Sa., 26.05.12

Arbeitsfrust 18.05.2009 Der eingebildete Gestresste

Stress im Job (Foto)
Der Stress im Job ist oft hausgemacht und entsteht im eigenen Kopf. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer

Zwölf Prozent der Deutschen glauben laut einer Studie, dass ihre Arbeit sie krank macht. Häufige Folgeleiden vom Arbeitsfrust sind Rückenschmerzen oder sogar Rheuma. Besonders empfindlich und mit unterschiedlichen Strategien reagieren Arbeitnehmer auf Stress.

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«Wenn sich ein Bauer beim Mähdreschen den Finger abhackt, sieht man seine Berufskrankheit. Bei Leuten mit psychischem Stress sieht man die Probleme nicht», sagt Psychologe Alfred Gebert über Stress am Arbeitsplatz. Doch die Belastungen sind seiner Meinung nach hausgemacht. «Objektiv hat man keinen Berufsstress. Nicht die Arbeit macht uns fertig, sondern der eigene Kopf.»

Demnach setzt man sich mit Gedanken wie «Ich bin schon zwei Tage im Rückstand» oder «Um Gottes Willen, gleich kommt der Chef rein und schimpft» zu sehr unter Druck und löst erst dadurch subjektiven Stress aus. «Wir bilden uns Ängste ein und setzen uns selber unter Zwang. Damit machen wir uns krank», sagt Gebert, der sich unter anderem mit den Bereichen Körpersprache, Multitasking und Frust im Beruf beschäftigt.

Dabei kann man seinen Stress auch einfach ignorieren. So wie Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn, den Gebert als Vorbild sieht. Der Fußballer sagt selbstbewusst über sich selbst: «Ich lasse keinen Ball durch». Laut Gebert hält er genau aufgrund dieser Einstellung viele Elfmeter. «Und sollte doch mal ein Ball reingehen, ignoriert er seinen Fehler und denkt einfach wieder, er sei der Beste.»

Wie jemand mit Stress umgeht, wird laut Gebert bereits in der Kindheit entschieden. Daran sind auch die Eltern nicht ganz unschuldig: Wollen sie ihren Nachwuchs etwa zu einem lieben, braven und hilfsbereiten Menschen erziehen, werden die Kinder quasi in diese Richtung gedrängt. «Später wählen sich diese Kinder dann soziale Berufe aus. Aus den lieben Kleinen werden Lehrer oder Krankenschwestern, aber diese Berufsgruppen sind enorm gefährdet», sagt Alfred Gebert. Das liege daran, dass sie mit allen Mitteln versuchen, anderen zu helfen. «Und schaffen sie das einmal nicht, haben sie das Gefühl, versagt zu haben. Sie zweifeln ständig an sich selbst.»

Ganz anders sehe es tendenziell bei frechen Kindern aus. Diese würden später eher zu Egoisten, ist der Experte überzeugt. «Die sind sogar vor dem Burn-Out-Syndrom oder Mobbing geschützt. Das sind die Zumwinkels oder Ackermanns, die ohne mit der Wimper zu zucken schon mal 9000 Leute entlassen.»

Ein Problem vieler Arbeitnehmer sei, dass sie nur das bewusst wahrgenehmen, was sie nicht können. Gebert habe dies oft bei seinen Studenten festgestellt. «Die kommen in eine mündliche Prüfung und haben im Hinterkopf nur das, was sie nicht gelernt haben. Die meisten versagen deshalb in ihren Prüfungen.»

Hinzu komme, dass häufig die Kritik anderer angenommen wird, Lob allerdings nicht. Gebert: «Ich habe kürzlich einer Frau ein Kompliment für ihre Körperhaltung gemacht. Statt sich zu freuen sagte sie: ‹Ja, aber mein Po ist viel zu dick.› Wir müssen lernen, Optimisten zu sein und aufhören, uns von innen selbst zu zerfressen.»

mas/kat
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