Auch wenn die Zahlen deutliche Worte sprechen: Es ist schwer, von der Statistik auf die heutige Situation zu schließen. In 20 Jahren hat sich die Todesrate bei Frauen durchs Rauchen verdoppelt. Doch das ist Resultat von jahrzehntelangem Verhalten.
Gerade das Rauchen ist ein Prozess, der über Jahrzehnte an der Gesundheit nagt. Die Frauen, deren Daten in die aktuelle Statistik eingeflossen sind, hatten ein Durchschnittsalter von 80 Jahren, als sie an einer Krebserkrankung der Atemwege starben. Es ist anzunehmen, dass diese Frauen bereits seit den 1950er Jahren oder sogar länger regelmäßig zur Zigarette gegriffen hatten.
Die Gefahren des Rauchens werden aber erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ernst genommen. Auch Präventionsmaßnahmen in Schulen oder Aufklärungskampagnen durch Schockbotschaften auf den Zigarettenpäckchen sind noch recht jung.
Die durchaus erschreckende Tendenz kann deshalb auch keine Aussagen über die Wirksamkeit der heutigen Kampagnen und Aufklärungsanstrengungen geben. Darauf zu schließen, dass diese überflüssig sind oder nicht ankommen, wäre falsch. Es wird noch Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bevor die Statistik der Rauchertoten die Wirkung der Gesundheitskampagnen widerspiegeln kann. Deshalb muss an der Stelle auch weiterhin viel gemacht werden.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), hat angekündigt, dass Zigarettenschachteln ab Ende 2010 mit drastischen Bildern von Leichen, Raucherlungen, Tumoren und kranken Kindern versehen werden, um noch mehr Bewusstsein für die gesundheitsschädlichen Gefahren zu schaffen. Hardcore-Raucher wird auch das nicht von ihrem Lieblingslaster abhalten.
Der US-Komiker Dennis Leary hat es mal so auf den Punkt gebracht: «Sie können auch einen Totenkopf auf die Packung kleben und die Dinger Tumor nennen. Ein echter Raucher würde sie dennoch kaufen.» Aber zumindest Gelegenheitsraucher oder wackelige Kandidaten dürften ein paar Sekunden länger nachdenken, bevor sie sich eine neue Packung kaufen.
mik