Mo., 13.02.12

Welt-Asthma-Tag Jedem zehnten Kind bleibt die Luft weg

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 05.05.2009

Asthma führt die Liste der chronischen Erkrankungen im Kindesalter an: Jedes zehnte Kind ist mittlerweile betroffen. Viele werden nicht optimal behandelt, weil das Leiden zu spät erkannt wird.

Lennard ist ein ganz normaler Junge. Er tobt gerne draußen herum, spielt Fußball und trifft sich mit Freunden. Manchmal aber bleibt dem Neunjährigen die Luft weg. «Das drückt dann hier oben», sagt er und zeigt auf seine Brust. Das passiert zum Beispiel, wenn er mit Katzen spielt. Lennard hat allergisches Asthma. Es tritt nicht ständig auf, sondern nur zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen.

Lennard war bei der Diagnose vier Jahre alt. Damit hatte er Glück. Denn oft wird die Atemwegserkrankung bei Kindern zu spät erkannt und nicht richtig behandelt. Das brachte jetzt eine Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ans Licht.

Die Krankenkasse befragte zusammen mit dem unabhängigen Berliner Forschungsinstitut Iges mehr als 1300 Eltern asthmakranker Kinder. Mehr als die Hälfte von ihnen musste mehrere Ärzte aufsuchen, bis die richtige Diagnose feststand. Jede fünfte Familie klapperte sogar drei oder mehr Ärzte ab, bis die Therapie beginnen konnte.

Ein Viertel der Befragten gab zudem an, dass das Asthma auch dann noch unerkannt blieb, als ihr Kind mit Atemwegsbeschwerden im Krankenhaus behandelt wurde. Dabei ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Laut der DAK-Studie ist jedes zehnte Kind in Deutschland betroffen.

Auch der Dresdner Mediziner Christian Vogelberg stellt immer wieder fest, dass das Leiden zu spät erkannt wird. «Eine frühzeitige Diagnose ist aber der Schlüssel für eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit», betont der Leiter des Fachbereichs Bronchopneumologie der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Universitätsklinikums.

Ein früher Therapiebeginn, am besten noch vor dem fünften Lebensjahr, könne entscheidend sein. Denn richtig behandelt, könne Asthma auch wieder verschwinden, sagt der Experte.

Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege. Diese Entzündung führt zu Überreaktionen der Atemwege und Luftnot. Die Luftnot entsteht, weil sich die Bronchien verengen und gleichzeitig die Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet, durch die Entzündung schwellen kann.

Sie produziert einen sehr zähen Schleim, der die Bronchien zusätzlich verstopft. Da sich die Erkrankung also hauptsächlich in den Bronchien abspielt, heißt sie korrekt Asthma bronchiale und unterscheidet sich damit vom Asthma kardiale, dem Herzasthma, an dem Kinder nur in Ausnahmefällen leiden.

Außerdem wird zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma unterschieden. Bei ersterem hat das Kind Überempfindlichkeiten gegen bestimmte Stoffe - wie Lennard, der auf Katzen- und Hundehaare allergisch reagiert.

Problematisch wird es bei ihm dann, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen. «Beispielsweise wenn es draußen extrem kalt ist, wenn er sich einen Schnupfen einfängt und dann vielleicht noch bei einem Freund gewesen ist, der ein Haustier hat. Dann können die Lungenfunktionswerte drastisch in den Keller gehen», erzählt seine Mutter Ines Meier.

Vogelberg bestätigt, dass oft Allergien - etwa auf Tierhaare oder Pollen - Asthma auslösen. Besonders bei Kleinkindern äußere sich die Krankheit nicht unbedingt durch den klassischen Asthmaanfall, sondern oft durch häufige Erkältungen, die nicht abklingen wollen, oder durch langanhaltenden trockenen Reizhusten. «Wenn Eltern den Verdacht auf Asthma haben, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden, denn wenn sich der Verdacht bestätigt, muss rasch mit der Behandlung begonnen werden», rät Vogelberg.

Da die Entzündung also die Ursache für die Asthmaerkrankung ist, muss in erster Linie auch diese behandelt werden. Ergänzend werden die Symptome der Erkrankung wie Luftnot oder Husten therapiert. Asthmatiker sollten daher immer ein Notfallspray (Reliever) in der Tasche haben. Es entspannt in Sekundenschnelle die kleinen Muskeln der Bronchien, sodass die Luft wieder strömen kann.

Um zu vermeiden, dass es erst überhaupt zu einem Asthmaanfall kommt, verschreibt der Arzt meist auch einen Entzündungsdrücker (Controller), den es ebenfalls in Sprayform gibt. Die Wirkstoffe ähneln dem körpereigenen Entzündungshemmer Cortison. Die DAK-Studie hat aber gezeigt, dass vielen Eltern diese Sprays Angst machen. Meist führt die Furcht vor Nebenwirkungen dazu, dass die besorgten Mütter und Väter den Entzündungshemmer weglassen, wenn ihr Spross sich gerade gut fühlt.

Damit bewirken sie aus Medizinersicht nichts Gutes für ihre Kinder. Cortison in hohen Mengen könne zwar das Immunsystem schwächen. Aber erstens verordnen Asthmaspezialisten das Mittel nur in kleinen Mengen. Und zweites riskieren Eltern, die Cortison weglassen, das genaue Gegenteil dessen, was sie erreichen wollen: Sie erhöhen das Risiko von Medikamentennebenwirkungen.

Denn wenn die Kinder zu wenig entzündungshemmendes Cortison inhalieren, benötigen sie mehr bronchienerweiternde Sprays. Und deren Nebenwirkungen können in zu großen Mengen höher sein als die des Cortisons.

Lennard nimmt zwar seine Medikamente, aber nicht regelmäßig, wie seine Mutter schildert. «Da müssen wir ein wenig hinterher sein», sagt Ines Meier. Besonders, wenn es ihm gut gehe. Dann fehle ihm ein wenig der Zusammenhang. «Manchmal», sagt sie, «haben wir Angst, dass er chronisches Asthma bekommt, wenn er erwachsen ist. Man kann es ihm nicht so richtig verständlich machen, dass es für die Zukunft wichtig ist, dass er seine Medikamente nimmt.»

Der Neunjährige hat sich an sein Asthma gewöhnt. Er ist nicht öfter krank als seine Klassenkameraden, und er treibt viel Sport. Und mit dem Asthmaspray ist er regelrecht cool unter den Schulkameraden. Er ist dann was Besonderes.

Mehr Infos: www.daab.de, www.kiggs.de

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 19.08.2009 10:00
von

Die Entzündung der Bronchien als Ursache für Asthma zu bezeichnen ist meiner Meinung nach verfehlt - was hat denn die Entzündung ausgelöst? Könnte es nicht sein, dass wir in einer zunehmend verschmutzten Luft leben müssen und dies die Ursache für die Entzündung ist? Von den psychischen Faktoren einmal ganz abgesehen, aber davon spricht man als Schulmedizintreuer ja ungern. Lieber empfiehlt man Cortison, das nachgewiesenermaßen krebserregend ist - Bravo! In meiner Kindheit vor 40 Jahren kannte ich kein einziges Kind mit Asthma; irgendetwas läuft total schief auf diesem Planeten. Ich kann nur hoffen, dass man endlich anfängt, sich das ganze anzuschauen, anstatt am Detail rumzudoktern.

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