Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Wer in der Nacht schnarchend ganze Wälder absägt, zeigt am Tag darauf ein noch schlechteres Reaktionsvermögen als ein Angetrunkener. Experten warnen daher, das Problem zu unterschätzen. Besonders wenn es darum geht, auf der Straße die Augen offen zu halten.
«Schnarchen ist eine Belastung für den schlafenden Körper. Der Schlaf ist dann nicht so erholsam, wie er sein sollte», warnt Professor Riccardo Stoohs von der American Sleep Clinic in Frankfurt. Schnarcher reagierten in einer Untersuchung des Schlafmediziners noch langsamer als Autofahrer ohne Schlafprobleme mit 0,5 Promille Alkohol im Blut oder als Menschen mit nächtlichen Atemaussetzern.
Bei Schnarchern entspannen sich zunächst im Schlaf die Muskeln noch mehr als bei anderen Menschen. Das betrifft auch den Rachen, über den die Luftversorgung läuft. Das Gehirn bemerkt laut Stoohs aufgrund der geringeren Luftzufuhr, dass etwas schief läuft. Als Alarmreaktion verstärke der Körper die Muskelspannung und leiste daher mehr «Atemarbeit», um die Rachenmuskulatur offenzuhalten. Das Resultat laut Stoohs: «Schlafen ist dann anstrengender.»
Der Schlafmediziner warnt daher: «Schnarchen ist keine Harmlosigkeit.» Vor allem bei schnarchenden Menschen, die wie LKW- oder Taxifahrer beruflich viel hinter dem Steuer sitzen, sei es sinnvoll, die Reaktionsfähigkeit regelmäßig zu überprüfen.
Dem stimmt auch Dr. Bobby Kalveram von Lehrstuhl Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie zu. Übermüdung, wie etwa durch Schlafapnoe, bei der Atemaussetzer eine Rolle spielen, oder verminderte Aufmerksamkeit durch Alkohol seien ernstzunehmende Risikofaktoren, im Straßenverkehr. So hätten in vergangenen Studien zwischen 20 und 30 Prozent aller Berufskraftfahrer angegeben, mindestens einmal schon am Steuer eingenickt zu seien. «Das ist sehr viel», so der Psychologe.
Ein Fahrverbot für Schnacher hält Kalveram aber für übertrieben. Denn: «Es sind meist noch ganz andere Faktoren, die dann tatsächlich zu einem Unfall führen.» Einen Aspekt, wie etwa Übermüdung durch Schnarchen so herauszugreifen sei nicht angemessen und würde auch viel zu kurz greifen. Dennoch ist auch Kalveram davon überzeugt, dass Schnarcher die Ursachen und möglichen gefährlichen Folgen des Schlafdefizits nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten.
Da Schnarchen häufig durch Übergewicht verursacht wird, helfe es meist schon, das Körpergewicht zu verringern, rät Stoohs. Auch länger zu schlafen, könne eine Lösung des Problems sein. Bei schwereren Fällen sei ein chirurgischer Eingriff denkbar. Auch ein Gerät, das das nächtliche Atmen unterstützt, indem es Rachen offen hält, ist eine Möglichkeit. Gelegentlich biete sich auch eine Schiene an, die den Unterkiefer so nach unten zieht, dass sich die Atmung normalisiert.
Für seine Untersuchung verglich der Schlafforscher 47 schnarchende Patienten mit 47 von Atemstillständen Betroffenen. Beide Gruppen führten den gleichen Reaktionstest durch, der die Zeit zwischen dem Auftreten eines sichtbaren Reizes und dem Drücken einer Tastatur misst. Dabei fand Stoohs heraus, dass die Reaktionsgeschwindigkeit der normalen Schnarcher sogar noch signifikant langsamer war als die von denjenigen mit Atemstillständen im Schlaf. Schon eine frühere Studie hatte gezeigt, dass Menschen mit nächtlichen Atemaussetzern tagsüber langsamer reagieren als Gesunde mit einem Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille.
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