12.06.2009, 20.58 Uhr

Problem im Alter: Warum Bier und Schnaps vergesslich machen

Bei Konzentrations- und Gedächtnisproblemen im Alter denken viele Betroffene gleich an Demenz. Doch angesichts der Aktionswoche Alkohol machen Experten jetzt darauf aufmerksam: Auch das Trinken kann die Ursache für solche Beschwerden sein.

Gedächtnisproblem im Alter: Alkoholkonsum kann die Ursache sein. Bild: dpa

«Alkohol wird im Alter schlechter vertragen», erläutert Professor Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim mit Blick auf die «Aktionswoche Alkohol» vom 13. bis 21. Juni. Grund seien körperliche Veränderungen. Da bei Älteren beispielsweise der Wasseranteil im Körper sinkt, führe bei ihnen die gleiche Menge getrunkenen Alkohols zu einem höheren Alkoholpegel als bei jüngeren, erklärte Weyerer.

Mit zunehmendem Alter braucht nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm auch die Leber länger für den Abbau von Alkohol. Mengen, die früher problemlos vertragen wurden, könnten deshalb zu Trunkenheit führen. Außerdem würden die Nerven im Gehirn feinfühliger für Alkohol. Daher komme es schneller zu einer Schädigung des zentralen Nervensystems.

In den USA würden deshalb bei Älteren die Richtwerte für einen bedenkenlosen Konsum nach unten korrigiert, erklärt Weyerer, der zu Alkoholkonsum im Alter geforscht hat. So werde in den USA empfohlen, dass Ältere nicht mehr als 10 Gramm Alkohol pro Tag konsumieren. Zum Vergleich: Für Frauen gelten in Deutschland 20 Gramm Alkohol am Tag als risikolos, das ist ungefähr ein Glas Wein.

Zittern, allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen, ein unsicherer Gang, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und wiederholte Stürze könnten laut Weyerer auf ein Alkoholproblem hinweisen. Die DHS nennt mangelnde Aufmerksamkeit, Schwindel, Appetitverlust, Interessenlosigkeit, eine Vernachlässigung des Äußeren und Gesichtsröte als weitere Hinweise.

Häufig wüssten aber weder die Betroffenen selbst noch deren Angehörige und Ärzte, dass hinter diesen Veränderungen Alkoholprobleme stecken können, sagt Weyerer. Dabei reiche bei leichtem Alkoholmissbrauch häufig schon ein aufklärendes Gespräch, damit die Leute ihr Verhalten ändern.

Im Rahmen der einwöchigen Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der DHS werden von diesem Samstag an bundesweit mehr als 2200 Veranstaltungen angeboten.

DHS-Geschäftsführer Raphael Gassmann sagt, Deutschland liege im statistischen Vergleich mit anderen Ländern weit vorne. «9,9 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr: 6. Platz weltweit. Der Alkoholkonsum in Deutschland ist extrem.» Gleichzeitig betonte er, Erwachsene - Hersteller, Händler, Werbetreibende, Eltern - hätten eine besondere Verantwortung «für das Verhalten junger Nachwuchstrinker». Einer Studie zufolge trank im vergangenen Jahr ein Fünftel der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren exzessiv Alkohol.

Insgesamt gelten in Deutschland laut einer gemeinsamen Erklärung von DHS, BZgA und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Sabine Bätzing 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Bei 2 Millionen liege ein Alkoholmissbrauch vor, bei mehr als 9,5 Millionen Deutsche nehme der Konsum riskante Ausmaße an.

car/nak

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