Insulintherapie Individuell im Kampf gegen Diabetes

Anstatt Typ-2-Diabetikern nur morgens ein Langzeitinsulin zu spritzen, werden die Therapien heute feiner abgestimmt. Das bedeutet zwar mehr Injektionen am Tag, dafür hat der Patient seine Erkrankung besser im Griff.

Verbesserungsbedarf bei Diabetes-Therapie (Foto)
Das Insulinanalogon Glargin steht unter Verdacht das Krebsrisiko zu erhöhen. Bild: dpa

Bei der Jahrestagung der Deutschen Diabetesgesellschaft in Leipzig machte Professor Dr. Andreas Pfützner die Problematik an dem virtuellen Durchschnittspatienten Dieter Abetes deutlich. Bei Diabetes gebe es keine Therapie, die über Jahre hinweg gleich eingestellt bleiben sollte, betonte der Diabetologe. Auch sei keine Lösung für alle Patienten gleich gut. «Wir behandeln den Patienten und nicht den Blutzucker», so der Experte.

Nicht nur die Blutwerte, sondern auch deren Tagesverlauf müssten betrachtet werden. Ist nämlich der Wert mit dem Langzeitinsulin vormittags im grünen Bereich, könnte dann nachts der Spiegel so abfallen, dass eine Unterzuckerung, eine sogenannte Hypoglykämie, drohe.

Bei Diabetes ist die körpereigene Produktion von Insulin stark gestört oder sogar nicht mehr vorhanden. Das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon ist für die Regulierung der Glukosekonzentration im Blut und deren Transport zuständig.

Von einer ursprünglich oralen Therapie, die ausschließlich die Blutzuckerwerte senkte, aber andere Aspekte wie die Gefahr der Unterzuckerung vernachlässigte, stellte Pfützner seinen virtuellen Patienten über einige Jahre über mehrere Stufen auf einen Idealwert ein und brachte ihn dazu, seinen Lebenstil zu ändern und Sport zu treiben.

Der ursprünglich dicke schnaufende Dieter Abetes verbesserte nicht nur seine Werte, sondern kam irgendwann strahlend, etwas schlanker und voller Elan zu seinem Arzt in die Praxis.

Auch seine Einstellung, dass Spritzen «nicht in die Tüte kommt», änderte der Patient. Er war irgendwann nicht nur bereit, morgens ein Langzeitinsulin zu spritzen, sondern dreimal täglich zu den Mahlzeiten auch ein zusätzliches Kurzzeitinsulin, um die Werte auch über Nacht stabil genug zu halten.

Diese Therapie, die dem Patienten viel Flexibilität in der Ernährung bietet, bezeichnet Professor Andreas Fritsche als die Basal-Bolus-Therapie. Die Experten stellten die Prinzipien dieser Therapieform als den «goldenen Weg» vor.

Es hat sich viel getan in der Diabetes-Therapie, sagte Pfützer. Besonders das vergangene Jahr habe einige Meilensteinstudien hervorgebracht. Die noch unveröffentlichte sogenannte GINGER-Studie habe zudem gezeigt, dass im Gegensatz zu einer Therapie mit dem herkömmlichen Mischinsulin, das je nach Patient ein- bis dreimal täglich gespritzt wird, die Basal-Bolus-Therapie eine sicherere Methode sei, die Lebensqualität zu verbessern.

Auch mache es bei dieser Therapie keinen Unterschied, ob die Patienten wie bisher üblich die Kohlenhydrateinheiten oder auch Broteinheiten (BE) zählten und danach die Dosis einstellten oder ob sie eine feste Dosis spritzten. Dadurch sei die Anwendung relativ einfach und erfordere keine intensive Schulung.

Zudem ergab eine Studie von Dr. Robert Ritzel, dass die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die körpereigene Insulinproduktion zuständig sind, durch den frühen Start einer Insulintherapie vor dem Absterben geschützt werden können.

Zuvor war eine Insulintherapie bei Diabetes-Typ-2 Patienten oft hinausgezögert worden, solange sich die Blutzuckerwerte mit Tabletten einigermaßen in den Griff kriegen ließen. Die neuesten Studien haben aber ergeben, dass diese Vorgehensweise für die Patienten und den Krankheitsverlauf fatale Folgen haben kann.

Die Experten waren sich einig, dass eine intensivierte Insulintherapie, die möglichst frühzeitig auf den Lebens- und Ernährungsstil des Patienten abgestimmt wird, zum einen Folgekrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vermindern und zum anderen die körpereigene Produktion von Insulin länger erhalten kann.

aro

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