so viele Frauen wie Männer. Manchmal steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter.

Äpfel sind eisenhaltig. Aber vor dem Verzehr sollte man die Nägel entfernen. Bild: news.de

Wozu braucht der Körper Eisen?
«Eisen ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt», erklärt Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es ist Bestandteil des Muskelfarbstoffs Myoglobin, bildet die roten Blutkörperchen - etwa zwei Millionen pro Sekunde – und verleiht dem Blut somit die rote Farbe. Außerdem, so Gahl, ist das Mineral Eisen wichtig für die Sauerstoffversorgung des Körpers, die Zellteilung und Energiegewinnung - kurzum für das gesamte Immunsystem.

Wie viel Eisen braucht der Körper?
Da der Körper Eisen nicht selbst produzieren kann und wir täglich etwa ein Milligramm Eisen über Stuhl, Urin und Schweiß verlieren, wie Gahl erklärt, muss der Verlust über die Nahrung ausgeglichen werden. Zur Deckung des Eisenbedarfs sollten Kinder 8 bis 10 Milligramm und Jugendliche und Erwachsene 10 bis 15 Milligramm pro Tag aufnehmen. Der Bedarf von Schwangeren ist etwas höher, denn Fötus, Plazenta und Gebärmutter benötigen zusätzlich Eisen: 30 Milligramm am Tag. Stillenden werden 20 Milligramm empfohlen.

Wer außer Schwangeren und Stillenden gilt als typischer Eisenmangel-Patient?
Weltweit leidet jeder Vierte unter Eisenmangel, vor allem in Entwicklungsländern ist die Mangelerscheinung verbreitet. Frauen im gebärfähigen Alter sind besonders oft betroffen, in Europa jede zehnte. Schuld ist vor allem die Regelblutung der Frau: Blutverlust führt zu Eisenmangel. Auch Erkrankungen wie Myome oder Endometriose können Blutungen und damit Eisenmangel auslösen, ebenso wie Magengeschwüre, Hämorrhoiden oder Tumore im Magen-Darm-Trakt. Auch kann Blutspenden für den Eisenmangel verantwortlich sein.

Nach Angaben von Gahl gehören auch Vegetarier und Veganer zur Risikogruppe. «Da Veganer vollkommen auf tierische Lebensmittel und somit auf wichtige Eisenlieferanten verzichten, sind sie besonders gefährdet», erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Ihr Rat: Sie sollten ihren Eisenspiegel regelmäßig kontrollieren lassen, um eine Unterversorgung rechtzeitig zu erkennen. «Kinder und Säuglinge sollten keinesfalls vegan ernährt werden, da ihr Gehirn zur optimalen Entwicklung eine gute Eisenversorgung benötigt», warnt Gahl. Eisenmangel könne Konzentrations- und Lernschwächen verursachen und irreversible geistige Entwicklungsstörungen nach sich ziehen.

Welche Beschwerden sollten Betroffene aufhorchen lassen?
«Erschöpfungszustände, allgemeine Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Konzentrationsstörungen können erste Anzeichen für eine unzureichende Eisenversorgung sein», zählt Gahl auf. Wer ständig blass sei, müde und abgeschlagen, sich nicht konzentrieren könne und leicht krank werde, sollte prüfen lassen, ob ein Eisenmangel dahinter stecke, rät die DGE-Sprecherin. Auch trockene Haut, Haarausfall, Entzündungen der Mundwinkel und Rillen auf den Fingernägeln können auf Eisenmangel hinweisen.

Was passiert im Körper, wenn Eisen fehlt?
Ein Eisenmangel muss sich nicht in jedem Fall und sofort bemerkbar machen. «Bei ungenügender Eisenzufuhr leeren sich die Eisenspeicher langsam, was meist keine sofortigen Auswirkungen auf unser Wohlbefinden hat», erklärt Gahl. Erst wenn die Speicher erschöpft sind und die Neubildung der roten Blutkörperchen behindert wird, kann dies die Gesundheit beeinträchtigen. Dann drohen allerlei Krankheiten, zum Beispiel Herzbeschwerden. In seltenen Fällen kann es sogar zum Restless-Legs-Syndrom, also zu unruhigen Beinen, kommen. Schlimmstenfalls entsteht eine Eisenmangelanämie (Blutarmut), bei der die Anzahl der roten Blutkörperchen deutlich reduziert ist. Den Körperzellen mangelt es an Sauerstoff und sie können nicht richtig funktionieren.

Wie wird Eisenmangel festgestellt und behandelt?
«Ob jemand ausreichend mit Eisen versorgt ist, sollte durch eine Blutuntersuchung beim Arzt ermittelt werden», sagt Gahl. Eine Unterversorgung könne durch Eisentabletten und eine eisenreiche Ernährung behoben werden. Allerdings, so die Expertin, sollten Eisentabletten nur nach ärztlicher Diagnose und Anweisung eingenommen werden und nicht auf eigene Faust gekauft werden. Zumeist geht eine Eisentherapie über mehrere Wochen, bis sich die Blutwerte wieder normalisiert haben. Eine dauerhafte Einnahme ist nach Einschätzung Gahls nicht sinnvoll, weil der Körper überschüssiges Eisen nicht ausscheiden kann. Ein Zuviel an Eisen kann sogar schädlich sein. Denn erhöhte Eisenwerte gelten als Risikofaktor für Herzinfarkt und Krebserkrankungen, wie Studien ergaben.

Wie kann man einem Eisenmangel vorbeugen?
«Der beste Eisenlieferant ist Fleisch», sagt Gahl. «Denn im Vergleich zu pflanzlichem Eisen wird tierisches Eisen vom Körper besser verwertet.» Pflanzliches Eisen liegt im Lebensmittel in gebundener Form vor. Der Körper muss es daher zunächst in eine lösliche Form überführen, bevor er in der Lage ist es zu resorbieren. «Aber auch pflanzliche Lebensmittel sind reich an Eisen und tragen zur Bedarfsdeckung bei, wenn auch in geringerem Maß», so Gahl.

Relativ eisenhaltig sind zum Beispiel Rote Beete, Hülsenfrüchte und Getreideprodukte aus Vollkornmehl. Insbesondere Vitamin C verbessere außerdem die Verfügbarkeit von pflanzlichem Eisen für den Körper. Ebenfalls seien Fisch, Fleisch und Geflügel in der Lage die Resorption zu steigern, erklärt die DGE-Sprecherin. Vegetarier und Veganer könnten ihren Versorgungszustand verbessern, in dem sie eisenreiche Lebensmitteln wie Spinat oder Hirse, mit einem Vitamin C reichen Lebensmittel, zum Beispiel einem Glas Orangensaft oder einer Paprika, kombinieren.

kat

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