Bluthochdruck Die Gefahr aus den Adern

Er gilt als einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall und viele sind von ihm betroffen, ohne es zu wissen: Bluthochdruck. Der Volkskrankheit Nummer eins der Deutschen ist der heutige Welt-Hypertonie-Tag gewidmet.

Blutdruck (Foto)
Viele Patienten lassen ihre Blutdruckwerte regelmäßig kontrollieren. Bild: dpa

Jung, sportlich - und krank. Als Roland Schachner vor einem Jahr erfuhr, dass er Hypertoniker ist, war er gerade einmal 36 Jahre alt und fühlte sich kerngesund. Doch sein Blutdruck lag bei 180 zu 120 und war damit viel zu hoch.

Genau das ist das Tückische an Bluthochdruck oder Hypertonie. Er verursacht keine Schmerzen, zerstört aber schleichend die Blutgefäße und kann zu Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen führen. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche oder Einbußen des Sehvermögens gehören zu den möglichen Folgen. Knapp die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland - jährlich mehr als 400.000 - geht auf Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems zurück, meist ist Bluthochdruck als einer der wichtigsten Risikofaktoren daran beteiligt.

Bei Roland Schachner wurde der Bluthochdruck zum Glück rechtzeitig festgestellt - bei einer Routine-Messung beim Hausarzt. Der 37-Jährige führt ein eigenes Schuhgeschäft in Berlin. «Sicher habe ich oft viel zu tun, aber mir ging es immer gut, mir tat nie etwas weh», sagt der Unternehmer.

Erkennen lässt sich Bluthochdruck beispielsweise durch anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Atemnot. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man zweimal im Jahr den Blutdruck beim Arzt oder Apotheker kontrollieren lassen. «Ideal sind Werte von 120 zu 80», sagt Professor Karl Werdan, Kardiologe am Universitätsklinikum Halle. Brenzlig wird es ab einem Wert von 140 zu 90 mm HG, wobei die Einheit mm HG für Millimeter Quecksilbersäule steht - so hoch würde der Blutdruck eine Messsäule mit dem flüssigen Metall ansteigen lassen.

Mit Bluthochdruck ist der Druck des strömenden Blutes auf die Arterienwände gemeint. «Die Höhe hängt von der Pumpleistung des Herzens und dem Durchmesser der Gefäße ab», erklärt Werdan. Der Arzt misst zwei Werte: Der erste Wert (systolischer Druck) entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien drückt. Der zweite Wert (diastolischer Druck) stellt sich ein, wenn sich das Herz entspannt und sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen.

«Was wir in der Diagnostik und Therapie des Bluthochdrucks erreicht haben, ist eine Erfolgsgeschichte der Medizin», frohlockte Professor Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, im vergangenen Jahr bei der Eröffnung des Welt-Hypertoniekongresses in Berlin. «In der Therapie verfügen wir über hochwirksame Medikamente. Und wir wissen sogar, wie sich die Krankheit bei vielen Menschen ganz verhindern lässt.»

So beeindruckend die Forschungserfolge der Hypertoniespezialisten auch sind, zu wenige proftieren davon. Mindestens 30 Millionen Deutsche über 35 Jahren haben nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga einen zu hohen Blutdruck. Das Erschreckende: Nur jeder zweite weiß von seinem Zustand und höchstens zehn Prozent werden von ihren Ärzten ausreichend behandelt.

Der hohe Salzkonsum in Deutschland ist nach Meinung vieler Experten wesentlich für das Volksleiden Bluthochdruck verantwortlich – neben Übergewicht, wenig Bewegung und Stress. Durch Veränderung der Essgewohnheiten sei der tägliche Kochsalzkonsum auf acht bis zehn Gramm pro Tag gestiegen, sagt der Direktor der Marburger Klinik für Innere Medizin, Joachim Hoyer.

«Die Niere ist der entscheidende Regulator des Blutdruckes», erklärt Hoyer. Dieses Organ sei aber nicht darauf eingestellt, so viel Salz zu handhaben. Dies führe zu einer dauerhaften Übersalzung des Körpers. Nach Hoyers Einschätzung haben die Menschen oft nur geringe Chancen, in ihren persönlichen Kochsalzkonsum einzugreifen. 80 Prozent des aufgenommenen Salzes sei in gekauften Nahrungsmitteln enthalten.

Der Nahrungsmittelindustrie komme daher bei der Reduzierung des Salzkonsums eine Schlüsselrolle zu: «Diese Industrie muss massiv dazu lernen», meint Hoyer. Um die Lager- und Transportfähigkeit von Lebensmitteln zu erhöhen, setze die Ernährungsindustrie Salz mit Vorliebe als Konservierungsstoff ein. Notwendig sei eine Reduzierung des Salzkonsums um 50 Prozent in den nächsten zehn Jahren. Diese Maßnahme im Kampf gegen Bluthochdruck sei überaus kostengünstig und ohne Nebenwirkungen.

Derzeit werden in Deutschland jährlich Blutdruckmittel im Wert von insgesamt 3,2 Milliarden Euro eingenommen. Doch trotz der inzwischen fast optimalen Medikamente wird bestenfalls ein Drittel der Hypertoniker ausreichend behandelt. Ursache dieser massiven Fehl- und Unterversorgung ist nach Ansicht vieler Experten die Bagatellisierung des Bluthochdrucks als «nicht so schlimm» sowie ein mangelndes Wissen auf Seiten von Ärzten und Patienten.

Eine Studie der Krankenkassen hat ergeben, dass die meisten Ärzte die nationalen Behandlungsleitlinien der Deutschen Hochdruckliga nicht kennen, geschweige denn eine korrekte Diagnose erstellen können. «Viele Kollegen meinen, dass sie nach einer einmaligen Messung alles über den Blutdruck eines Patienten wissen», kritisiert Professor Werdan. Dem ist aber nicht so, denn der Blutdruck ändert sich – nach Tageszeit und Tagesform. Deshalb ist es nötig, ein Blutdruck-Tagesprofil mit Hilfe einer 24-Stunden-Langzeitmessung zu ermitteln. Entsprechende mobile Leihgeräte gehören nach Ansicht des Mediziners zur Grundausstattung einer Praxis.

Patienten dagegen erliegen dem Irrtum, die Medikamente könnten den Bluthochdruck heilen. «Die Medikamente kontrollieren den Blutdruck nur, solange man sie einnimmt», erklärt Werdan. Wer seine Hypertonie in den Griff bekommen wolle, müsse schon seinen Lebensstil ändern. Sprich: Gewicht verringern, mehr Bewegung in den Alltag integrieren, Stress abbauen sowie auf Nikotin, Alkohol und möglichst auch auf Salz verzichten. Internist Hoyer weist darauf hin, dass auch Lakritz und Kautabak den Blutdruck steigern. Er rät zu Spaziergängen von 30 bis 45 Minuten Dauer mehrmals in der Woche.

Viele Patienten setzen ihre Hoffnung in die Impfung gegen Bluthochdruck. Die Methode, die derzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover erprobt wird, klingt praktisch und elegant: Alle paar Monate einen Pieks in den Oberarm bekommen statt jeden Tag viele Tabletten schlucken. Das Serum stammt von der Schweizer Biotechnologie-Firma Cytos und sorgt dafür, dass sich Antikörper gegen das Hormon Angiotensin bilden. Jenes Hormon ist mit dafür verantwortlich, dass die Blutgefäße im Körper eng gestellt werden und der Blutdruck in die Höhe schießt. Noch stehen die Ergebnisse einer langfristigen Studie aus, geimpfte Mäuse jedenfalls lebten deutlich länger als ihre unbehandelten Artgenossen.

Für Patienten, denen Tabletten nicht ausreichend helfen, haben die Hannoveraner Forscher ein anderes Angebot: den Blutdruck-Schrittmacher, der unter das Schlüsselbein implantiert wird und der von dort über zwei dünne Drähte Elektroimpulse zu den Halsschlagadern sendet. Dem Gehirn wird auf diese Weise ein viel zu hoher Blutdruck vorgegaukelt, woraufhin das Denkorgan mit Gefäßerweiterung gegensteuert und den Druck absenkt.

Für Roland Schachner sind solche Experimente Zukunftsmusik. Er hat eine Veranlagung zu hohem Blutdruck: Seine Mutter starb mit 44 Jahren an einem Hirnschlag: Ursache: Hypertonie. «Das soll mir nicht passieren», sagt er. Er treibt weiterhin Sport und isst mehr Obst und Gemüse sowie weniger Eier und tierische Fette als früher. Und nimmt täglich seine Medikamente ein. «An die Tabletten», sagt er, «muss ich mich für den Rest meines Lebens gewöhnen.»

Rund um den Welt-Hypertonie-Tag am 17. Mai, gibt es in Deutschland viele Aufklärungs- und Fortbildungsveranstaltungen, und in Apotheken werden Blutdruck-Messaktionen angeboten. Die Deutsche Hochdruckliga präsentiert im Internet eine Zusammenstellung der Veranstaltungen nach Postleitzahlen sortiert.

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • farbiarz
  • Kommentar 2
  • 06.04.2010 13:01

diese beschreibung des bluthochdrucks ist fehlerhaft. es fehlt wie man die ursache behandelt. mit einer "Dr. Schnitzer -Kost" ist der bluthochdruck heilbar - ohne medikament. morgnes eine müsli aus frisch gemahlenem korn und dann mittags und abends rohkost. so werden die venen gesäubert und der bluthochdruck sinkt. selbst ausprobiert - das funktioniert. nachteil: die phrmaindustrie und der doktor verdienen nicht mehr - so ein jammer !!!!

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  • Kommentar 1
  • 20.05.2009 22:02

Meine Oma ist 94 Jahre geworden und hat ab 64 Jahren Bluthochdruck gehabt .War mit 93 Jahren noch gut drauf auch körperlich und geistig . Ich habe da ganz schön gestaunt darüber ,auch als ich einen 102 jährigen Mann jetzt sah . Ich hätte es nicht geglaubt ,wenn mir dies einer erzählt hätte ,ich habe es selbst erlebt und gesehen ,wie er ganz prima lief noch . Das einzige was er hatte , Bluthochdruck .

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