Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Obwohl Legionellen in der Natur vorkommen, ist die von ihnen ausgehende Legionärskrankheit ein Zivilisationsproblem. Denn die Bakterien vermehren sich besonders in schlecht gewarteten künstlichen Warmwassersystemen und werden dann gesundheitsgefährdend.
Die Legionellen werden aber nur dann wirklich gefährlich, wenn sie in die menschliche Lunge gelangen. Etwa dann, wenn sie über zerstäubtes Wasser unter der Dusche eingeatmet werden. Je nach Konzentration der Bakterien und Gesundheitszustand der einzelnen Personen können die Legionellen die Erkrankung auslösen, die teilweise sehr schwer verläuft. Trinkt man hingegen kontaminiertes Wasser, ist dies völlig unbedenklich. Allerdings: Sollte bei Schluckbeschwerden etwas von der Flüssigkeit doch in die Lunge geraten, besteht ebenfalls die Gefahr einer Erkrankung.
1976 forderte die Krankheit bei einem Treffen der US-Kriegsveteranenvereinigung «American Legion state convention» in einem Hotel in Philadelphia mit einem Schlag 181 Opfer. Die tödlichen Bakterien hatten sich im Wassersystem des Hotels festgesetzt. Lokal derart konzentrierte Epidemien, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, wurden seitdem immer wieder vor allem in Hotels, Krankenhäusern, Altenheimen, Schwimmbädern und auf Kreuzfahrtschiffen registriert. Aber auch Einfamilienhäuser oder Bürogebäude und Wohnungen können jederzeit befallen sein.
Wenn die Legionärskrankheit auftaucht, ist dies kein Problem der Hygiene, sondern vor allem der Technik, betont Bonita Brodhun vom Robert-Koch-Institut (RKI). Gefährlich werden die Bakterien dann, wenn sie sich im Wasser schlecht gewarteter Leitungen stark vermehren. Bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad finden sie dafür ideale Bedingungen. Wird das Wasser aber auf 60 Grad oder mehr hochgeheizt, werden die Legionellen abgetötet.
Auch wenn das Wasser in einem großen Leitungssystem zu lange stagniert oder Kalt- und Warmwasserleitungen zu dicht und nicht genügend isoliert nebeneinander verlaufen, kann es zu einer bedenklichen Konzentration von Legionellen kommen. «Aber im Prinzip können alle Anlagen, die Warmwasser enthalten mit Legionellen kontaminiert sein», sagt Brodhun.
Ob das Wassersystem gefährdet ist, erkenne man an der Temperatur des Leitungswassers. Erreicht das heiße Wasser tatsächlich so hohe Temperaturen, dass man sich die Finger verbrennt und ist das kalte Wasser tatsächlich eisig, dann gebe es keinen Grund zur Beunruhigung. «Wenn in beiden Fällen immer nur lauwarme Brühe durch die Leitungen läuft, dann sollten die Alarmglocken klingeln», rät die RKI-Mitarbeiterin.
Die Legionärskrankheit tritt in Form einer Lungenentzündung auf. In vielen leichten Fällen schlage zwar ein normales Breitbandantibiotikum bei den Patienten an, sagt Brodhun, doch eigentlich braucht die Krankheit eine speziell abgestimmte Medikation. Denn nur ein Antibiotikum, das direkt in den Zellen wirksam wird, komme gegen die Legionellen an.
Und da liege das Problem. «Legionärskrankheit ist zwar gut behandelbar», so die Expertin, «aber in den Symptomen nicht von anderen Lungenentzündungen zu unterscheiden.» Nur ein Labor könne dies feststellen. Unbehandelt oder mit dem falschen Medikament bekämpft, kann die Erkrankung insbesondere bei älteren Menschen tödlich verlaufen.
Im vergangenen Jahr wurden beim RKI 522 Fälle der Legionärskrankheit registriert. «Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Brodhun. Geschätzt wird, dass es jährlich 20.000 Neuerkrankungen gibt. Das liege daran, dass nicht immer ein Labortest gemacht werde. Zwar sei die Zahl seit der 2001 eingeführten Meldepflicht kontinuierlich gestiegen, aber aufgrund des nur geringen Anteils ließe sich daraus keine Entwicklung der tatsächlichen Erkrankungen ablesen.
Um die Leginonellengefahr etwa bei einem Hotelaufenthalt im Urlaub völlig auszuschließen, könne man nur zu drastischen Maßnahmen, wie etwa eiskaltes Duschen, greifen. Doch davon rät Brodhun ab. «Da ist dann die Gefahr, einen Kreislaufkollaps zu erleiden, größer als der Schutz vor den Legionellen», gibt sie zu bedenken. Erkrankt man an einer Lungenentzündung, sollte man seinen Arzt bitten, einen Labortest zu machen, um entweder die Legionärskrankheit auszuschließen oder gleich richtig und gezielt behandeln zu können.
ham