Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Hängt der Haussegen schief, läuft der eine im Job zur Hochform auf. Der andere lässt sich vom Liebeskummer lähmen. Die Strategien, im Job mit privaten Krisen umzugehen, hängen stark vom Persönlichkeitstyp ab, sagt Psychologe Dr. Stephan Lermer.
So stünden der Job, die Partnerschaft und das Ich mit allem, was an Hobbys und Freunden dazugehört, in einem Dreiecksverhältnis. Im Idealfall läuft es auf allen drei Ebenen glatt. Im Job hat man Erfolg, freut sich zum Feierabend auf die Liebsten und am Wochenende trifft man sich mit seinen Freunden oder powert sich im Fitnessstudio aus. «Sobald ein Bereich schwächelt, versucht man sich von den anderen Bereichen auffangen zu lassen oder kompensiert dort», sagt Lermer.
Doch da würden die Möglichkeiten der verschiedenen Strategien stark voneinander abweichen. So könne man Verhaltensweisen im privaten Krisenmanagement den vier Grundtypen der Persönlichkeit – der Depressive, der Hysteriker, der Schizoide und der Zwanghafte – zuordnen, so der Experte.
Der Depressive lässt sich von seinen Problemen und Sorgen oft lähmen und kehrt diese voller Selbstmitleid nach innen. «Er trägt sie wie in einem schweren Rucksack mit sich herum», erklärt der Psychologe. Dann kann sich eine Beziehungskrise auch schnell zu einer Krise im Beruf entwickeln. Lermer: «Er bringt einfach nicht mehr die Leistung, die von ihm erwartet wird.»
Beim Hysteriker sehe das ganz anders aus: «Der lässt sich erst mal lautstark aus», so der Psychologe. Seine Konsequenz könne bei einer Krise sein: Jetzt erst recht! Die offenen Wutausbrüche des Hysterikers seien zwar für die Kollegen erstmal ein bisschen anstrengend, aber dafür seien sie dann auch ausgestanden. «Der Hysteriker ist die Probleme dann los», sagt Lermer.
Auch der Schizoide lässt sich bei seiner Arbeit nicht von der Beziehungskrise aus der Bahn werfen. Allerdings nehme er die Probleme gar nicht erst mit ins Büro, halte sich bedeckt und trenne ganz strikt. Das eine ist privat und das andere eben Beruf. Der Sportler Dirk Nowitzki sei ein solcher Typ, vermutet Lermer. Denn schließlich lasse sich der deutsche Basketballer, der seit Jahren ein Star der amerikanischen NBA ist, von seinen derzeitigen privaten Problemen – seine Freundin wurde als Betrügerin entlarvt und festgenommen – in seiner sportlichen Leistung nicht beeinflussen. Stattdessen brachte er in dieser Woche seinem Team Dallas Mavericks einen entscheidenden Sieg.
Und dann gebe es noch den Zwanghaften. «Der verbeißt sich in der Arbeit, wenn zuhause Chaos herrscht», sagt Lermer. Der Grund dafür sei, dass die Gefühlswelt der Partnerschaft dem Zwanghaften Angst mache. Er versuche sich dann an den geordneten Strukturen im Job festzuhalten.
Eine weitere Tendenz, die man häufig feststellen könne, sei, dass Männer stärker zwischen den beiden Bereichen trennen, während Frauen Gefühle besser benennen können und sowohl die Probleme in der Beziehung mit zur Arbeit als auch umgekehrt den Krach mit dem Chef mit nach Hause nehmen.
Lermer hat die Erfahrung gemacht, dass das Gleichgewicht von Job und Beziehung in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger und immer heftiger ins Wanken gerate. Der Grund liegt seiner Meinung nach zum einen darin, dass Beziehungen immer unsicherer werden: «Früher hat man fürs Leben geheiratet, heute bleibt man halt nur für eine Weile zusammen». Das bringe Unsicherheit und damit Stress mit sich. Aber auch im Beruf sei ein Posten auf Lebenszeit schon längst nicht mehr üblich. «Einen Job zu haben bedeutet noch lange keine Sicherheit.»
aro