Ernährung bei Diabetes Wie kriegen Patienten das Fett weg?

Menschen, deren Stoffwechsel gestört ist, wie es bei Diabetikern der Fall ist, sollten auf die Ernährung achten. Doch die Blutzuckerkranken liegen, wenn es ums gesunde Essen geht, wie auch die Restbevölkerung, weit von empfohlenen Werten entfernt.

Ernährung (Foto)
Diabetiker essen viel zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Bild: dpa

Der Durchschnittsdeutsche wird immer übergewichtiger. Aber das heißt noch lange nicht, dass Otto Normalverbraucher auf einmal seine Kalorienzufuhr massiv nach oben geschraubt hätte. Denn: Nicht die Energiezufuhr hat sich in Deutschland verändert, sondern die Nährwertverteilung und die Bewegung, betonte Dr. Monika Toeller bei der Diabetikerjahrestagung in Leipzig. Was dies für die Ernährung für Diabetiker – ob Typ 1 oder Typ 2 – bedeute – untersuchten einige Experten aus der Diabetologie und Ernährungswissenschaft.

Anhand der EURODIAB-Studie zeigte Toeller im europäischen Vergleich an welcher Stelle Diabetiker hinter den wünschenwerten Werten zurückbleiben. Die Studie zeigte eine Entwicklung bei 1102 Probanten über sieben Jahre. Zwar hatten sich die Werte minimal verbessert, aber das deutliche Resultat ist: Es werden viel zu wenig Kohlenhydrate und damit verschwindend geringe Mengen an dringend nötigen Ballaststoffen in die tägliche Ernährung eingebaut. Stattdessen nimmt Fett einen immer größer werdenden Anteil ein.

Verheerender noch als die Gesamtfettmenge sei aber die Art der Fettsäuren, so Toeller. Besonders gesättigte Fettsäuren dominieren die Ernährung in ganz Europa. In einigen Ländern liege der Wert der Nichtdiabetiker etwas günstiger als bei Diabetikern.

Toeller ist davon überzeugt, dass dieses Mißverhältnis zwischen den Nährwerten dem bisherigen Trend geschuldet sei, dass Diabetikern immer geraten wurde, die Kohlenhydratzufuhr niedrig zu halten, um den Blutzuckerspiegel unter Kontrolle zu bekommen. «Das funktioniert nicht», so die Expertin. «Ein weniger an Kohlenhydraten führt zwangsläufig immer zu mehr Fett.» Und dann gelinge eine vernünftige Ernährung nicht, die den Folgen von Diabetes, wie etwa Herzkreislauferkrankungen, entgegenwirkt. Die allgemeine Erfolgsformel: Mehr Vollkornprodukte, Obst und Gemüse.

Doch gerade mit der oft schiefen Vorstellung, was gesund ist, hat Ernährungsberaterin Gertraud Sadilek in den Diabetikerschulungen zu kämpfen. Vieles falsche Wissen und Missverständnisse seien durch die Kraft der Werbung geprägt, wie sie am Beispiel eines Fruchtjoghurts deutlich macht. «Milch ist gesund, also muss alles wo Milch drin ist, gesund sein», sagte sie. Das Gleiche gelte für Früchte. Dass in Fruchtjoghurts aber oft nur Farbstoffe und Sägemehl stecke, und ein Sahnejoghurt eine Fettfalle darstellt, die so viel Fett enthält wie 15 Gläser Buttermilch, wüssten nur die wenigsten.

Viele ließen sich einlullen und suchten nach der von der Werbung versprochenen ganz einfachen Lösung. Man müsse sich deshalb auf die zu schulenden Diabetes-Patienten und ihre vorgefertigten Meinungen einlassen und herausfinden, was sie sich denn genau vorstellen, wenn sie von gesundem Gemüse sprechen. Ob es die fertige verarbeitete Mischung aus dem Tiefkühlregal ist oder die frische Variante, bei der einzelne Sorten noch gekannt werden. Nur wenn man in der Schulung bei der Erfahrung der Einzelnen anknüpfe und darauf aufbaue, dann würden Erkenntnisse auch mitgenommen, habe Sadilek die Erfahrung gemacht.

nak

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 28.05.2009 16:24

Bei mir entwickelte sich eine Diabetes durch wahrscheinliche Insuffiziens der Bauchspeicheldrüse (Diagnose meiner Heilpraktikerin). Mit dem Stoffwechselprogramm "metabolic-ballance", dass sie mir empfahl, bekam ich den Zucker als auch mein Gewicht in den Griff, bis ich aufgrund einer Kontroll-Magenspiegelung wegen Verdachtes auf ein Insulinom (meinte Herr Dr.)in die Hände der Schulmedizin gelangte (Hungertest und anschl. "Diät"). Der Verdacht bestätigte sich nicht - nur fange ich jetzt wieder an, den Zucker in den Griff zu kriegen, der während der Behandlung wieder aus dem Ruder gelaufen war.

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