Tag der Organspende Jeden Tag sterben drei Patienten auf der Warteliste

Rund 12.000 schwer kranke Menschen brauchen in Deutschland ein neues Organ. Weil es zu wenig Spender gibt, warten viele von ihnen mehrere Jahre - zwischen Hoffen und Bangen. Jeder vierte Patient überlebt diese Zeit nicht.

Experten kritisieren Organspende-Praxis (Foto)
Nur jeder sechste Deutsche hat einen Organspendeausweis. Bild: dpa

Funktionierende Nieren sind lebenswichtig. Wenn sie auf Dauer versagen, hilft nur noch eine regelmäßige Blutwäsche - oder eine Transplantation. Doch der Weg dahin ist weit. Knapp 12.000 Deutsche warten auf ein Spenderorgan, zwei von drei davon auf eine Niere.

«Es werden weit mehr Organe benötigt, als Spender zur Verfügung stehen», sagt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, anlässlich des Tags der Organspende am 6. Juni. «An jedem Tag sterben im Durchschnitt in Deutschland drei Patienten auf der Warteliste, weil für sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung steht.»

Dabei ist die Einstellung der Deutschen zum Thema Organspende eigentlich so schlecht nicht: Laut einer Umfrage der BZgA hat jeder sechste Bundesbürger einen Spendeausweis. Fast die Hälfte aller Befragten hat zumindest einmal daran gedacht, sich das Dokument zu besorgen. Und zwei Drittel der Deutschen hätten keinen Einwand dagegen, dass ihnen nach dem Tod Organe entnommen würden. Die Realität sieht aber anders aus: Die tatsächliche Zahl der Spender sank im Jahr 2008 auf knapp 1200.

Dabei käme grundsätzlich fast jeder halbwegs gesunde Mensch dafür infrage. Voraussetzung für eine Entnahme funktionsfähiger Organe ist allerdings, dass vor dem Herzstillstand der Hirntod eintritt. Dies passiert jährlich bei rund 4000 Patienten, die in deutschen Kliniken sterben. Dass nur ein kleiner Teil von ihnen Organe spendet, liegt auch an der Gesetzeslage.

Laut der geltenden sogenannten erweiterten Zustimmungsregelung soll ein Mensch seine Bereitschaft mit einem Spendeausweis dokumentieren. Nach dem Tod können allerdings auch die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen entscheiden. Doch dazu müssten sie von Mitarbeitern des Krankenhauses angesprochen werden. Gerade im hektischen Alltag der Intensivstationen haben Ärzte oft zu viel zu tun, um die sensible Thematik mit den Hinterbliebenen zu erörtern.

«Die Abläufe in den Krankenhäusern sind so verdichtet, dass dafür kaum Zeit bleibt», sagt der Freiburger Mediziner Friedhelm Beyersdorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Nach seiner Meinung sollten alle größeren Krankenhäuser einen Transplantationsbeauftragten beschäftigen, der diese Gespräche übernimmt. Bislang müssen Kliniken mit Intensivstationen nur in 8 der 16 Bundesländer einen solchen Beauftragten bestimmen.

Auf strukturelle Veränderungen dringt auch Günter Kirste vom Vorstand der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO), die die Spenden koordiniert. «Die Krankenhäuser melden längst nicht alle Fälle, die für eine Organtransplantation in Frage kommen», klagt der Mediziner. «Wir erscheinen in den Kliniken als Bittsteller.» Kirste fordert, zu den Gesprächen mit Angehörigen grundsätzlich DSO-Koordinatoren hinzuziehen, «als Anwälte der Wartelisten-Patienten». Dies könne die dringend benötigte Zustimmung zu Organspenden erhöhen.

Als beispielhaft für eine gute Koordination gilt Spanien. Während in Deutschland auf eine Million Einwohner nur 15 Organspender kommen, sind es südlich der Pyrenäen mit 34 mehr als doppelt so viele. Zusätzlich könnte auch eine bessere Aufklärung der Bevölkerung vielen Patienten auf den Wartelisten das Leben retten. «Das Entscheidende ist, dass in den Familien darüber gesprochen wird», sagt DSO-Vorstand Kirste. «Die Angehörigen müssen wissen, was sie im Falle eines Falles tun sollten.»

Ob ein bestimmtes Organ entnommen und transplantiert werden kann, darüber entscheiden medizinische Tests. Die Organe werden dann über Eurotransplant vermittelt und in einem Transplantationszentrum eingesetzt. Die Spende verläuft völlig anonym: Die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer das Organ erhält. Der Patient weiß nicht, wer der Spender war. Aber er fühlt sich danach oft, als sei ihm ein zweites Leben geschenkt worden.

Informationen: Details zum Organspendeausweis sowie Formulare zum Herunterladen bekommt man bei der BZgA unter der Nummer 0800 - 904 04 00 und im Internet unter www.bzga.de oder bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation unter (069) 677 32 80 und auf deren Internetseite.

car/ap/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 13.06.2009 11:39

Jeder sollte für eine Organspende zur Verfügung stehen, außer er hat einen Ausweis dabei das er nicht möchte oder die Angehörigen widersprechen. Oder Die Krankenkassen verschicken mit der Abrechung einfach den Ausweis mit einer Information. Dann müßte sich jeder entscheiden.

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